Messenger

schmoose: Messenger mit Potenzial

25. April 2014
  • Messenger

Am 27. Juni 2013 twitterte schmoose: „Are you ready for us?“ – und niemand antwortete. Am 10. Juli 2013 wurde das dahinterstehende Unternehmen, Schmoose S. A., gegründet. Und schon am 16. Juli brachte ein Twitter-User schmoose mit prismbreak in Verbindung – seither liest man hier und da was von der App. Der Messenger soll anders sein. Sicherer. Wie Threema, nur mit mehr Funktionen. Wir starteten voller Spannung in die nächste Messenger-Testrunde!

schmoose muss erst noch für alle entwickelt werden

Noch ist schmoose nicht für alle Betriebssysteme erhältlich. Die Version für Windows Phone 8 war die erste, die das Licht der Mobilwelt erblickte, die Android-Version steht seit dem 10. April 2014 zum Download bereit. Geplant sind Versionen für Windows 8 Desktop und für iOS; die Entwickler stellen das 2. Quartal als Erscheinungstermin in Aussicht. Während die WP8-Version bereits in deutscher Sprache erschienen ist, soll die Android-Version in Kürze übersetzt werden. Die iOS-Version wird gleich in Deutsch erscheinen. Auf unsere Anfrage bezüglich der aktuellen Nutzerzahlen sagt Sascha Kiefer, CTO von schmoose: „Ins Detail, was die Benutzerzahl angeht, wollen wir nicht gehen. Dafür, dass es uns erst seit knapp 5 Wochen gibt, und wir von opulentem Marketing abgesehen haben, sind wir aber voll und ganz zufrieden.“ Wir gehen davon aus, dass Herr Kiefer mit dem Zeitraum von 5 Wochen die Android-Version meint, da die Gründung des Unternehmens wie eingangs erwähnt im Juli 2013 stattfand.

Für die bereits unterstützten Betriebssysteme arbeitet die Messenger-App schmoose sowohl auf Smartphones als auch auf dem Tablet bzw. Desktop. Und hier gibt es eine Besonderheit, die schmoose von ihren Mitbewerbern unterscheidet: Haben Sie schmoose auf all Ihren Geräten installiert, können Sie morgens eine Konversation an Ihrem Smartphone starten, sie mittags an Ihrem Desktop fortführen und abends auf dem Tablet beenden. Auf all Ihren Endgeräten sind Unterhaltungen gleichzeitig möglich und deshalb ebenso auf allen Devices lückenlos verfügbar. Bisher ist schmoose die einzige App in unserem Test, die diesen Komfort ermöglicht.

Schmoose Kontakte umziehen

Auch schmoose erlaubt eine einfache Installation: Gehen Sie in den Appstore Ihres Geräts und laden sich die App herunter. Sie können sich mit Ihrer E-Mail-Adresse oder Ihrer Mobilfunknummer registrieren – übrigens auch schon auf der Website von schmoose, um gleich zu erfahren, wann die iOS-App startet. Nach der Installation werden Sie aufgefordert, ein Passwort einzugeben und selbiges zu bestätigen. Dieses Passwort geben Sie bei jedem App-Start ein; arbeitet schmoose im Hintergrund, können Sie in den Einstellungen festlegen, dass Sie Ihr Passwort dann nicht erneut eingeben müssen. Nun geben Sie Ihre Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse ein. Mit einem Klick auf „Register“ bestätigen Sie, dass Sie mindestens 13 Jahre alt sind. Zur Validierung erhalten Sie per E-Mail einen Code, den Sie nun eingeben. Sie können zu guter Letzt einen Nicknamen speichern, um es Ihren Freunden leichter zu machen, Sie zu finden.

Kontakte fügen Sie auf verschiedene Art hinzu: Sie können online nach Kontakten suchen oder Kontakte über Ihr Telefonbuch importieren. Dafür ist es nötig, die App „schmoose Contact Adress“ zusätzlich zu installieren. Erst hier geben Sie schmoose die Berechtigung, Ihre Adressbuchkontakte auszulesen. Da schmoose so wenige Wochen nach dem Erscheinen noch nicht so weit verbreitet ist wie teilweise die Konkurrenz, kann es sein, dass das Auslesen des Adressbuchs vergeblich ist. Sie können Kontakte auch über die schmoose-ID oder persönlich via QR-Code hinzufügen.

