Antivirus ist tot

Virenscanner im Test: Bitdefender Total Security Multi-Device 2017

14. Juni 2017
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Nachdem wir uns bereits die Virenscanner von ESET und Kaspersky angesehen haben, testen wir heute die Lösung von Bitdefender: Total Security Multi-Device 2017.

Bitdefender Virenscanner: die Plattformen

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Auch Bitdefender gibt ein großes Versprechen ab: „Genießen Sie Ihr digitales Leben – Sie sind geschützt“, heißt es auf der Produktseite der Total Security Multi-Device-Suite. Tatsächlich werden jedoch lediglich die Plattformen Windows, macOS und Android geschützt. IOS ist ausgeklammert, was für Punktabzug sorgt: 4 von 5 Punkten.

User und Laufzeit bei Bitdefenders AV-Lösung

Bitdefender unterscheidet nicht nach Usern, sondern nach Geräteanzahl. Hier ist die Auswahl denkbar gering: Sie haben die Wahl, die Suite für 5 oder 10 Geräte zu ordern. Schade für jene, die lediglich drei Geräte schützen wollen – hier würden wir uns noch eine Zwischenlösung für zwei oder drei Geräte wünschen.

Die Laufzeiten hingegen sind bestens: Sie haben die Wahl zwischen einem, zwei oder drei Jahren. Weiter haben Sie die Wahl, ob Sie selbst installieren möchten oder ob Bitdefender das für Sie übernehmen soll. Das ist eine Option, die uns bei Bitdefender erstmals begegnet – das bringt einen Extra-Punkt in der Wertung.

Zwar gibt es Punktabzug aufgrund der geringen Auswahl der Geräteanzahl, allerdings bringt das Installationsfeature noch einen Zusatzpunkt, sodass Bitdefender auf 3 von 3 Punkten kommt.

Kosten der Antiviren-Suite

Die Preise staffeln sich bei Bitdefender je nach Geräteanzahl und Laufzeit wie folgt:

  • Bis zu 5 Geräte, 1 Jahr Laufzeit: 39,00 € (aktuelles Angebot; UVP: 69,99 €)
  • Bis zu 10 Geräte, 1 Jahr Laufzeit: 79,99 €
  • Bis zu 5 Geräte, 2 Jahre Laufzeit: 119,99 €
  • Bis zu 10 Geräte, 2 Jahre Laufzeit: 129,99 €
  • Bis zu 5 Geräte, 3 Jahre Laufzeit: 159,99 €
  • Bis zu 10 Geräte, 3 Jahre Laufzeit: 179,99 €

Optional können Sie die Installation dazu ordern, die mit 49,99 € zu Buche schlägt.

Ausgehend von der UVP zeigt sich Bitdefender damit als bislang teuerster Anbieter. Wer sich für das erste Paket im aktuellen Angebot entscheidet, kommt sehr günstig weg, darüber hinaus jedoch ist Bitdefender teurer als die Suiten von ESET oder Kaspersky.

Testversion: was bietet Bitdefender?

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Eine Testversion der Security-Suite wird direkt auf der Produktseite verlinkt. Ein Klick darauf öffnet ein Pop-up-Fenster, in dem Sie Ihre E-Mail-Adresse eingeben und alles Weitere per E-Mail erhalten. Leider wird nicht auf den Datenschutz hingewiesen – wir würden gern wissen, ob unsere E-Mail-Adresse ausschließlich für den Versand genutzt wird oder ob sie auch anderen Zwecken dienen soll.

Nach Eingabe der E-Mail-Adresse öffnet sich ein neuer Tab, in dem um Anmeldung gebeten wird. Zunächst muss ein Konto angelegt werden, indem Sie Vor- und Zunamen, E-Mail-Adresse und Passwort eingeben. Auch hier fehlt ein Hinweis auf den Datenschutz, lediglich die Nutzungsbedingungen werden verlinkt. Jede Site wurde via HTTPS abgesichert.

Ihre Testversion beziehen Sie dann über ein Portal namens Bitdefender Central – Ihre Schaltzentrale für die Antiviren-Lösung. Auch diese Schaltzentrale ist über HTTPS geschützt. Der fehlende Verweis auf den Datenschutz wird mit Punktabzug gestraft, alles andere begeistert. So kommt Bitdefender mit der Testversion auf 1 von 2 Punkten.

Systemanforderung und Installation

Sowohl die Systemanforderungen als auch eine Anleitung für die Installation liegen im downloadbaren Benutzerhandbuch (PDF) bereit. Die Mindestanforderungen für Windows und macOS sind denkbar gering.

Installiert wird die Suite über das eben vorgestellte Portal Bitdefender Central, alternativ können Sie auch einen Datenträger zur Installation nutzen. Die Installation gestaltet sich kinderleicht: die Anleitung gibt exakt vor, was Sie zu tun haben, Bildschirmhinweise regeln den Rest.

