IT-Security

Die Grundlagen von Zertifikatsmanagement

24. Februar 2026 von Marek Röhner

Grundlagen Zertifikatsmanagement
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Zertifikatsmanagement ist längst kein Randthema der IT mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Cybersecurity-Strategien. Digitale Zertifikate bilden die Grundlage sicherer Kommunikation im Internet – von SSL/TLS-Zertifikaten für Websites über Code-Signing-Zertifikate bis hin zu IoT-Identitäten und internen PKI-Strukturen.

Doch die Rahmenbedingungen verändern sich rasant: Zertifikatslaufzeiten werden weiter verkürzt, Compliance-Anforderungen steigen, und die Anzahl sogenannter Maschinenidentitäten wächst exponentiell. Ohne strukturiertes Zertifikatsmanagement drohen Systemausfälle, Sicherheitslücken und ein enormer administrativer Aufwand. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die Grundlagen des Zertifikatsmanagements auf und erklären Ihnen aktuelle Lösungen.

Was ist Zertifikatsmanagement?

Zertifikatsmanagement bezeichnet die strukturierte – idealerweise automatisierte – Verwaltung des gesamten Lebenszyklus digitaler Zertifikate. International ist häufig auch vom „Certificate Management“ die Rede.

Dabei geht es nicht nur um die Beantragung eines Zertifikats. Vielmehr umfasst Zertifikatsmanagement sämtliche Phasen: von der Ausstellung über die technische Bereitstellung auf Servern oder Endgeräten, die kontinuierliche Überwachung der Laufzeit, die rechtzeitige Verlängerung bis hin zum Widerruf kompromittierter Zertifikate und der revisionssicheren Dokumentation.

Betroffen sind heute unterschiedlichste Zertifikatstypen. Neben klassischen SSL/TLS-Zertifikaten zählen dazu Code-Signing-Zertifikate, S/MIME-Zertifikate, IoT-Gerätezertifikate sowie Zertifikate interner Public-Key-Infrastrukturen (PKI).

Das Ziel einer professionellen Zertifikatsverwaltung ist klar: Sicherheitsvorfälle und Ausfälle durch abgelaufene Zertifikate verhindern, regulatorische Anforderungen erfüllen und den manuellen Aufwand für IT-Teams drastisch reduzieren.

Warum Zertifikatsmanagement immer wichtiger wird

 

Kürzere Laufzeiten erhöhen den Handlungsdruck

Ein zentraler Treiber für modernes Certificate Management sind die immer kürzeren Zertifikatslaufzeiten. SSL/TLS-Zertifikate werden ab 2026 auf maximal 200 Tage begrenzt, perspektivisch ist sogar eine Reduktion auf 47 Tage im Gespräch. Auch im Bereich Code Signing wurden die Laufzeiten bereits deutlich verkürzt.

Was auf den ersten Blick nach einer rein formalen Anpassung klingt, hat enorme praktische Auswirkungen: Je kürzer die Laufzeit, desto häufiger müssen Zertifikate erneuert werden. Bei hunderten oder tausenden Zertifikaten in einer Organisation ist eine manuelle Verwaltung faktisch nicht mehr realistisch.

Die Explosion der Maschinenidentitäten

Während die Anzahl menschlicher Benutzerkonten vergleichsweise stabil bleibt, wächst die Zahl der Maschinenidentitäten exponentiell. Cloud-Workloads, APIs, Container, Microservices, IoT-Geräte und DevOps-Pipelines kommunizieren permanent miteinander – abgesichert durch Zertifikate.

Schon heute übersteigt die Anzahl maschineller Identitäten die der menschlichen Nutzer deutlich. Jede dieser Identitäten benötigt ein gültiges Zertifikat. Ohne skalierbares Zertifikatsmanagement entsteht hier schnell ein unübersichtlicher Wildwuchs, der Sicherheitsrisiken begünstigt.

Compliance-Anforderungen nehmen zu

Auch regulatorisch wird das Thema immer relevanter. Normen und Richtlinien wie ISO 27001, der BSI IT-Grundschutz, NIS2 oder DORA verlangen nachvollziehbare, dokumentierte Sicherheitsprozesse. Dazu gehört auch eine transparente Verwaltung digitaler Zertifikate.

Unternehmen müssen nachweisen können, welche Zertifikate wo im Einsatz sind, wann sie ablaufen und wie mit Widerrufen oder Kompromittierungen umgegangen wird. Eine dezentrale oder manuelle Zertifikatsverwaltung reicht dafür nicht mehr aus.

