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#MessengerRevival2016: das Fazit

20. September 2016
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Sechs Testwochen liegen hinter uns: wir haben WhatsApp und andere Messenger auf Herz und Nieren getestet. Wie jedes Jahr zeigten sich auch im #MessengerRevival2016 Gewinner und Verlierer auf Seiten der Sicherheit und/ oder Usability, wir hatten aber auch die eine oder andere Überraschung zu verzeichnen:

Messenger, die in den Vorjahren keinesfalls einen sicheren Eindruck gemacht hatten, überraschten uns in diesem Jahr positiv mit optimierten Sicherheitsfeatures. Andere Messenger hingegen, die mit Sicherheit werben, enttäuschten uns maßlos.

In unserem heutigen Fazit fassen wir alle Messenger zusammen und zeigen Ihnen, auf welche Messenger Sie mit Sicherheit setzen können und von welchen Sie besser die Finger lassen sollten:

Messenger, die als sicher eingestuft werden können

Wie in unserem Einstiegsbeitrag erklärt, haben wir drei verschiedene Punkte getestet: Einstiegshürden, Usability und Sicherheit. Da wir besonders großen Wert auf Sicherheit legen, starten wir mit den Messengern, die sich in unserem Test als die sichersten erwiesen haben:

Platz 1: Threema & mailbox.org

Platz 1: Threema & mailbox.orgThreema verschlüsselt Ende-zu-Ende. Wenngleich der Schweizer Entwickler bis heute seinen Quellcode nicht offenlegen möchte, fand ein externes Audit statt. Fazit: Konzept und Implementierung stimmen bei Threema einfach. Gehashte Adressbuchdaten, vollständige Anonymität durch den Verzicht aufs Loggen, sehr klare, kurze und vor allem verständliche Datenschutzbedingungen und AGB sowie Schweizer Server, die so wenig wie möglich speichern: so soll das sein!

Threema erhielt im Sicherheitstest 3 von 3 möglichen Sternen. Da Threema vergleichsweise hohe Kosten für den Download der App erfordert, gab es beim Kosten-Prüfpunkt innerhalb der Einstiegshürden lediglich einen Stern. Insgesamt kommt Threema bei den Einstiegshürden auf 2,5 von 3 Sternen.

Die Feature-Liste des Messengers gehört nicht zu den längsten, sie bietet jedoch interessante Möglichkeiten. Bedienen lässt sich die App nach dem Einrichten kinderleicht und sie arbeitet zuverlässig. Bei der Usability schneidet Threema mit 2,3 von 3 Sternen ab.

Insgesamt schafft es Threema auf 2,6 von 3 möglichen Sternen. Zum vollständigen Testbericht gelangen Sie hier.

Mailbox.org ist eher ein Messenger für Selbstbastler, denn der Entwickler stellt selbst nur einen Jabber-Server zur Verfügung. Sie benötigen also zusätzlich einen Client, um über mailbox.org die Client-spezifischen Messenger-Funktionen nutzen zu können. Die folgenden Sicherheitsaspekte haben überzeugt:

Vom Login bis zum Nachrichtenversand läuft bei mailbox.org alles Ende-zu-Ende-verschlüsselt ab. Die Datenschutzbestimmungen und AGB sind kurz und knackig gehalten, inhaltlich dabei sehr stimmig und bestens verständlich. Die Server stehen in Deutschland und gespeichert werden ausschließlich die nötigsten Daten. 3 von 3 Sternen für mailbox.org, was die Sicherheit anbelangt.

Leider ist mailbox.org noch teurer als Threema: Sie zahlen 12 Euro jährlich. Nutzen Sie das E-Mail-Angebot von mailbox.org, das die Kosten eigentlich verursacht, zahlen Sie nichts und der Jabber-Server ist wieder als günstig anzusehen. Da eine Vielfalt an Clients verfügbar ist, darf sich das Angebot von mailbox.org wirklich plattformunabhängig nennen.