Ganz schön schmoosig

In der Nutzerfreundlichkeit unterscheidet sich schmoose überhaupt nicht von seinen Konkurrenten. In angenehmen Blau gehalten, klappt die Bedienung intuitiv und bedarf keiner weiteren Erklärung. Etwas ärgerlich mag für einige User sein, dass schmoose für Android (noch) nicht in deutscher Sprache erhältlich ist – die Übersetzung wurde allerdings schon angekündigt. Wir empfanden das beim Testen nicht als störend, da die App keine Wörter enthält, die ein Wörterbuch voraussetzen, aber in den Appstores wird das durchaus als kritisch bewertet. Der Markenname „schmoose“ stammt übrigens aus dem Jüdischen und lässt sich mit „zwangloses Gespräch führen“ übersetzen – wir finden, das ist den Entwicklern gelungen. Das Wort erinnert auch an „moose“, was „Elch“ bedeutet, und so erklärt sich das Logo des Messengers: Eine Sprechblase mit Elchgeweih.

Tragfähiges Geschäftsmodell: schmoose wird es auch morgen noch geben

Schmoose BedienbarkeitKostenlose Apps sind schön und gut – aber sind sie auch tragfähig? Bei Telegram wunderten wir uns, dass die Entwickler von einem nichtkommerziellen Projekt sprachen und einer der Entwicklerbrüder mit einer Spende daran beteiligt ist. Einen Plan für die Zukunft gibt es bei Telegram nicht so recht. Bei schmoose schon: Sie können aus vier Versionen die wählen, die für Sie Sinn macht. Der Download selbst ist kostenfrei. Sie starten mit der Gratisversion, ab dem 2. Jahr müssen Sie dann Werbeeinblendungen in Kauf nehmen. In dieser Gratisversion können Sie schmoose nur an einem Gerät verwenden und ausschließlich Bilder, keine Videos oder Dokumente versenden. Für die Basisversion zahlen Sie 1,99 € pro Jahr. Dafür können Sie bis zu drei Geräte verwenden und auch Videos versenden. Die Professional-Version kostet Sie 3,99 € pro Jahr. Nutzen Sie schmoose auf bis zu fünf Geräten, versenden Sie zusätzlich Dokumente und bleiben Sie inkognito bei dieser Version. Daneben können Sie Kontakte blockieren. In einer Enterprise-Version, die sich an Unternehmen richtet, können Sie schmoose unternehmensspezifisch personalisieren: Als Firma haben Sie die Option, Ihren Server und eine eigene App zu lizenzieren und mit einem eigenen Branding zu versehen. Auf Anfrage zu den maximalen Versandgrößen von Dateien schreibt uns schmoose: „Aktuell gibt es keine Textgrößenbeschränkung, Bilder werden jedoch reduziert (skaliert); an der Video-, Dokument- & Audio-Übertragung arbeiten wir gerade.“

Schmoose S.A. hat sich eigens für die App gegründet. Das Unternehmen sitzt in Luxemburg und die aus dem Saarland stammenden Geschäftsführer sind im Impressum der schmoose-Website einsehbar. Mitbegründer und CEO Dr. Bernd H. Schmidt ist ebenfalls Gründer von DIaLOGIKa, einem Software-entwickelndem Unternehmen, das seit 1982 existiert. In den FAQ finden sich unter der Frage „Wer seid ihr?“ sämtliche Beteiligten.

schmoose kann, was Threema kann

Schmoose SicherheitSchmoose gehört zu den Messenger-Apps, die sich Sicherheit auf die Flaggen geschrieben haben. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erlaubt es, dass die Nachrichten auf Ihrem Endgerät verschlüsselt und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt werden. Mit Details zur Verschlüsselung geht schmoose glücklicherweise offen um: AES-256, SHA-256 und RSA mit 2048 Bit sind Standard. Schmoose setzt auf OpenPGP und realisiert Verbindungen via TLS 1.2-gesichertem HTTPS auf Port 15443. Den eigenen Quellcode verrät schmoose nicht, setzt aber auf die quelloffene BouncyCastle-Bibliothek. Auf ECC (Eliptic Curve Cryptography) verzichtet schmoose. Man habe versuchsweise ECC implementiert, allerdings führte die symmetrische Verschlüsselung in den Versuchen gelegentlich zu Performance-Problemen. Man arbeitet derzeit an Alternativen mit der ebenfalls quelloffenen Sodium-Bibliothek. Für die Kommunikation zwischen Client und Server nutzt schmoose das SignalR-Protokoll.

