IT-Security

Messenger-Test 2021: Das Finale

25. Januar 2022 von Bianca Wellbrock

messenger-test-2021
© canva - canva.com

4.2
(5)

Wir haben wochenlang für Sie getestet – nun stehen unsere Sieger des Messenger-Tests 2021 fest! Im heutigen Beitrag zeigen wir Ihnen, mit welchen Messengern Sie am sichersten unterwegs sind, welche in Funktionalität punkten und welche die Gratwanderung zwischen beidem – Sicherheit und Funktionalität – schaffen. Außerdem geben wir Ihnen am Ende unseres heutigen Beitrags einen Ausblick auf die Interoperabilität von Messengern. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, welche Messenger bei unserem aktuellen Test besonders überzeugen konnten.

Rückblick Messenger-Test 2021

Im vorigen Jahr haben wir acht beliebte Messenger auf den Prüfstand gestellt: WhatsApp und Threema, Signal und Telegram, Wire und ginlo sowie ICQ und WeChat haben wir uns für Sie angeschaut.

Getestet haben wir in drei Kategorien:

  • Einstiegshürden: Welche Kosten entstehen Nutzenden? Auf welchen Plattformen lassen sich die Messenger nutzen? Wie kommen Kontakte in den Messenger? Welche Berechtigungen erfordert der Messenger? – Vier Testpunkte á 3 mögliche Punkte: Bis 12 Punkte konnten die Messenger hier gewinnen.
  • Usability: Welche Features stecken in dem Messenger? Wie ist die Bedienung? Wie die Zuverlässigkeit? – Drei Testpunkte á 3 mögliche Punkte: Bis zu neun Punkten konnten die Messenger hier gewinnen.
  • Sicherheit: Wie ist die Verschlüsselung aufgebaut? Welche weiteren Schutzmechanismen existieren? Wie sind die Rechtstexte, insbesondere AGB und Datenschutzerklärung verfasst? Wo stehen die Server? Wie und wie lange werden welche Daten gespeichert? – Fünf Testpunkte á 3 mögliche Punkte: Bis zu 15 Punkte konnten die Messenger hier gewinnen.

Messenger-Test 2021: Die Sieger & Verlierer

Wir starten unsere Auswertung mit dem Verlierer-Treppchen, welches sich ICQ, WeChat und WhatsApp teilen: Alle drei Messenger haben geringe Einstiegshürden. Die kostenfreien Messenger sind plattformunabhängig nutzbar und überzeugten in unseren Tests mit guter Usability. Im Bereich Sicherheit jedoch verlieren alle drei ihre guten Wertungen: Fehlende oder veraltete Verschlüsselungen fielen uns genauso auf wie undurchsichtige Rechtstexte und unzureichende oder nicht aussagekräftige Informationen zu Serverstandorten und der Datenspeicherung. Damit eignen sich WhatsApp (insgesamt 1,9 Sterne), ICQ und WeChat (insgesamt jeweils 2 Sterne) just for fun:

Möchten Sie mit ICQ in nostalgischen Momenten schweben oder Stickersammlungen in WeChat erweitern, könnten diese Messenger die richtigen für Sie sein. Möchten Sie hingegen sicher kommunizieren und sind Sie als Privatsphäre-bewusster Mensch der Meinung, Ihr Messenger sollte Sie nicht ausspionieren, dann sollten Sie zu unseren Privatsphäre-Gewinnern runterscrollen.

Im Mittelfeld: Wire und Telegram

Telegram konnte uns bei den Einstiegshürden und der Usability absolut überzeugen: kostenfrei, plattformunabhängig nutzbar, mehrere Möglichkeiten, Kontakte in den Messenger zu bekommen, eine gefühlte Endlos-Liste an Features, einfache Bedienung und Zuverlässigkeit sprachen uns bei diesem Messenger sehr an. Doch sobald es um sicherheitsrelevante Fragen ging, konnte Telegram nicht mehr punkten: Angefangen von einer langen Liste an Berechtigungen (die sich jedoch individuell durch Nutzende freigeben bzw. sperren lassen) über chaotische Angaben zur Verschlüsselung bis hin zu Servern, die auf der ganzen Welt verstreut sind und sich widersprechenden Rechtstexten konnten wir im Bereich Sicherheit kaum Überzeugendes an Telegram finden. Mit insgesamt 2,1 Sternen platziert sich der Messenger zwar knapp oberhalb unserer eben genannten Verlierer, kann aber bei Weitem nicht so überzeugen wie unsere Gewinner.

