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#MessengerRevival2016: ChatSecure & Wire

13. September 2016
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#MessengerRevival2016: ChatSecure & Wire

Im Jahre 2014, als wir erstmals unseren großen Messenger-Test starteten, haben wir ChatSecure bereits testen können. Insgesamt gefiel uns das Ergebnis: dank XMPP war eine immense Verbreitung möglich und OTR sorgte für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung inklusive PFS gegen das nachträgliche Entschlüsseln. Dafür jedoch waren bezüglich des Komforts Abstriche hinzunehmen.

Gänzlich neu in unseren Tests ist der Messenger Wire. Viele von Ihnen haben sich Wire als Testkandidat gewünscht und wir sind sehr gespannt, ob Wire die bisherige Platzierung noch mal umwerfen kann! Los geht’s:

ChatSecure im Test

Herunterladen können Sie den Messenger ChatSecure unter Android und iOS. Da sich der Messenger durch Spenden finanziert, sind sowohl Download als auch Nutzung kostenfrei. Beim Starten der App haben wir unterschiedliche Optionen für einen Login:

  • Google-Account: Registrierung über das eigene Google-Account, um mit anderen Google-Usern zu chatten
  • vorhandenes Konto: besitzen Sie bereits einen Account, können Sie den hinzufügen und sich auf einem bestimmten Jabber-/XMPP-Server verbinden.
  • neues Konto: Sie können einen ganz neuen Account erstellen.
  • vermaschte WLAN-Unterhaltung: unterhalten Sie sich mit anderen Nutzern im selben WLAN-Netzwerk. Sie benötigen für diese Unterhaltungen keine Internetverbindung.
  • geheime Identität: um ein anonymes Einwegkonto anzulegen, benötigen Sie zusätzlich die Orbot-App, sodass Sie über das Tor-Netzwerk anonym chatten.

Unabhängig davon, für welche Option Sie sich entscheiden: zusammen mit der Orbot-App können Sie sich grundsätzlich über Tor verbinden. Entscheiden Sie sich für eine Login-Variante, haben Sie zudem immer die Möglichkeit, erweiterte Kontoeinstellungen aufzurufen. Darin fällt auf, dass Privatsphäre-Einstellungen per Default vorgenommen wurden. Beispielsweise ist das Häkchen bei der Transportverschlüsselung gesetzt, bei der Klartextlegitimierung hingegen nicht.

Berechtigungen, die ChatSecure fordert

ChatsScure EinstiegshürdenBei den Berechtigungen, auf die die Messenger zugreifen, hat bislang unser Testkandidat „SIMSme“ die Nase vorn. ChatSecure ist von dieser Zugriffssparsamkeit aber nicht sehr weit entfernt:

  • Identität: Konten auf dem Gerät suchen, hinzufügen oder entfernen
  • Kontakte: Konten auf dem Gerät suchen
  • Fotos/ Medien/ Dateien: USB-Speicherinhalte lesen, ändern oder löschen
  • Speicher: USB-Speicherinhalte lesen, ändern oder löschen
  • WLAN-Verbindungsinformationen: WLAN-Verbindungen abrufen
  • Sonstige:
    • App-Vorgangsstatistiken ändern
    • Konfigurierte Konten abrufen
    • Netzwerkverbindungen abrufen
    • WLAN-Multicast-Empfang zulassen
    • Zugriff auf alle Netzwerke
    • Beim Start ausführen
    • Konten auf dem Gerät verwenden
    • Vibrationsalarm steuern
    • Ruhezustand deaktivieren

Wie kommen Kontakte in den Messenger?

Je nachdem, wie Sie sich angemeldet haben, haben Sie womöglich bereits Zugriff auf Kontakte, die Sie zu ChatSecure zum Plausch einladen können. Wir sind, wie vor zwei Jahren schon, den Weg übers Google Account gegangen und sehen nun all unsere Google-Kontakte vor uns, denen wir Einladungen schicken können.

Darüber hinaus können wir Kontakte via E-Mail einladen, über vorhandene Usernamen oder JabberIDs suchen oder einen QR-Code scannen. Das ist nach wie vor die sicherste, aber auch umständlichste Methode: eine falsche Identität kann Ihnen von Angesicht zu Angesicht zwar niemand vorgaukeln, aber es ist ein Muss, Ihrem Gesprächspartner persönlich gegenüber zu stehen.