Alle weiteren Punkte konnten wir leider nicht werten, da diese Client-abhängig sind. Das Angebot von mailbox.org kommt auf eine Gesamtwertung von 2,4 von 3 möglichen Sternen. Zum Testbericht geht es hier entlang.

Platz 2: ChatSecure

Platz 2: ChatSecureChatSecure setzt auf Sicherheit, die sich bewährt hat: mit der ORT-Weiterentwicklung Axolotl nutzt ChatSecure Off-the-Record-Verschlüsselung. Heißt: Ihre Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können dank PFS auch im Nachhinein nicht entschlüsselt werden.

Darüber hinaus können Sie zusätzlich durch die Orbot-App anonym via Tor chatten. Der Quellcode wurde vom Entwicklerteam offengelegt, optional können sich Nutzer auch über eigene Server verbinden, persönliche Daten werden weder auf Servern gespeichert noch an Dritte weitergegeben. Gefallen hat uns auch, dass sich die Zugriffsberechtigungen der App auf ein Minimum beschränken – das hat die App sogar unseren Erstplatzierten voraus.

Aber: zum Übermitteln Ihrer Nachrichten muss Ihr Chatpartner in dem Moment online sein, in dem Sie chatten möchten. Das setzt etwas Gesprächsplanung voraus, ist jedoch durchaus machbar. Die Featureliste des Messengers ist die dünnste aller getesteten Messenger: Sie können Textnachrichten mit Anhängen versenden.

Punktete ChatSecure bezüglich der Sicherheit mit sehr guten 2,9 von 3 Sternen und bezüglich der Einstiegshürden mit 2,75 von 3 Sternen, zeigt sich die technikbedingte weniger gute Usability in einer Wertung von 1,6 Sternen. Insgesamt kommt der Messenger ChatSecure auf eine Gesamtwertung von 2,4 Sternen. Den vollständigen Testbericht lesen Sie bitte hier.

Platz 3: SIMSme

Platz 3: SIMSmeSIMSme gehörte zu unseren positiven Überraschungen. Der Messenger der Deutschen Post war im Vorjahr, als wir ihn erstmals testeten, keineswegs schlecht. So richtig gut jedoch auch noch nicht: Kinderkrankheiten wie nicht funktionierende Features und eine verhältnismäßig geringe Funktionsliste stuften den Messenger mit recht guten Sicherheitsfunktionen herab.

Dieses Jahr begann der Test bereits anders: nämlich mit der dünnsten Zugriffsliste, die wir in sämtlichen Messengertests in den vergangenen drei Jahren gesehen haben. Lediglich 12 Berechtigungen fordert der Messenger ein, und diese 12 ermöglichen Funktionen, die insgesamt begeistern.

Dass SIMSme unseren 3. Platz verdient, zeigen Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten sowie eine Nachrichten-Selbstzerstörungsfunktion (andere Anbieter bieten mehr Schutzfunktionen, deshalb gab es hier minimalen Punktabzug), AGB & Datenschutzerklärung haben Vorbildcharakter.

Die Deutsche Post setzt auf nach ISO 27001-zertifizierte Rechenzentren in Deutschland und schickt kaum Informationen auf die Server. SIMSme bevorzugt lokales Speichern und wenn Daten genutzt werden sollten, sind diese anonymisiert.

Auch die Einstiegshürden nimmt SIMSme gekonnt und besteht den Prüfpunkt mit 2,5 von 3 Sternen. Punktabzug gab es bei den Kosten (In-App-Käufe) und beim Übertragen von Kontakten; hier bieten andere Messenger einfach mehr Möglichkeiten. Auch bei der Usability besteht SIMSme mit 2,5 von 3 Sternen. Denn wenngleich die Featureliste erweitert wurde, bieten andere Messenger einfach mehr Funktionen.