Den Quellcode will schmoose noch nicht veröffentlichen. Schmoose begründet auf seiner Website: Die Entwicklung und der Betrieb von schmoose sollten sich mittelfristig selbst tragen. In Zukunft, so heißt es, könnten die Entwickler den Quellcode offenlegen – zumindest „vertrauenswürdigen Personen mit einem soliden Hintergrund im Bereich Sicherheit“ wolle man den Quellcode zur Verfügung stellen. Die Server von schmoose befinden sich in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Beim Nutzen der Zusatzapp zum Auslesen des Telefonbuchs werden die Daten nicht auf die firmeneigenen Server übertragen. Die Informationen werden in Hashwerte gewandelt und so für die Suchanfragen verarbeitet.

Leider sind die Datenschutzrichtlinien nicht in deutscher Sprache verfügbar. Aus den Datenschutzbestimmungen geht hervor, dass schmoose die registrierten Telefonnummern und E-Mail-Adressen auf seinen Servern verschlüsselt speichert. Weiter versichert schmoose, dass persönliche Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Daten werden ausschließlich für interne statistische Zwecke, zum Reagieren auf Anfragen oder zum Bereitstellen eines angeforderten Services verwendet. Schmoose behält sich vor, auf rechtliches Verlangen hin, etwa bei Strafverfolgungen, mit dem Herausgeben der Daten zu reagieren. Jeder User, der Daten bei schmoose hinterlegt hat, hat das Recht, Informationen über die eigenen Daten einzuholen oder die Löschung selbiger zu beantragen. Unter dem Punkt „Terms & Conditions“ findet sich bislang nur der Hinweis „Will be available soon …“. Damit sind die AGB leider absolut intransparent. Nach unserer Anfrage bei schmoose sind wir schlauer, was Übersetzungen angeht: „Wir sind gerade dabei, alles auf Deutsch zu übersetzen. Weitere Sprachen folgen. Dazu möchten wir den Benutzern ein eigenes System zu crowd-basierten Übersetzungen präsentieren.“

Aus der Praxis: Ausfälle & Sicherheitsprobleme bei schmoose

Aller Anfang ist schwer! Das musste auch schmoose feststellen: Probleme bei der Registrierung, mit der Nachrichtenübertragung, mit Profil-Updates, mit der Kontakt-Synchronisation und weitere Startschwierigkeiten wurden jüngst in der WP8-Version behoben. Mitte April folgten Probleme mit der Push-Notification, die noch am selben Tag gelöst wurden. Ja, es gibt noch diverse technische Probleme. Wir haben allerdings den Eindruck, dass sich schmoose schnell kümmert. In unserem Test sind uns keine Stolpersteine aufgefallen, wir konnten schmoose sinnvoll nutzen. Beim Support haben wir erfragt, wie es um die Verbreitung steht, also ob schmoose Aussagen zu den Nutzerzahlen machen kann, ob es eine deutschsprachige Version geben wird, wie groß Bilder, Videos und Dokumente Schmoose Übersichtsein dürfen, ob die Datenschutzrichtlinien auch in deutscher Sprache online zu sehen sein werden und wann die AGB einen Platz auf der Website finden. Unsere bisherigen Support-Anfragen bei Threema und LINE blieben unbeantwortet. schmoose hingegen hat uns mit prompter Reaktion sehr positiv überrascht: Noch am selben Tag bekamen wir ausführliche Antworten vom CTO Sascha Kiefer; auch an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für die sehr schnelle Reaktion!

Schmoose hat in unseren Augen Potenzial. Die Finanzierung klingt tragfähig – zumal die App vom Gratisuser bis zum Unternehmen Lösungen für alle anbietet. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist ein dicker Pluspunkt, wenngleich schmoose derzeit auch von der Veröffentlichung des Quellcodes absieht. Bedienen lässt sich der Messenger denkbar einfach und die datenschutzrechtlichen Punkte haben uns überzeugt. Wenn die Verbreitung der App funktioniert, die Startschwierigkeiten gelöst und die Datenschutzrichtlinien übersetzt/ AGB ergänzt sind, können wir schmoose genauso empfehlen wie Threema. Die sehr schnelle Antwort von Herrn Kiefer begeisterte uns sehr, wir sehen das als weiteren Pluspunkt – schließlich ist es wertvoll, wenn die Entwickler von Messenger-Apps auf die Anfragen ihrer User reagieren.