Usability von ChatSecure

ChatSecure UsabilityAufgrund seiner Sicherheitseigenschaften ist der Messenger ChatSecure leider nicht ganz so komfortabel zu bedienen wie viele Mitbewerber. Als XMPP-Client mit Off-the-Record-Verschlüsselung (OTR) verläuft die Nachrichtenübermittlung synchron. Bedeutet: das Übermitteln von Nachrichten klappt nur dann, wenn die App läuft und Sie online sind.

Die Nachricht geht jedoch nicht verloren, sondern sie nimmt einen anderen Weg. In dem Account, mit dem Sie sich bei ChatSecure angemeldet haben, erhalten Sie eine verschlüsselte Nachricht. Um wirklich in einen Dialog zu gehen, müssen beide Gesprächspartner die App geöffnet haben und online sein (Ausnahme: Chats via WLAN-Netzwerk, s. o.).

Da sich die Nachricht, die ans Anmelde-Account gesendet wurde, aufgrund der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit dem Zusatz Perfect Forward Secrecy (weiterführende Infos finden Sie in unserem Blog) nicht mehr dechiffrieren lässt, muss die ursprüngliche Nachricht dann noch mal gesendet werden.

Gewöhnen Sie sich an, Ihrem Gesprächspartner vor dem Kontakten in ChatSecure eine SMS oder eine andere Nachricht zu senden, damit Sie sich beide chatbereit machen können, danach ist das Nutzen nicht mehr so kompliziert. Dennoch bleibt der Komfort weit hinter dem von WhatsApp und Co. zurück.

Features und Zuverlässigkeit

Lang ist die Feature-Liste von ChatSecure nicht. Sie können Textnachrichten und Anhänge, darunter auch Multimediadateien, versenden. Allerdings sorgen OTR und XMPP für einen netten Effekt, den andere Messenger nicht bieten:

Sie können mit Menschen chatten, die andere OTR- und XMPP-kompatible Clients verwenden, beispielsweise Adium, Pidgin oder Jitsi. Somit können Sie auch dann verschlüsselt chatten, wenn Ihr Gesprächspartner beispielsweise den Server von mailbox.org nutzt. Daneben bietet ChatSecure mit Tor eine Möglichkeit, völlig anonym zu chatten.

Im Test aus 2014 konnten wir weder Dateien versenden noch kamen unsere E-Mail-Einladungen an. Der Dateiversand funktionierte im diesjährigen Test und eine der zwei versendeten E-Mail-Einladungen kam an. Wir werfen einen Blick in die App-Stores:

117 iOS-User finden, der Messenger verdient 4 Sterne. Android-Nutzer haben die App wohl schon häufiger heruntergeladen, denn hier attestieren mehr als 5.100 User mit 4 Sternen Zufriedenheit. Die schriftlichen Bewertungen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Anhänge gehen nicht raus, die gesamte App funktioniert nicht, Abstürze sind an der Tagesordnung. Der Support schweigt sich leider aus und reagiert nicht auf diese Kommentare.

Sicherheit von ChatSecure

ChatSecure SicherheitDass ChatSecure mit Sicherheit wirbt, kommt nicht von ungefähr: OTR mit PFS sorgt dafür, dass ausschließlich Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten versendet werden können, die sich im Nachhinein nicht entschlüsseln lassen. Für die Sicherheit ist das mehr als dienlich. Den Komfort schränkt das ein: Chathistorien lassen sich nicht speichern und beide Gesprächspartner sollten aus oben erläuterten Gründen einen Chattermin vereinbaren.

Dass keine Nachrichtenhistorien im Gerätespeicher landen, hat weiter den Vorteil, dass neugierige Apps keinerlei Infos auslesen können. Dass weder Adressbücher noch Nachrichten auf ChatSecures Servern landen, ist ein weiteres Sicherheitsplus. Verwenden Sie neben ChatSecure auch Orbot, können Sie nicht rückverfolgt werden. Sie sind dann anonym via Tor unterwegs, umgehen Firewalls genauso wie Netzwerkeinschränkungen oder Blacklists.