In der Gesamtwertung begeisterte uns SIMSme mit 2,6 von 3 möglichen Sternen. Wir hoffen, wir können uns auch im kommenden Jahr begeistern lassen – und vielleicht nimmt sich die Deutsche Post unseren Kritiken etwas an, sodass SIMSme noch weiter oben mitspielen kann. Zum ausführlichen Testbericht gelangen Sie hier.

Platz 4: Signal

Platz 4: SignalDer Messenger Signal verschlüsselt Telefonate und Nachrichten Ende-zu-Ende, der Quellcode ist einsehbar und dank PFS lassen sich Nachrichten auch rückwirkend nicht entschlüsseln. Dass ausschließlich gehashte Werte auf den Servern landen, ist sehr im Sinne der Sicherheit.

Jedoch gab es Punktabzug dafür, dass die Server in mehr als zehn Ländern verteilt stehen. Wo genau, darüber schweigt das Entwicklerteam Open Whisper Systems. Auch fehlte es uns an zusätzlichen Schutzmechanismen. Positiv fanden wir, dass nicht mehr als nötig gespeichert wird. Bei der Sicherheit schneidet der Messenger mit 2,6 von 3 Sternen ab.

Der kostenfreie Messenger kann bezüglich der Einstiegshürden 2,25 von 3 möglichen Sternen gewinnen: beim Übertragen von Kontakten bieten andere Messenger mehr Möglichkeiten, die Berechtigungsliste ist verhältnismäßig lang und außergewöhnlich. Auch schließt Signal Windows Phone-User aus.

Die Featureliste ist vergleichsweise kurz, die Bedienung verläuft intuitiv und kinderleicht. Bei der Zuverlässigkeit des Messengers Signal scheiden sich die Geister: in unserem Test verlief alles glatt, andere User haben hier und da ihre Probleme. So schließt Signal den Usability-Testbereich mit guten 2,3 Sternen ab.

Damit kommt Signal auf eine Gesamtwertung von 2,4. Zum ausführlichen Testbericht gelangen Sie hier.

Platz 5: Wire

Platz 5: WireText-, Sprach- und Videonachrichten sowie sämtliche Medien verschlüsselt der Messenger Wire Ende-zu-Ende. Ein schönes Zusatzfeature ist die Tatsache, dass Sie Wire trotz dieser Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf mehreren Geräten verwenden können. Dieser Zusatz hebt den Messenger enorm von der verschlüsselnden Konkurrenz ab.

Ein Fingerabdruck-Vergleich zum Prüfen der Identität des Gesprächspartners, PFS bei Nachrichten und Telefonaten, ein offener Quellcode, anonymisierter weil gehashter Telefonbuchabgleich und zahlreiche Mitbestimmungsmöglichkeiten in den Einstellungen fanden wir sehr gelungen an Wire.

Weniger gelungen fanden wir in unserem Test einige Passagen der Datenschutzerklärung: im Falle einer Strafverfolgung könne Wire persönliche Daten herausgeben. Threema löst das geschickter: wo keine persönlichen Daten sind, können auch keine herausgegeben werden. Und die Passage mit dem Übertragen von Vermögen: Ihre persönlichen Daten zählen die Wire-Entwickler zu ihrem Vermögen. Wird nun das Unternehmen verkauft oder findet anderweitig eine Vermögensübertragung statt, kann das auch Ihre Daten treffen.

Auch bleibt zu überlegen, wie sicher die gebotene Funktionalität ist: natürlich ist es bequem, Spotify-Inhalte direkt im Chat zu teilen. Dann allerdings kommen auch Spotifys Datenschutzbedingungen zum Tragen. Dass diese nicht sehr lustig sind, zeigt der Datenschutz-Test, den die Redaktionskollegen von Basic Thinking durchgeführt haben.

Die Datenspeicherung ist nicht so optimal wie bei anderen Messenger-Anbietern und wir hätten gerne den genauen Serverstandort gewusst. Leider geben die Entwickler lediglich Europa an. Bezüglich der Sicherheit schafft es Wire in unserem Test auf 2,3 von 3 möglichen Sternen.