Eine insgesamt bessere Figur machte hier Wire: Als Gewinner beim Testfeld Einstiegshürden war Wire der einzige der getesteten Messenger, der es auf volle 12 Punkte schaffte. Auch der Testpunkt Sicherheit war nicht ansatzweise so unbefriedigend wie bei Telegram oder den oben genannten Verlierern: Die Verschlüsselung überzeugte uns und wir fanden auf viele unserer Fragen Antworten, sodass auch hier 12 von 15 möglichen Punkten erreicht wurden. Das Genick gebrochen hat dem Messenger tatsächlich eher das Testfeld Usability: Eine lange Feature-Liste überzeugte uns, jedoch schwächelte der Messenger bei Bedienung und Zuverlässigkeit, sodass Wire der Usability-Verlierer mit 7 von 9 Punkten war. Jedoch reicht der Messenger mit insgesamt 2,4 Sternen ein wenig übers Mittelfeld hinaus und wagt es, sich in Richtung Gewinner zu recken. Wir würden uns wünschen, Wire würde noch etwas nachbessern, denn dieser Messenger hat definitiv Potenzial.

Die Gewinner: Threema, Signal & ginlo

In den Messenger-Testrunden vergangener Tests war es schwer, Messenger zu finden, die uns so überzeugen, wie es Threema gelungen ist. Erstmals sahen wir nun, im Jahr 2021, weitere Messenger sich dazugesellen: Signal und ginlo, die zum Teil mehr überzeugten als Threema.

Das trifft insbesondere auf die Einstiegshürden zu: Da Threema nicht kostenfrei ist, gab es hier Punktabzug, denn Signal und ginlo sind kostenfrei. Somit gehört Threema tatsächlich auch zu den Verlierern unseres Testsfelds Einstiegshürden: Auf 9 von 12 möglichen Punkten kam Threema hier. Ginlo ist leider nicht so kompatibel wie die Konkurrenz und Signal fordert von unseren drei Gewinnern die meisten Berechtigungen ein. So kamen Signal und ginlo jeweils in den Einstiegshürden auf 10 von 12 Punkten.

In der Usability liegen Threema, Signal und ginlo gleichauf: Alle drei Messenger schafften 8 von 9 Punkten. Bei der Sicherheit gab es jedoch einen eindeutigen Sieger – und der heißt auch in diesem Jahr wieder Threema: Auf 14 von 15 möglichen Punkten schaffte es der Schweizer Messenger. Signal und ginlo reihten sich mit 12 erreichten Punkten direkt dahinter ein.

Achten Sie bei Ihrem Messenger also auf Datenschutz und Privatsphäre, empfehlen wir Ihnen die Nutzung von Threema, Signal oder ginlo. Behalten Sie auch Wire im Auge – dieser Messenger hat das Potenzial, mit auf dem Siegertreppchen zu stehen, sobald sich die Entwickelnden der Usability noch etwas mehr annehmen.

Bei Signal gibt es zudem einen Wermutstropfen, der sich erst nach unserem Test ergeben hat: Wie wir im Testbericht bereits angesprochen hatten, hat Signal mittlerweile das weltweite Bezahlen mit Kryptowährungen eingeführt. Warum wir das Bezahlen über Messenger grundsätzlich kritisch sehen, erfahren Sie im oben verlinkten Signal-Testbericht.

Kommt die Interoperabilität von Messengern?

Ohnehin bleibt es spannend auf dem sich schnell wandelnden Gebiet der Messenger: Aus dem Europaparlament sind Forderungen laut geworden, die sich für eine Interoperabilität von Messengern aussprechen – Anbietende von Kommunikationsdiensten stehen dem jedoch kritisch gegenüber, wie unter anderem Golem.de im November 2021 berichtete. Wir dürfen also sehr gespannt sein, wie sich die bunte Messenger-Welt weiterentwickelt hat, bis wir unsere nächste Testrunde einläuten. Selbstverständlich halten wir Sie in unserem Blog, unserem Newsletter und in den sozialen Netzwerken immer auf dem Laufenden.

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