Zertifikatstrends 2026: Was Sie jetzt beachten müssen

Digitale Zertifikate sind aus der heutigen IT-Sicherheitsinfrastruktur nicht mehr wegzudenken. Sie schützen Daten bei der Übertragung (z. B. per SSL/TLS), sorgen für Authentizität (z. B. per Code Signing) und sind Grundpfeiler jeder Public Key Infrastructure (PKI).
Das Jahr 2026 bringt dabei tiefgreifende Änderungen mit sich: Neue Laufzeiten, strengere Branchenvorgaben und höhere Anforderungen an Automatisierung stellen viele Unternehmen vor strategische Herausforderungen. Klassische manuelle Zertifikatsverwaltung reicht nicht mehr aus. Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Zertifikatstrends 2026 und zeigt, worauf Sie sich jetzt vorbereiten sollten, um Sicherheitslücken, Compliance-Verstöße und Mehraufwand zu vermeiden.
SSL-Zertifikate: Kürzere Laufzeiten ab 15. März 2026
Die erste große Änderung betrifft SSL/TLS-Zertifikate, also die Verschlüsselung von Webseiten. Ab dem 15. März 2026 reduziert sich die maximale Laufzeit branchenweit auf 199 Tage. Grundlage dieser Entscheidung ist ein Beschluss des CA/Browser Forums, das als Standardgremium für digitale Zertifikate gilt.
Folgende Ziele werden mit der Laufzeitverkürzung verfolgt:
Schnellere Reaktion auf kompromittierte Zertifikate: Durch kürzere Laufzeiten können kompromittierte Zertifikate schneller ungültig gemacht und durch neue ersetzt werden. Das reduziert die Zeit, in der Angreifer ein kompromittiertes Zertifikat potenziell missbrauchen könnten.
Reduzierung des Missbrauchsrisikos: Je kürzer ein Zertifikat gültig ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es über einen längeren Zeitraum unbemerkt missbraucht wird. So wird das Risiko von Phishing-Angriffen oder Man-in-the-Middle-Attacken deutlich reduziert.
Begrenzung des Schadenszeitfensters bei Sicherheitsvorfällen: Sollte es zu einem Sicherheitsvorfall kommen, etwa durch gestohlene Schlüssel oder Zertifikate, ist der potenzielle Schaden durch die verkürzte Gültigkeitsdauer zeitlich stark eingegrenzt.
Für Unternehmen bedeutet das: Erneuerungen werden häufiger nötig und damit auch operative Prozesse wie Beantragung, Validierung und Implementierung. Unternehmen, die weiterhin auf manuelle Verwaltung setzen, werden hier schnell an Grenzen stoßen.
Code Signing: Neue Regeln ab dem 1. März 2026
Auch bei Code Signing-Zertifikaten gibt es eine entscheidende Änderung: Ab dem 1. März 2026 wird die maximale Gültigkeitsdauer auf 460 Tage begrenzt. Bisher lag sie bei 39 Monaten, also über drei Jahren.
Hintergrund ist die zunehmende Relevanz von Software-Lieferketten und der Schutz vor Supply-Chain-Angriffen. Mit kürzeren Laufzeiten will das CA/Browser Forum die Sicherheit erhöhen und schneller auf kompromittierte Signaturen reagieren.
Daraus ergeben sich folgende Auswirkungen für Entwicklerteams:
Signaturen müssen häufiger erneuert werden: Entwicklerteams müssen künftig häufiger neue Signaturen erzeugen und bestehende Anwendungen aktualisieren. Das kann zusätzliche Schritte im Entwicklungsprozess erfordern und mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Schlüsselmanagement wird komplexer: Die sichere Verwaltung von privaten Schlüsseln wie etwa deren Erstellung, Speicherung und Rotation wird durch kürzere Laufzeiten anspruchsvoller.
Höherer Koordinationsaufwand mit Build-Prozessen: Da Zertifikate nun häufiger in automatisierte Build- und Release-Pipelines integriert werden müssen, steigt der organisatorische Aufwand.
Sie sehen: Die Auswirkungen von kürzeren Zertifikatslaufzeiten bringen eine Reihe von neuen Herausforderungen mit sich, auf die sich IT-Teams in 2026 einstellen müssen.
Automatisierung wird zum essentiellen Bestandteil der PKI
Durch die kürzeren Laufzeiten bei SSL und Code Signing ist klar: Manuelle Zertifikatsverwaltung ist nicht mehr zukunftsfähig.
Die konsequente Entwicklung, die daraus folgt: Zertifikatsmanagement muss automatisiert werden, um Skalierbarkeit, Sicherheit und Compliance aufrechtzuerhalten.
Relevante Automatisierungslösungen:
ACME-Protokoll für die automatisierte Beantragung und Erneuerung von SSL/TLS-Zertifikaten
CLM-Tools (Certificate Lifecycle Management) für ein zentrales, überwachbares Zertifikatsinventar
API-Integration für die Automatisierung von Zertifikatsprozessen
Ein konkretes Beispiel für moderne CLM-Lösungen ist KeyTalk, mit dessen Hilfe selbst S/MIME-Zertifikate oder Gerätezertifikate vollständig automatisiert verwaltet werden können.
2026 wird zum Wendepunkt für digitale Zertifikate
Die Zertifikatstrends 2026 läuten eine neue Ära im Umgang mit digitalen Zertifikaten ein. Vor allem die deutlich verkürzten Laufzeiten bei SSL-Zertifikaten (maximal 199 Tage) und Code Signing-Zertifikaten (maximal 460 Tage) sorgen für einen Paradigmenwechsel in der Zertifikatsverwaltung. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und die Fähigkeit, bei Bedrohungen schnell zu reagieren – all das erfordert ein radikales Umdenken in Unternehmen.
Manuelle Prozesse stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Die Verwaltung digitaler Zertifikate muss künftig automatisiert erfolgen, um Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit und Compliance sicherzustellen. Unternehmen sind daher gut beraten, ihre bestehende PKI-Strategie zu überdenken und die neuen Anforderungen proaktiv anzugehen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Prozesse zu analysieren, Automatisierungspotenziale zu identifizieren und sich für die kommenden Veränderungen zu rüsten.
Wir unterstützen Sie gerne mit unserer langjährigen Expertise, passenden Tools und individuellen Lösungen für Ihre sichere und zukunftsfähige Zertifikatsverwaltung.
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