Die Einstiegshürden sind gering, hier kommt Wire auf 2,9 Sterne. Zwar fehlt es an einer Windows Phone-App, eine Browser-App allerdings macht den Messenger zum plattformübergreifenden Kommunikationstool. Die Featureliste ist länger als beispielsweise bei Threema, aber kürzer als bei WeChat. Einfache Bedienung und hohe Zuverlässigkeit bringen Wire im Prüfpunkt Usability 2,9 Sterne ein.

Mit einer Gesamtwertung von 2,7 Sternen geht Wire schon in die richtige Richtung. Wenn hier sicherheitstechnisch noch nachgelegt wird, finden wir im Folgetest hoffentlich auch positive Überraschungen. Zum ausführlichen Testbericht gelangen Sie hier.

Platz 6: Sicher

Platz 6: SicherTaucht ein Messenger mit dem vollmundigen Namen „Sicher“ auf, geht man als User erst mal mit der Annahme an die Sache, dass dieser Messenger womöglich sicher sein könnte. Das trifft jedoch nur bedingt zu: auf lediglich 2,2 von 3 Sternen bringt es der Messenger „Sicher“ in unserem Testpunkt Sicherheit.

Offenbar wird verschlüsselt, jedoch sehr chaotisch (veraltete Algorithmen, widersprüchliche Aussagen). Theoretisch existieren mit Passwort, verborgenen Push-Benachrichtigungen und selbstzerstörenden Nachrichten schöne weitere Sicherheitsfeatures. Testen konnten wir diese jedoch nicht, da die App in unserem Test nicht mal den ersten Schritt, das Zusenden des Codes, schaffte.

AGB und Datenschutzerklärung liegen leider nur in englischer Sprache vor, sind inhaltlich jedoch gut. Die Datenschutzerklärung lässt sich nur über Umwege finden, deshalb gab es hier Punktabzug. Server in Deutschland und eine sehr sparsame Art, mit Daten umzugehen, stimmten uns milde, denn das gefällt!

In den Einstiegshürden schafft es Sicher auf nur 1,9 von 3 Sternen. Das Preismodell ist einfach nicht nachvollziehbar und zum Übertragen von Kontakten bedient sich „Sicher“ am Telefonbuch. Die Berechtigungsliste gehört jedoch eher zu den kurzen; die App greift nur geringfügig zu.

Die Usability enttäuschte uns maßlos: wir konnten unseren Test nicht durchführen, da die App nicht funktionierte. Die Featureliste liegt im Mittelmaß. Da kein Testen möglich war, können wir keine Aussagen zur App-Bedienung liefern. Außer der Installation funktionierte nichts – und nicht nur uns ging es so: Die App-Stores sind voll mit verzweifelten Usern, die auch beim Support nicht einen Schritt weiterkommen: Kritiken werden gekonnt ignoriert.

So wird das nichts. Auch für einen kostenfreien Messenger muss gelten, dass er funktioniert und sicher verschlüsselt. Bei Sicher war all dies nicht möglich. Deshalb bekommt der Messenger mit dem leeren Namensversprechen insgesamt nur 1,8 von 3 möglichen Sternen. Den vollständigen Testbericht lesen Sie hier.

Platz 7: LINE

Platz 7: LINEAuch LINE gehörte zu den Überraschungskandidaten des Jahres! In 2015 noch konnte LINE mit seinen Sicherheitsfeatures keinen Blumentopf gewinnen. In 2016 geht der Messenger neue Wege: Hidden Chats wurden abgeschafft, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung jedoch per Default integriert. Das ist an sich schön, jedoch wären Informationen über die verwendeten Verschlüsselungsparameter von Vorteil.

Denn auch „Sicher“ verschlüsselt Ende-zu-Ende, mit veralteten RSA-Schlüsseln jedoch mehr als unsicher. Bei LINE tut sich was, man möchte sogar „die weltweit sicherste Kommunikationsplattform bieten“. Dazu gehört allerdings ein Mehr an Transparenz!