 

Zusammenfassung schmoose

  • Verbreitung: Windows Phone 8, Android
  • Einschränkungen: Windows 8 Desktop & iOS (Versionen folgen bald), Mac, BlackBerry OS
  • Installation: einfach
  • Kontakte rüberziehen: einfach
  • Optik/ Bedienbarkeit: ansprechend & einfach, Punktabzug durch englischsprachiges Interface (ändert sich bald)
  • Flexibilität: Keine Textgrößenbeschränkung, Bilder werden skaliert, an Video-/Dokument-/Audio-Übertragung wird aktuell gearbeitet
  • Kosten: Gratisversion, Basisversion (1,99 € p. a.), Professional-Version (3,99 € p. a.), Enterprise-Version auf Anfrage
  • Orga/ Land hinter dem Service: Schmoose S.A., Luxemburg
  • Verschlüsselung: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sehr gut
  • Quellcode: nicht quelloffen
  • Datenschutz: noch nicht in deutscher Sprache verfügbar, Telefonbuch auslesen erfolgt optional und ohne Datenspeicherung auf Servern
  • AGB: intransparent, da nicht einsehbar
  • Zuverlässigkeit: einige Stolpersteine, die bei Windows Phone bereits gelöst wurden
  • Sicherheitsprobleme: keine
  • Jugendfilter: nicht vorhanden
  • Datenspeicherung: auf deutschen und europäischen Servern, verschlüsselt
  • XMPP: nein
  • Finanzierung: Abomodell

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4 Kommentar(e)

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Auf dieses Thema gibt es 4 Reaktionen

  1. D.E.E. | 10. Juli 2014

    Ich weise darauf hin, dass die erwähnte erste Firma von Bernd Schmidt (Dialogika) für deutsche Sicherheitsbehörden (sprich Polizei und Geheimdienste) Überwachungssoftware schreibt (Stichworte: Verbindungsdaten- & Bestandsdatenabfrage).

    Genug gesagt.

    http://dialogika.de/produkte/infbrok100

    10. Juli 2014 @ 11:16 Antworten
    • Tulinska | 14. Juli 2014

      Vielen Dank für den Kommentar,
      aber wenn Herr Schmidt das Projekt ernsthaftig verfolgt, ist das ja kein Beinbruch, ganz im Gegenteil. Snowden arbeitete auch vorher für die NSA, Keith Alexander bietet jetzt Sicherheit für Banken und so manch ein Hacker arbeitet heute bei Sicherheitsfirmen oder Behörden auf „der Seite der Guten“.

      14. Juli 2014 @ 11:03 Antworten
  2. D.E.E. | 1. August 2014

    Snowden und Alexander arbeiten heute eben nicht mehr für die NSA.

    Schmoose-Geschäftsführer Schmidt jedoch versucht zur selben Zeit Überwachung zu erschweren (Schmoose) und Überwachung zu erleichtern (Dialogika-Produkte InfReq90 und InfReq100). Das halte ich doch für sehr unrealistisch… Da ist zumindest ein gesundes Misstrauen angebracht.

    Ich jedenfalls vertraue meine Daten lieber der verbreiteteren und quelloffenen Alternative TextSecure an.

    1. August 2014 @ 16:29 Antworten
    • Bianca Wellbrock | 4. August 2014

      TextSecure kommt jetzt auch bald aufs iPhone in Verbindung mit Signal. Dann könnte es eine echt hervorangende Lösung werden, da andere entweder an Usability, Verbreitung oder fraglichen Punkten mit Abstrichen zu sehen sind. Durchaus auch schmoose, ein gesundes Misstrauen sollte man stets haben, es bleibt eben die schon erwähnte Fragestellung. Wenn er es ernst damit meint, stört er genau das, was er in der Erleichterung der Überwachung gelernt hat, wenn nicht, liefert er direkt die Zielgruppe und agiert genauso gewissenlos wie Zero-Day-Lücken-Händler. Die Entscheidung, die Lösung zu nutzen, obliegt stets dem Anwender, wir informieren nur über die uns vorliegenden und selbst evaluierten Informationen.

      4. August 2014 @ 10:46 Antworten