Ein weiteres Plus an Sicherheit gibt die Tatsache, dass die Entwickler hinter ChatSecure kein Geheimnis aus ihrem Quellcode machen. Auf der Entwickler-Seite der ChatSecure-Webpage finden Sie Links zu den Quellcodes. Dass man sich auch über einen eigenen Server verbinden kann, erhöht die Sicherheit zusätzlich. Da die AGB und Datenschutzbedingungen seither keine Änderung erfahren haben, lesen Sie bitte den Sicherheits-Absatz im ersten Testbericht dazu.

Fazit ChatSecure

ChatSecure ist kostenfrei, dank XMPP und ORT mit vielen anderen Clients kompatibel und somit kann plattformunabhängig kommuniziert werden, auch wenn es den Messenger selbst nur für iOS und Android gibt. Für das Übertragen von Kontakten gibt es mehrere Wege, und kein einziger macht es notwendig, das Telefonbuch zu durchwühlen. Auch die sehr kurze Berechtigungsliste gefällt uns sehr!

Features sind sehr wenige mit an Bord. Auch die Bedienung leidet unter den Sicherheitsaspekten, die uns jedoch wichtiger sind. Mit etwas Gewöhnung an eine umständlich erscheinende Art des Chattens lässt sich dieser Punkt vernachlässigen. Das gelingt jedoch nicht mit der Zuverlässigkeit: viele User beklagen Probleme, Hilfe existiert nicht.

Punkten kann der Messenger aber wieder bei der Sicherheit: die Verschlüsselung stimmt, der Quelltext ist offen, Tor erlaubt anonymes chatten und es wird aufs Nutzen des Telefonspeichers sowie auf Übertragungen an Server gänzlich verzichtet. In unseren Augen ist ChatSecure für Menschen mit großem Sicherheitsdenken ein sehr empfehlenswerter Messenger!

Wire im Test

Der Messenger Wire ist ein Produkt der Wire Swiss GmbH mit Sitz in der Schweiz. Die technische Entwicklung jedoch geht von Berlin aus. Spannend ist die Entwickler-Zusammensetzung: ehemalige Mitarbeiter von Größen wie Skype, Apple, Microsoft und Nokia bilden das Team. Sogar Janus Friis, einer der Skype-Mitbegründer, zählt zu den Geldgebern.

Verfügbar ist Wire für iOS, Android, den Mac, als Windows-App sowie für den Browser. Im Wesentlichen wirbt Wire damit, die Privatsphäre wirklich zu achten. Dabei scheint der Messenger eine große Funktionspalette zu bieten, die sich besonders in den vergangenen Monaten erweitert hat.

Berechtigungen, die Wire fordert

Wire EinstiegshürdenPrivatsphäre und Funktionalität: das ist eine Gratwanderung! Hat uns von der Berechtigungsliste bislang wirklich nur SIMSme begeistert (mit ChatSecure nah an den Fersen), fordert Wire schon etwas mehr, was für eine höhere Funktionalität sprechen könnte:

  • Kontakte: Kontakte lesen
  • Standort: genauer Standort (GPS- & netzwerkbasiert)
  • Telefon: Telefonstatus und Identität abrufen
  • Fotos/ Medien/ Dateien: USB-Speicherinhalte lesen, ändern oder löschen
  • Speicher: USB-Speicherinhalte lesen, ändern oder löschen
  • Kamera: Bilder und Videos aufnehmen
  • Mikrofon: Audio aufnehmen
  • Geräte-ID & Anrufinformationen: Telefonstatus und Identität abrufen
  • Sonstige:
    • Daten aus dem Internet abrufen
    • Netzwerkverbindungen abrufen
    • Pairing mit Bluetooth-Geräten durchführen
    • Lichtanzeige steuern
    • Zugriff auf alle Netzwerke
    • Audio-Einstellungen ändern
    • Beim Start ausführen
    • Vibrationsalarm steuern
    • Ruhezustand deaktivieren

Auch diese Liste ist also erfreulich kurz, wenn auch etwas länger als die von SIMSme oder ChatSecure. Wir können nichts entdecken, was dem Datenschutz entgegenstehen würde.