Heißt: Informationen darüber, wie verschlüsselt wird, deutschsprachige AGB und Datenschutzvereinbarungen, um Sprachbarrieren aufzubrechen, aber auch detaillierte Informationen über Umfang und Art der Datenspeicherung und nicht bloßes Aufzählen möglicher Beispiele würden sehr helfen, die Transparenz zu erhöhen.

Ebenfalls zu mehr Transparenz würde beitragen, wenn LINE kein Geheimnis um die Serverstandorte machen würde. Sichere Server in Ländern überall in der Welt, inklusive Ländern außerhalb der EU – das ist zu wenig Information. Bedeckt hält sich LINE auch beim Thema Datenspeicherung: wann werden nach Account-Deaktivierung welche Daten gelöscht? Wir wissen es nicht.

Weiter wissen wir nicht, welche Partner welche Daten erhalten. LINE äußert lediglich, dass sich Service-Partner an die Gesetze halten müssen. Welche das sind, wissen hoffentlich LINEs Partner und LINE selbst. Wir wüssten das auch gern. Werbung, Cookies und Google Analytics: damit müssen Sie leben, wenn Sie LINE verwenden. Nach wie vor besteht also großer Verbesserungsbedarf, insgesamt haben sich jedoch Dinge getan, die der Sicherheit zuträglich sind. Im jetzigen Zustand schafft es der Messenger beim Testpunkt Sicherheit lediglich auf 1,5 von 3 Sternen.

Mit 2,5 Sternen hält LINE die Einstiegshürden sehr gering: kostenfrei und plattformübergreifend ist der Messenger, der das Übertragen von Kontakten zum Kinderspiel macht. Unschön jedoch ist die sehr lange Berechtigungsliste.

Auch die Usability von LINE stimmt: hier kann der Messenger 2,9 Punkte abstauben, was ihn zusammen mit Wire zum Usability-Sieger machen würde. Lediglich die Tatsache, dass ein Messenger noch mehr Features bietet, trennt LINE in diesem Testpunkt von der Höchstpunktzahl.

Alles in allem kommt LINE auf eine Gesamtwertung von 2,3 Sternen. Der Messenger macht Spaß, muss jedoch noch mehr für seine Sicherheit tun. Die neu eingeschlagene Richtung ist ein guter Anfang und wir hoffen, dass im nächsten Jahr auch deutlich an der Transparenz gearbeitet wird. Den Testbericht lesen Sie bitte hier.

Platz 8: WhatsApp

Platz 8: WhatsAppSeit April 2016 werden auch in dem Messenger, der am meisten verbreitet ist, sämtliche Inhalte inklusive aller Multimediadateien sowie Anrufe Ende-zu-Ende-verschlüsselt. WhatsApp hat sehr an sich gearbeitet: plattformübergreifend funktioniert die Verschlüsselung, die von Experten bereits getestet und für gut befunden wurde. Eine Sicherheitsnummer identifiziert zudem das Gegenüber. Schade nur, dass diese Sicherheitsnummer nicht per Default aktiviert ist. Das sollten Sie nachholen.

Die Verschlüsselung ist ein echter Gewinn für die Privatsphäre, die Metadaten bleiben jedoch. Neu hinzugekommen ist außerdem der Datentausch mit Facebook. Telefonbücher werden auf Server geladen, die in den USA stehen und weit unter europäischem Datenschutzniveau liegen. Eine Sicherheitslücke sorgt derzeit außerdem dafür, dass unter iOS Spuren gelöschter Chats erhalten bleiben.

AGB und Datenschutzbedingungen ausschließlich in englischer Sprache sorgen für Sprachbarrieren. Ein Impressum existiert immer noch nicht. Auch das Verknüpfen des Logins mit der IMEI, also der Gerätenummer Ihres Mobiltelefons, ist kritisch zu sehen: Nutzer werden getrackt und der Weg für Identitätsdiebstahl ist offen. Nach wie vor ist WhatsApp also weit von dem Status entfernt, als sicher bezeichnet werden zu dürfen.