Selbstschutz der Antiviren-Lösung von Bitdefender

Auch Bitdefender gehört zu jenen Anbietern, die AV-Test mit einem sehr guten Selbstschutz überzeugen konnten. Die Tester des unabhängigen Testinstituts lobten den konsequenten Einsatz von ASLR und DEP, das gültige Signieren aller Programmdateien und die Software-Verteilung via sicherem HTTPS. Volle Punktzahl also auch für Bitdefender.

Bitdefender Total Security Multi-Device 2017: die Feature-Liste

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Kaspersky und ESET haben bereits vorgelegt – können die Features von Bitdefender mithalten? Wir werfen einen Blick auf die Feature-Liste:

  • Sicherheit: branchenweit hat Bitdefenders Sicherheitssoftware die besten Malware-Erkennungsraten. Der Entwickler setzt dafür unter anderem auf Künstliche Intelligenz, sodass die Software aus vergangenen Ereignissen dazulernen kann. Viren, Würmer, Trojaner, Zero-Day-Exploits, Rootkits und Spyware werden abgehalten.
  • Active Threat Control: Mittels Verhaltenserkennung werden Apps auf ungewöhnliches Verhalten hin überwacht.
  • Ransomware-Schutz: Wie bereits bei den anderen Anbietern betont, gilt auch hier der Hinweis, dass Sie Ransomware am wirkungsvollsten mit Backups auf externen Speichermedien begegnen. Bitte trauen Sie nicht ausschließlich dem Ransomware-Schutz Ihrer Antiviren-Suite!
  • Rettungsmodus: Komplexe Viren müssen vor einem Systemstart entfernt werden. Wenn Bitdefenders AV-Lösung eine solche Bedrohung erkennt, wird der PC im Rettungsmodus neugestartet, die Bereinigung und Wiederherstellung folgen.
  • Phishing-Schutz: Vermeintlich seriöse Sites, die Informationen stehlen möchten, werden blockiert.
  • Betrugsschutz: Warnt vor Websites, auf denen Betrugsversuche drohen.
  • Sicheres Surfen: Bereits vorm Anklicken eines Links wird dieser als unsicher oder sicher eingestuft. Infizierte Links werden blockiert.
  • Cloud-Integration: Um Einbußen in der Systemgeschwindigkeit zu vermeiden, werden Cloud-basierte Scans eingesetzt. Dabei wird im Sinne des Datenschutzes nicht der Inhalt gescannt, sondern die Datensignaturen überprüft.
  • Akkubetrieb: Praktisch bei der Nutzung von Notebooks oder Tablets ist diese Funktion. Verschiedene Systemeinstellungen (z. B. Anzeige oder Bluetooth) werden vorübergehend akkuschonend angepasst.
  • Transaktions-Browser: Bitdefender bringt einen speziellen Browser mit, der speziell zum Schutz von Transaktionen entwickelt wurde. Bitdefender Safepay erlaubt darüber hinaus, die Kreditkartendaten automatisch einfügen zu lassen.
  • Eltern-Berater: Überwacht Aktionen der Kinder diskret.
  • Firewall: Schutz vor Zugriff durch Hacker. Hier kann es zu Verwirrungen mit der Firewall Ihres Routers kommen; idealerweise entscheiden Sie sich für eine Firewall.
  • Social Media-Schutz: Schutz vor schädlichen Links oder durch Kontakte verbreitete Gefahren auf Facebook, Twitter, Pinterest & Co.
  • Geldbörse: Passwort-, Kreditkartendaten-Speicher und Speicher für weitere wichtige Daten.
  • Dateischredder: Dateien werden endgültig und ohne Spuren zu hinterlassen vom Rechner gelöscht.
  • Risikoprüfung: Suche nach Sicherheitslücken oder Schwachstellen.
  • Anti-Theft: Wiederfinden von verlorenen oder gestohlenen Mobilgeräten.
  • App-Sperre: Schutz für persönliche Apps. Sperre der Apps durch Passwortschutz (nur unter Android).

Der „Autopilot“ in der AV-Software von Bitdefender nützt insbesondere Einsteigern und Laien: der Schutz werkelt selbstständig im Hintergrund und Sie brauchen nicht aktiv werden. Hilfreich zum ungestörten Arbeiten sind auch die Spiele-, Film- oder Arbeitsmodi, bei denen auf Benachrichtigungen verzichtet wird.

Nicht alle Features gelten auch für macOS oder Android. Auf der Produktseite finden Sie ganz unten unter „Erfahren Sie mehr“ die Leistungen für die einzelnen Plattformen.

Bitdefender braucht sich von den Leistungen hinter keinem der bisherigen Testkandidaten zu verstecken. Schade ist, dass auch hier eine Dateiverschlüsselung fehlt – bislang bietet diese lediglich Kaspersky. Jedoch hat Bitdefender an Features gedacht, die sowohl Kaspersky als auch ESET fremd sind. Wir vergeben 2,5 Punkte, um noch etwas Luft nach oben zu lassen, falls wir in der kommenden Woche von McAfee positiv überrascht werden.