Usability von Wire

Wire UsabilityUm mit Wire auch chatten zu können, benötigen Sie, wie in jedem Messenger, Kontakte. Diese kommen in den Messenger, indem Sie Profilnamen oder die E-Mail-Adresse Ihres baldigen Gesprächspartners eingeben. Nutzt Ihr Gesprächspartner Wire noch nicht, können Sie ihm via SMS, E-Mail, Facebook, Twitter und weiteren Kanälen einen Download-Link senden.

Uns fehlt etwas die sichere Möglichkeit, einen QR-Code einzuscannen. Was uns allerdings außerordentlich gefällt: nach dem ersten Login steht „Otto the bot“ bereit. Otto ist immer da, wenn Sie mal nicht weiterwissen:

Der kleine Wire-Bot erklärt Ihnen die Wire-Welt. Sie können mit Otto chatten, er erklärt Ihnen, wo sich was befindet, und nach einem Sound-Test-Anruf erhalten Sie weiterführende Infos. Das ist nicht nur schön gestaltet, sondern Learning by Doing; eine wirklich gelungene Idee!

Leicht zu bedienen und gute Features

Nach der kleinen Tour mit Otto the bot kennen wir uns bestens aus in Wire. Die Bedienung ist kinderleicht, optisch ansprechend und gelingt intuitiv. Diese Features erhalten Sie mit Wire als Messenger:

  • Chats inkl. Anhänge (Bilder, Filme, GIFs, Musik als Datei oder aus Spotify, Soundcloud, YouTube & Vimeo – abspielen direkt in Wire, Skizzen, etc.)
  • Gruppenchats mit bis zu 128 Personen
  • Sprach- & Videoanrufe
  • Gruppenanrufe mit bis zu 10 Personen
  • Standort teilen

Zugegeben: das kann von den Funktionen noch immer nicht mit WeChat mithalten, dem absoluten Funktions-Gewinner in all unseren Tests, gleichzeitig jedoch auch der Sicherheits-Verlierer all unserer Tests. Aber das ist mehr als nur der Standard. Insbesondere scheinen jene zu profitieren, die Spotify, Soundcloud, YouTube oder Vimeo gerne nutzen: versendete Links lassen sich direkt in Wire abspielen.

Dass Wire nicht stillzustehen scheint, zeigt die sehr rege Berichterstattung über den Messenger: in den vergangenen Monaten wurde der komplette Messenger Open Source. Die Verschlüsselung ist per Default für Anrufe (Audio & Video), Chats (einzeln & Gruppe), Zeichnungen sowie Fotos aktiviert. Ein Stimmverzerrungsfilter kam Mitte Juli, für PCs (Windows oder Mac OS X) existiert eine Screen-Sharing-Funktion.

Videos lassen sich übrigens nicht nur versenden, sondern seit Mai 2016 auch direkt aus dem Messenger heraus aufzeichnen. Auch lassen sich einzelne Nachrichten aus den Chats löschen, jedoch lediglich auf dem eigenen Gerät.

Wie zuverlässig ist Wire?

Wir haben natürlich nicht nur mit Otto the bot gechattet, sondern ausführlich getestet. In unserem Test funktionierte alles reibungslos: wir haben zusammen Musik gehört, uns per Chat und Sprachnachricht ausgetauscht und uns per Videotelefonie unterhalten. Wie zufrieden andere User sind, zeigt ein Blick in die App-Stores:

iOS-User liest man eher selten lobpreisen, bei Wire aber ist das anders. Zwar kommen alle Versionen bei 365 Bewertungen nur auf 3,5 Sterne, die aktuelle Version jedoch, die erst seit 26. August 2016 verfügbar ist, wird von sieben Usern mit sehr guten 4,5 Sternen bewertet. Das spiegelt sich auch in den Kommentaren wieder:“Unglaublich“, „Interessanter Messenger mit viel Potenzial“ und „Die WhatsApp und Skype Alternative“, freuen sich die User.

Gewohnheitsgemäß werten deutlich mehr Android-User: mehr als 17.850 Nutzer bescheinigen Wire mit 4,1 Sternen, ein guter Messenger zu sein. Wir lesen zunächst von einem genervten User, dass er täglich mit Otto sprechen soll und das nicht möchte, der Support entschuldigt sich prompt und bietet eine Lösung an.