Die Einstiegshürden sind gering: plattformübergreifend und kostenfrei ist der Messenger, das Übertragen von Kontakten ist denkbar einfach. Jedoch ist die Zugriffsliste sehr, sehr lang. Insgesamt schafft WhatsApp in diesem Testpunkt 2,5 Sterne.

Auf 2,7 Sterne gelangt der Messenger beim Testpunkt Usability: die Featureliste gehört nicht zu den längsten, ist aber länger als bei den Sicherheitsmessengern. WhatsApp lässt sich kinderleicht bedienen und arbeitet sehr zuverlässig. Den kompletten Testbericht finden Sie hier.

Platz 9: Telegram

Platz 9: TelegramAn Telegram fanden wir richtig gut, dass die Entwickler eingesehen haben, dass der Messenger dringend einen neuen Slogan braucht: von „Taking back our right to privacy“ hin zu „a new era of messaging“. Als neue Ära würden wir das nun nicht bezeichnen, aber der neue Slogan führt nicht so sehr hinters Licht, wie es der alte getan hätte, denn mit Privatsphäre ist bei Telegram leider nicht viel.

Mit MTProto haben die Entwickler ein eigenes Verschlüsselungsprotokoll zusammengeschustert, das nicht nur von der Krypto-Legende Moxie Marlinspike verballhornt wird. Sein Fazit: „veraltet und angreifbar“. Da Protokoll, API und Quelltext von Telegram offenliegen, zeigt sich schnell die erwähnte Unsicherheit. Die Entwickler setzen nach wie vor auf den Hashalgorithmus SHA-1. Warum das mittlerweile ein No-Go ist, können Sie hier nachlesen.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es übrigens nur bei geheimen Chats. Die Entwickler um Telegram haben nicht vor, das zu ändern: E2E-verschlüsselte geheime Chats ließen sich schließlich nicht in der Cloud abspeichern sondern lediglich auf dem Endgerät und das sei doch unheimlich praktisch. Wir finden, Sicherheit ist noch praktischer als eine Cloud, die nur für die Wege hin und zurück Transportverschlüsselung kennt.

Umfangreiches Preisgeben von Metadaten, das Nutzen des Adressbuchs und absolute Unklarheit darüber, wo Telegrams Entwickler überhaupt sitzen, machen die App nicht gerade vertrauenswürdiger. Auch weiß niemand, wo die Server stehen. Die Rechtstexte sind nach wie vor nur in englischer Sprache einzusehen und inhaltlich stimmt so einiges nicht. Mit 1,1 von 3 möglichen Sternen sehen Sie auch noch mal in Zahlen, wie mies es um die Sicherheit von Telegram bestellt ist.

Weit weniger mies sind die Einstiegshürden: hier schafft es Telegram auf 2,5 Sterne. Der Messenger ist kostenlos, für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar und das Übertragen von Kontakten ist einfach. Die Berechtigungsliste ist jedoch derartig lang, dass diese für das Minus in der Wertung sorgt.

Mit 2,8 Punkten überzeugt Telegram auch im Usability-Bereich: die Featureliste ist lang, aber nicht so üppig wie bei unserem Verlierer, zu dem wir gleich kommen. Bedienung und Zuverlässigkeit überzeugen restlos. Das rettet die Gesamtwertung von Telegram, die bei 2,1 Sternen liegt. Den vollständigen Testbericht können Sie sich hier durchlesen.

Platz 10: WeChat

Platz 10: WeChatAls würde WeChat um den letzten Platz kämpfen: auch in diesem Jahr schafft es der Messenger aus der chinesischen Entwicklerschmiede Tencent auf den letzten Platz. Grund zum Gratulieren ist das nicht wirklich. Denn im Testpunkt Sicherheit schafft es der Spaßmessenger WeChat auf mickrige 0,7 Sterne.