Support: wie hilfreich ist Bitdefender?

So offensichtlich wie bei Kaspersky ist der Support von Bitdefender nicht. Nach einigem Suchen jedoch ergeben sich vielfache Möglichkeiten: Zunächst wäre da das Handbuch, das wir vorhin bereits erwähnt haben. Hier finden Sie dieses Handbuch im PDF-Format.

Weiter gibt es das Support-Center für Heimanwender und Unternehmen. Wir testen einmal an: Als Kundentyp nehmen wir Heimanwender. Wir suchen unser Produkt aus. Leider sind die Lösungen ausschließlich auf Windows ausgerichtet. Damit fällt diese Support-Möglichkeit für Probleme unter Android oder macOS weg.

Kommen Sie mit den Handbüchern und FAQ nicht zurecht, haben Sie immer noch zwei Optionen. Entweder Sie eröffnen im Bitdefender Central-Portal ein Ticket oder Sie kontaktieren den Kundendienst. Im Prinzip ist dies nur eine Lösung, jedoch über zwei Kanäle. Haben Sie sich also nicht bei Bitdefender Central registriert, finden Sie auch so Unterstützung.

Alles in allem sind das gute Support-Möglichkeiten. Dass jedoch die FAQ im Support-Center ausschließlich Windows-Usern helfen, wenn wir von einer Multi-Device-Lösung sprechen, sorgt für dezenten Punktabzug: 1,5 von 2 möglichen Punkten.

Usability: Wie anwenderfreundlich ist die AV-Lösung?

Schon die Feature-Liste zeigt eines: Sie können extrem viele Einstellungen und Anpassungen vornehmen. Dem fortgeschrittenen User mag das gefallen, während sich der Laie womöglich dadurch einschüchtern lässt. Hier jedoch greift dann der Autopilot der AV-Suite: Bitdefenders Antiviren-Lösung werkelt im Hintergrund und der User muss sich um nichts kümmern.

Mit diesen vielfältigen Möglichkeiten sehen wir diese Lösung für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. In unserem Test kamen wir hervorragend zurecht: Wussten wir einmal nicht weiter, half das Handbuch. Ansonsten zeigt sich die Suite recht luftig und intuitiv bedienbar.

Einen zwar stillen, aber bildhaften Einblick in die Suite erhalten Sie in folgendem Video:

Deinstallation der Antiviren-Lösung von Bitdefender

ESET und Kaspersky haben das Deinstallieren denkbar einfach gehalten. Bitdefender geht einen etwas anderen Weg und setzt voraus, dass Sie sich zur Deinstallation das Bitdefender Uninstall Tool auf den Rechner laden. Mithilfe dieses Tools geht dann alles ganz einfach. Eine Anleitung hält Bitdefender an dieser Stelle bereit. Da wir erst ein Tool einspielen müssen, um die Software loszuwerden, gibt es hier Punktabzug: 1 von 2 Punkten.

Fazit: Bitdefender Total Security Multi-Device 2017

Bitdefender lässt leider auch keinen Rundum-Schutz für wirklich alle Geräte zu: iOS wird ausgeschlossen. Von den Kosten her erweist sich die Lösung als bisher teuerste, jedoch wird das mit einem Feature-Plus ganz gut ausgeglichen. Die Dateiverschlüsselung vermissen wir in der sehr langen Feature-Liste der AV-Suite. Auch ein Webcam-Schutz fehlt – theoretisch, denn in der Praxis zeigt die Suite von Kaspersky, dass ein solcher Schutz nur mit wenigen Webcam-Modellen funktioniert. Nach wie vor bleibt der unschöne Klebestreifen der beste Schutz vor Webcam-Spionage.

Da es komplizierter ist als bei der Konkurrenz, gab es auch beim Deinstallieren und bei der Testversion Punktabzüge. Sie können die Suite vorher ausgiebig testen und geben dann erst mehr Geld aus als bei der Konkurrenz. Mit guten Laufzeiten punktet Bitdefender, genauso wie im Selbstschutz, der Usability und beim Support.

Der Support hat leider online seine Grenzen: FAQ werden nur unter Windows besprochen. Jedoch gleichen mögliche Ansprechpartner und ein entsprechendes Ticket-System dies wieder aus. Geringe Systemanforderungen mit guter Software-Architektur erlauben die Installation auch auf älteren Geräten.

Mit 26 von 32 möglichen Punkten setzt sich Bitdefender nicht gegen ESET (27 Punkte) und Kaspersky (28,5 Punkte) durch, ist jedoch auch nicht weit von diesen Mitbewerbern entfernt. Wir sind gespannt, ob McAfee kommende Woche noch am Ergebnis rüttelt!



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