Andere User sind voll des Lobes, wieder andere scheinen abwarten zu wollen, ob nun der nächste gute Messenger bald verkauft wird. Der Support ist jedenfalls hoch aktiv und kommentiert nahezu jedes Fünkchen der Kritik – oftmals sogar noch am selben Tag. Das spricht für einen guten Support, was sich hoffentlich auch in der Lösungsfindung etwaiger Probleme zeigt.

Sicherheit von Wire

Wire SicherheitUns begeistert, was wir bislang selbst getestet und über den Messenger gelesen haben: soweit stimmt alles. In bisherigen Tests kam mit der Sicherheit immer der kritische Testpunkt, an dem sich das bislang so gute Urteil dann doch noch mal drehte. Bei Wire scheint das jedoch anders zu sein.

Dass Text, Sprach- und Videonachrichten sowie Medien Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, erfreut uns sehr – das jedoch bieten auch andere Messenger. Nun aber wird es spannend: Sie können Unterhaltungen trotz der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dank der OTR-Weiterentwicklung Axolotl (was auch bei Signal, ehem. TextSecure zum Einsatz kommt) auf mehreren Geräten nutzen.

Bei der Frage, wie die Kontakte in den Messenger kommen, fehlte uns zwar die Antwort „per QR-Scan“, da wir diese Option für die sicherste halten, jedoch kann die Identität eines Nutzers bei Wire auch dank Fingerabdruck-Vergleich geprüft werden, was in den FAQ ausführlicher erklärt wird.

Auch Anrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Hier kommt der WebRTC-Standard zum Einsatz. Somit sind auch Anrufe mit Forward Secrecy geschützt und lassen sich auch nachträglich nicht entschlüsseln. Wire verspricht, es gäbe keine Qualitätseinbußen, und das können wir in unseren Tests bestätigen. Der Quellcode lässt sich auf Github einsehen, sodass sich die Sicherheitsversprechen der Entwickler auch überprüfen lassen.

AGB bei Wire

Schon nach dem Installieren der App wurden wir auf die AGB hingewiesen und auch auf der Website ist es kein Problem, die Rechtstexte aufzufinden. Bevor es an die eigentlichen AGB geht, werden wir auf den Jugendschutz hingewiesen: Wire darf ab dem 13. Lebensjahr genutzt werden, davor ist die Einwilligung des Erziehungsberechtigten nötig.

Dass ein Aktualisierungsdatum über den AGB und Datenschutzvereinbarungen zu finden ist, hilft ungemein dabei, herauszufinden, ob es Änderungen gegeben hat. Wir starten wie immer zunächst mit den AGB. Unter Punkt 5.1 ist zu lesen, dass Sie es der App erlauben können, auf Ihr Adressbuch zuzugreifen. Entscheiden Sie sich dafür, werden Telefonnummern sowie E-Mail-Adressen anonymisiert hochgeladen, um Nutzer per Einladung zu kontaktieren.

Punkt 18 in den AGB möchte über das Übertragen von Nutzungsinformationen wie Nutzungsdaten einschließlich Absturzberichte hinweisen. Wir erfahren, dass solche Informationen anonymisiert sind und nur „zum Zwecke der Analyse der Leistung deines Geräts während der Nutzung der Dienste“ übermittelt werden. In den Einstellungen können Sie sich dagegen entscheiden, solche anonymisierten Informationen mit den Wire-Entwicklern zu teilen.

Datenschutzrichtlinie des Privatsphäre-Messengers

Die Datenschutzbedingungen möchten zunächst die Frage klären, welche Daten gesammelt werden. Das sind persönliche Daten, wenn Sie einen Account anlegen, den Messenger nutzen oder aber Kontakt mit dem Unternehmen aufnehmen. Entscheiden Sie sich dafür, Ihre Adressbuchkontakte hochzuladen, werden Telefonnummern sowie E-Mail-Adressen gehasht. Namen und andere Informationen werden nicht erhoben. Das Teilen des Adressbuchs können Sie jederzeit in den Einstellungen deaktivieren.