Einen halben Punkt haben wir beim Testpunkt „Verschlüsselung“ vergeben, denn immerhin werden bisherige Chats lokal verschlüsselt. Mehr jedoch nicht. Die Rechtstexte von WeChat liegen nicht in deutscher Sprache vor. Für Payment-Services setzen die WeChat-Entwickler auf Partner, die einerseits nicht näher benannt werden. Andererseits erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen dieser unbekannten Partner einverstanden, wenn Sie diese Services verwenden.

Widersprüchliche Aussagen begegneten uns in den AGB ebenfalls. Auch die Datenschutzbestimmungen lassen einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Server irgendwo und Datenspeicherung bis irgendwann: noch intransparenter geht es nicht mehr!

Immerhin lässt sich der kostenfreie Messenger auf allen gängigen Plattformen verwenden. Das Übertragen von Kontakten ist okay. So gar nicht okay hingegen ist die Zugriffsliste: WeChat fordert mit großem Abstand die meisten Berechtigungen ein. Die Einstiegshürden haben wir mit 2,1 Sternen bewertet.

Im Bereich Usability kommt WeChat auf 2,7 von 3 Sternen. Denn die Featureliste ist, ebenfalls mit großem Abstand, die längste, die uns in allen Messengertests untergekommen ist. WeChat ist also Gewinner, wenn es um Funktionalität geht. Dafür jedoch unbekannten WeChat-Partnern mit unbekannten Nutzungs- und Datenschutzbedingungen vertrauen? Das ist keine Funktionalität der Welt wert!

WeChat lässt sich sehr einfach bedienen, jedoch haperte die Zuverlässigkeit bei einigen Usern, wie wir in den App-Stores erfuhren. WeChat hält also auch in unserer dritten Testrunde seinen Ruf als Spaßmessenger, der jede Sicherheit gekonnt vernachlässigt. Den kompletten Testbericht lesen Sie hier.

#MessengerRevival2016: Komfort und Sicherheit

#MessengerRevival2016Dass MyEnigma seinen Dienst eingestellt hat, finden wir sehr schade, denn dieser Messenger hatte in den Vorjahren richtig Potenzial! Wäre er weiterentwickelt worden, hätte er gute Chancen gehabt, auf den ersten Rängen zu landen.

Insgesamt lässt sich jedoch feststellen, dass der Trend zu mehr Sicherheit geht: langsam scheint es immer mehr Messengern zu gelingen, einen gewissen Komfort mit großer Sicherheit zu verbinden. Wir wünschen uns für unsere nächste Testrunde in 2017, dass viele Entwickler ihre Transparenz weiterhin erhöhen und dass es noch deutlicher gelingt, einen leicht zu bedienenden und funktionalen Messenger zu schaffen, dessen Sicherheit überzeugt.

Unsere Wertung kennen Sie nun. Jetzt sind Sie am Zug: welchen Messenger nutzen Sie am liebsten? Warum haben Sie sich für diesen entschieden? Ist Ihnen der Komfort wichtiger als die Sicherheit oder geht Ihnen Privatsphäre über alles? Was könnten die Entwickler Ihres Messengers noch optimieren, um die App zu perfektionieren? Was müsste sich Ihrer Meinung nach überhaupt auf dem Messenger-Markt tun?



5 Kommentar(e)

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Auf dieses Thema gibt es 5 Reaktionen

  1. Martin Beyer | 21. September 2016

    Hallo PSW-Team,

    danke für den ausführlichen Testbericht, der Sicherheit und Datenschutz groß schreibt! Ich verstehe aber nicht warum SIMSme jetzt auf 3 gelandet ist. In Ihrem SIMSme Fazit hieß es doch:

    „In der Bewertung ändert dies nichts: nach wie vor teilen sich Threema und SIMSme Platz 1. Bis zum Ende unseres #MessengerRevivals2016 kann sich das vielleicht noch mal ändern – seien Sie mit uns gespannt auf die noch folgenden Messenger-Tests!“

    Was hat sich denn jetzt geändert, dass Threema am Ende 2 Plätze vor SIMSme liegt?