Hybride IT-Landschaften erhöhen die Komplexität

Moderne IT-Infrastrukturen bestehen aus On-Premises-Systemen, Cloud-Umgebungen, Multi-Cloud-Architekturen und Edge-Komponenten. Zertifikate befinden sich nicht mehr nur auf einem einzelnen Webserver, sondern in Containern, Load Balancern, Kubernetes-Clustern oder IoT-Devices.

Diese Komplexität macht ein zentrales Zertifikatsmanagement unverzichtbar. Nur wer Transparenz über alle Zertifikate besitzt, kann Sicherheits- und Verfügbarkeitsrisiken wirksam minimieren.

Die Risiken manueller Zertifikatsverwaltung

Viele Unternehmen arbeiten noch immer mit Excel-Listen oder verteilten Einzelprozessen. Zuständigkeiten sind unklar, Laufzeiten werden manuell überwacht und Erinnerungen per Kalender organisiert.

Die Folgen sind absehbar: Zertifikate laufen unbemerkt ab und legen Websites oder interne Systeme lahm. Kompromittierte Zertifikate werden nicht rechtzeitig widerrufen. Bei Audits fehlen belastbare Dokumentationen. Der administrative Aufwand steigt kontinuierlich, während gleichzeitig die Fehleranfälligkeit zunimmt.

Ein einziges abgelaufenes SSL-Zertifikat kann den Zugriff auf eine geschäftskritische Plattform blockieren. Ein kompromittiertes Code-Signing-Zertifikat kann das Vertrauen in eine gesamte Softwarelösung erschüttern. Zertifikatsmanagement ist daher nicht nur eine organisatorische Aufgabe, sondern ein geschäftskritischer Sicherheitsfaktor.

Vorteile eines effektiven Zertifikatsmanagements

Ein strukturiertes Zertifikatsmanagement bringt messbare Vorteile:

Zeit- und Kostenersparnis

Automatisierte Prozesse reduzieren manuelle Eingriffe erheblich. IT-Teams werden entlastet und können sich strategischen Aufgaben widmen.

Nie wieder abgelaufene Zertifikate

Zentrale Überwachung mit Alerting sorgt für Transparenz. Automatisierte Verlängerungen verhindern Ausfälle.

Mehr Automatisierung

Integration via APIs, ACME-Protokoll oder DevOps-Anbindungen ermöglichen echtes automatisiertes Certificate Management.

Höhere Sicherheit

Kompromittierte Zertifikate können schneller identifiziert und widerrufen werden. Klare Policies erhöhen das Sicherheitsniveau.

Compliance- und Audit-Fähigkeit

Dokumentierte Lifecycle-Prozesse ermöglichen eine saubere Nachweisführung gegenüber Prüfern.

Bessere Skalierbarkeit

Tausende Zertifikate lassen sich zentral verwalten – unabhängig von Infrastruktur oder Standort.

Lösungen für modernes Zertifikatsmanagement

 

Certificate Lifecycle-Management

Um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen, setzen viele Unternehmen auf Certificate Lifecycle Management (CLM)-Plattformen. Diese ermöglichen eine zentrale Inventarisierung aller Zertifikate, überwachen Laufzeiten automatisiert und steuern Verlängerungsprozesse regelbasiert.

ACME

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die ACME-basierte Automatisierung, insbesondere im Bereich SSL/TLS. Über standardisierte Schnittstellen können Zertifikate automatisiert ausgestellt und erneuert werden – ideal für dynamische Cloud- und DevOps-Umgebungen.

Moderne Lösungen integrieren sowohl öffentliche Zertifizierungsstellen als auch interne PKI-Strukturen. Dadurch entsteht eine ganzheitliche Zertifikatsverwaltung, die sowohl externe Webzertifikate als auch interne Geräte- oder Benutzerzertifikate umfasst.

Zertifikatsmanagement ist ein strategischer Erfolgsfaktor h2

Zertifikatsmanagement ist 2026 kein optionales IT-Thema mehr, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor für Sicherheit, Verfügbarkeit und Compliance.

Kürzere Laufzeiten, steigende Zertifikatsmengen und zunehmende regulatorische Anforderungen machen eine professionelle und automatisierte Zertifikatsverwaltung unverzichtbar. Unternehmen, die jetzt in strukturiertes Certificate Management investieren, profitieren von höherer Sicherheit, geringeren Ausfallrisiken, besserer Skalierbarkeit und deutlich reduzierten administrativen Aufwänden.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Zertifikatsmanagement notwendig ist – sondern wie gut Ihre Organisation darauf vorbereitet ist.

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