Chats, also verschlüsselte Nachrichten sowie andere verschlüsselte Inhalte, werden auf den Servern gespeichert. Zusätzlich werden „Daten wie Datum und Uhrzeit“ der Konversationen sowie „den oder die anderen Benutzer“ protokolliert. Tätigen Sie auch Anrufe, speichern die Wire-Server Datum, Uhrzeit sowie den oder die Gesprächspartner. Inhalte von Anrufen werden weder erhoben noch gespeichert.

Auch App-Nutzungsdaten werden anonymisiert gespeichert und zum Analysieren ausgewertet. Dies kann in den Einstellungen deaktiviert werden. Dasselbe gilt für die Crashlogs, die zur Fehlersuche und -beseitigung vom Nutzer aus gesendet werden können. Persönliche Daten sind in den Logs nicht enthalten.

Datennutzung bei Wire

Erhobene persönliche Daten werden laut Punkt 3. der Datenschutzvereinbarung genutzt, um die Identität zu verifizieren, um neue Dienste oder Features anzukündigen, um Kundenservice-Anfragen zu bearbeiten oder um Informationen vom Unternehmen bzw. seiner Produkte zuzusenden.

Gelegentlich können die Kontaktdaten verwendet werden, „um dir als Teil unserer Dienste Nachrichten über Dienste oder andere allgemeine Bekanntmachungen zukommen zu lassen. Wir speichern deine Interaktion mit uns, einschließlich unter anderem deiner Aktivität innerhalb der Dienste. Es besteht die Möglichkeit, dass wir deine E-Mail-Adresse nutzen, um dich zu kontaktieren, wenn dies erforderlich ist.“

Versprochen wird, dass persönliche Daten oder Konversationsinhalte nie für fremde Werbezwecke genutzt werden. Persönliche Daten könnten jedoch geteilt werden, wenn …:

  • … Nutzer im Messenger nach Nutzern suchen. Hier können Ihr Profilname und Ihr Profilbild auftauchen.
  • … Kontakte sich Informationen anzeigen lassen. Hier werden die persönlichen Daten angezeigt, die Sie angegeben haben.
  • … dies für den Schutz von Rechten notwendig ist. Die übliche Rechtspassage: persönliche und Kommunikationsdaten können im Rahmen der Strafverfolgung genutzt werden. Threema löst diesen Punkt besser und sagt sich: wenn nichts gespeichert wird, kann auch nichts herausgegeben werden. Eine Philosophie, die wir mehr unterstützen als die von Wire.
  • … eine Vermögensübertragung stattfindet. Das erinnert ein bisschen an die Zeit, in der Facebook WhatsApp übernahm: wird es einen Zusammenschluss, eine Übernahme oder ähnliches geben, könnten Vermögensgegenstände, zu denen Nutzerdaten zählen, übertragen werden. Da Übernahmen dieser Art nun schon häufiger stattgefunden haben, sehen wir diese Passage ebenfalls kritisch: ein klares Nein zum „Vermögenswert persönliche Daten“ wäre mehr im Sinne der Privatsphäre, die sich Wire auf die Fahnen schreibt.
  • … Dienstleister ins Spiel kommen: arbeitet Wire mit Tochtergesellschaften und/ oder Drittanbietern zusammen – als Beispiele werden „Datenspeicherung, Content Delivery, Entwicklungsdienstleistungen oder andere Dienstleistungen“ genannt – können diese unter Einhaltung dieser Datenschutzerklärung, angemessener Vertraulichkeits- sowie Sicherheitsmaßnahmen an persönliche Daten gelangen.

Vorsicht vor Dritten!

Hier haben wir es wieder: Komfort und Sicherheit unter einen Hut zu bekommen, ist sehr schwer! Unter Punkt 4.2 der Datenschutzerklärung weisen die Wire-Entwickler auf Informationen über Dritte hin. Es ist sicher sehr bequem, Spotify-Songs direkt im Chat zu teilen und zu hören, ebenso wie YouTube-Videos. Aber: damit kommen auch die Datenschutzbedingungen eben dieser Services zum Tragen.