    Viele Grüße
    Martin Beyer

    21. September 2016 @ 15:37 Antworten
    • Bianca Wellbrock | 22. September 2016

      Hallo Martin,

      danke für deine Kommentare! Das stimmt, so hieß es im SIMSme-Fazit – und dann kamen mailbox.org & ChatSecure als Testkandidaten, die die Wertung noch mal geändert haben. Damit wird SIMSme nicht madiger gemacht, sondern die beiden Mitbewerber haben schlichtweg noch bessere Sicherheitsparameter. Threema überzeugt von seiner Sicherheit am meisten (Schweizer Server & kaum Speicherung von Daten).

      Die Reihenfolge im Text zeigt sozusagen die Sicherheits-Sieger. Die Tabelle zeigt mit der Gesamtwertung auch die anderen beiden Wertungsbereiche: Usability & Einstiegshürden. Ein sicherer Messenger muss nicht zwangsläufig komfortabel sein, ein komfortabler Messenger ist leider nur selten sicher. So kommt es, dass die Gesamtwertung anders ausfallen kann als die Wertung nach Sicherheitsparametern, die wir im Text anzeigen. Die Übersichtstabelle zeigt also die Gesamtwertung, jedoch auch noch mal die einzelnen Wertungspunkte in Einstiegshürden, Usability & Sicherheit. Hier ist dann auch die textliche Reihenfolge noch mal nachvollziehbar: Threema & mailbox.org erhalten 3,0, ChatSecure 2,9 und SIMSme 2,8, also sehr knapp darunter und weit vor der Konkurrenz. SIMSme halten wir für eine sehr gute App, aus der Sicherheitsperspektive betrachtet, gibt es jedoch noch bessere, die allerdings weit weniger bequem sein können (s. mailbox.org, wo es teuer werden kann und der Komfort Client-abhängig ausfällt).

      Wir hoffen, wir konnten Klarheit bringen, viele Grüße vom
      PSW GROUP-Redaktionsteam

      22. September 2016 @ 07:11 Antworten
  2. Martin Beyer | 21. September 2016

    …Ihre Übersichts-Tabelle passt dann auch nicht zu dem Treppchen-Bild. Hier lautet die Gesamtbewertung:
    Threema und SIMSme 2,6 Punkte > also geteilter erster Platz
    mailbox.org, ChatSecure und Signal 2,4 Punkte > also geteilter zweiter Platz

    21. September 2016 @ 16:24 Antworten
  3. Thomas S. | 27. September 2016

    Ich weiß immer noch nicht, wo die In-App Käufe bei SIMSme sein sollen. Klären Sie mich auf!

    27. September 2016 @ 11:48 Antworten
    • Bianca Wellbrock | 29. September 2016

      Hallo Thomas S.,

      danke für Ihren Kommentar. In unserem Test sollte die Selbstzerstörungsfunktion für Nachrichten 89 Cent kosten. Auch im Play Store sieht man unter „Berechtigungen“ „In-App-Käufe“. Direkt unter dem SIMSme-Test-Artikel (https://www.psw-group.de/blog/messengerrevival2016-signal-simsme/3486) sind wir nochmals darauf eingegangen: wir können nur wiedergeben, was wir in unseren Tests erfahren haben. Dass die selbstzerstörenden Nachrichten für viele User kostenfrei ist, sahen wir an den Reaktionen unserer Leserinnen und Leser. Wir gehen von einem Fehler aus, müssen jedoch auch das nutzen, was wir in unseren Tests selbst erlebt haben.

      Viele Grüße vom PSW GROUP-Redaktionsteam!

      29. September 2016 @ 10:32 Antworten