Punkt 5. geht auf die Wahlmöglichkeiten zur Datennutzung ein. Tatsächlich lässt sich vieles in den Account-Einstellungen noch optimieren und schon per Default stimmen die meisten Einstellungen. Wichtig finden wir die Information, die wir nun lesen:

„Bitte beachte, dass wir gegebenenfalls nach der Deaktivierung deines Accounts deine Accountdaten und alle damit verbundenen persönlichen Daten zum Zweck der internen Accountverwaltung und der Betrugsbekämpfung noch für einen angemessenen Zeitraum speichern.“ Gut, dass es angesprochen wird, aber was bedeutet „angemessen“ in Zahlen? Das fänden wir interessant.

Interessant und positiv ist auch dieser Satz: „Zusätzlich beschränken wir den Zugriff auf persönliche Daten auf Mitarbeiter des Unternehmens, die diese für die Entwicklung, den Betrieb und die Wartung der Dienste benötigen.“ – Das erfreut uns wieder, denn Zugriffskontrollen sind ein unglaublich einfaches und effizientes Mittel zum Datenschutz.

Fazit Wire

Wire macht vieles richtig: kostenfrei, plattformunabhängig (zwar existieren Apps nur für iOS und Android, eine Browser-Version sowie Mac- & Windows-Versionen bringen jedoch Unabhängigkeit), einfaches Übertragen von Kontakten und eine recht kurze Berechtigungsliste sorgen für ganz geringe Einstiegshürden.

Die Feature-Liste kann sich sehen lassen, zwar gibt es nicht so viele Funktionen wie bei WeChat, aber doch mehr als bei Threema. Die App arbeitet sehr zuverlässig und lässt sich leicht bedienen. Hier im Testbereich Usability konnte sich Wire fast die komplette Punktzahl holen.

Im Testbereich Sicherheit war es wieder etwas gemischter: die Verschlüsselung mit der OTR-Weiterentwicklung Axolotl ist sicher und dank PFS ist auch nachträgliches Entschlüsseln unmöglich. Die fehlenden QR-Codes zur Verifikation der Identität werden prima durch die Fingerprint-Kontrolle ausgeglichen.

AGB & Datenschutzbedingungen gefallen im Großen und Ganzen, vor allem die Sprache ist sehr klar, deutlich und für Laien gut verständlich. Jedoch haben wir unsere Probleme mit zwei Punkten, die wir oben schon ansprachen: Das Herausgeben von Daten für Strafverfolger, was beispielsweise Threema dadurch löst, dass einfach keine Daten gespeichert werden – in unserem Privatsphäre-Verständnis die einzig sinnvolle Lösung. Zum anderen die Vermögensübertragung und damit ggf. auch die Datenübertragung an neue (Anteils-)Eigner, wenn das Unternehmen oder Teile mal verkauft werden sollten.

Wires Server sind in Europa verteilt. Uns würde hier mehr Transparenz gefallen: wo in Europa? Und apropos Datenspeicherung: was genau ist ein angemessener Zeitraum? Sie sehen: wir haben noch offene Fragen, die wir für uns unbeantwortet lassen müssen.

#MessengerRevival2016: die Auswertung in der nächsten Woche

Es scheint, als wären nun unsere bisherigen Testergebnisse noch mal durcheinander geraten – denn in der Gesamtpunktzahl führt nun Wire die Rangliste an. Aber: eine Entscheidung für oder gegen einen Messenger kann nur anhand eigener Kriterien getroffen werden.

Denn auch, wenn Wire heute mit einer Gesamtwertung von 2,9 nur knapp die volle 3-Sterne-Punktzahl verfehlt hat, ist dies vorrangig den geringen Einstiegshürden und der für einen recht sicheren Messenger verhältnismäßig umfangreichen Featureliste geschuldet. Betrachten wir ausschließlich den Punkt Sicherheit, liegen Threema, SIMSme, mailbox.org und ChatSecure vorn.

In der kommenden Woche werden Sie es ganz genau erfahren: wir küren für Sie sowohl den Komfort- als auch Sicherheitssieger, wobei wir alle Testkriterien noch mal übersichtlich zusammenfassen. So haben Sie einen noch besseren Überblick und können sich genau anhand Ihrer persönlichen Kriterien ein Urteil bilden.



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