IT-Security

Maschinenidentitäten: Warum sie zunehmen und wie Unternehmen sie schützen

15. Juli 2026 von Franz Adamus

Fingerabdruck aus grünen Leiterbahnen auf einer schwarzen Platine mit goldenen Kontaktpunkten
@galam – AdobeStock

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Server kommunizieren mit Cloud-Diensten, APIs tauschen automatisiert Daten aus, Container werden in kurzer Zeit erstellt und wieder entfernt und vernetzte Produktionsanlagen steuern eigenständig komplexe Abläufe. Damit diese Verbindungen sicher funktionieren, müssen sich auch technische Systeme eindeutig ausweisen können.

Genau dafür benötigen sie Maschinenidentitäten. Sie ermöglichen es Geräten, Anwendungen, Diensten und Workloads, sich gegenseitig zu authentifizieren, verschlüsselt zu kommunizieren und kontrolliert auf Ressourcen zuzugreifen.

Durch Cloud Computing, IoT, Automatisierung und moderne Softwarearchitekturen nimmt die Zahl dieser nicht-menschlichen Identitäten stark zu. In komplexen IT-Umgebungen kann sie die Zahl menschlicher Benutzeridentitäten deutlich übersteigen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Verwaltung und Sicherheit.

Der Beitrag erklärt, was Maschinenidentitäten sind, warum ihre Zahl wächst, welche Risiken unzureichend verwaltete Identitäten verursachen und wie Unternehmen sie mithilfe klarer Prozesse, einer Public Key Infrastructure und eines Certificate Lifecycle Managements schützen können.

Doch was zählt überhaupt als Maschinenidentität und wodurch weist sie sich technisch aus?

Was sind Maschinenidentitäten?

Maschinenidentitäten sind digitale Identitäten für technische Systeme, Anwendungen und automatisierte Prozesse. Sie ermöglichen es diesen Instanzen, sich gegenüber anderen Systemen eindeutig auszuweisen und geschützte Verbindungen aufzubauen.

Der Begriff „Maschine“ umfasst dabei weit mehr als physische Geräte. Zu Maschinenidentitäten zählen auch Identitäten von Anwendungen, Diensten, Schnittstellen und dynamischen Workloads. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht von Menschen, sondern von technischen Systemen verwendet werden.

Während sich Beschäftigte beispielsweise mit Benutzername, Passwort und einem zusätzlichen Faktor anmelden, weisen Maschinen ihre Identität meist mithilfe kryptografischer Verfahren nach.

Maschinenidentitäten erfüllen vor allem drei Sicherheitsfunktionen:

  • Authentifizierung: Ein System prüft, mit welchem Gerät, Dienst oder Workload es kommuniziert.
  • Verschlüsselung: Übertragene Informationen werden vor unbefugtem Zugriff geschützt.
  • Integrität: Veränderungen an Daten oder Softwareartefakten können erkannt werden.

Diese Funktionen werden in sehr unterschiedlichen technischen Umgebungen benötigt. Maschinenidentitäten begegnen Unternehmen deshalb nicht nur bei physischen Geräten, sondern in nahezu allen Bereichen moderner IT-Infrastrukturen.

Welche Systeme benötigen eine Maschinenidentität?

Maschinenidentitäten kommen überall dort zum Einsatz, wo technische Systeme sicher kommunizieren oder automatisiert auf geschützte Ressourcen zugreifen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Web-, Datenbank- und Applikationsserver,
  • Router, Firewalls und weitere Netzwerkkomponenten,
  • Produktionsmaschinen, Steuerungssysteme und industrielle Sensoren,
  • IoT-Geräte und vernetzte Fahrzeugkomponenten,
  • virtuelle Maschinen und Cloud-Dienste,
  • Container und Kubernetes-Workloads,
  • Microservices und Programmierschnittstellen,
  • Bots, Service Accounts und automatisierte Skripte,
  • Build-, Test- und Deployment-Systeme in CI/CD-Pipelines.

Die Lebenszyklen dieser Identitäten unterscheiden sich erheblich. Ein industrieller Sensor kann über viele Jahre genutzt werden, während ein Container möglicherweise nur wenige Minuten existiert. Beide benötigen jedoch eine Identität, die eindeutig zugeordnet, sicher bereitgestellt und nach dem Ende der Nutzung wieder entfernt werden kann.

Eine Maschinenidentität ist somit nicht mit einem einzelnen Zertifikat, Schlüssel oder Token gleichzusetzen. Sie bildet vielmehr das übergeordnete Identitätskonzept. Zertifikate und andere kryptografische Nachweise machen diese Identität für andere Systeme überprüfbar.

Zertifikate, Schlüssel, Tokens und Secrets: Was ist der Unterschied?

Maschinenidentitäten können mit unterschiedlichen technischen Mitteln umgesetzt werden. Zertifikate, Schlüssel, Tokens und Secrets erfüllen dabei jeweils eigene Aufgaben.

Digitale Zertifikate verbinden eine technische Identität mit einem öffentlichen kryptografischen Schlüssel. Sie werden von einer vertrauenswürdigen Zertifizierungsstelle ausgestellt und können von anderen Systemen geprüft werden.

Private Schlüssel ermöglichen den kryptografischen Nachweis, dass ein System tatsächlich zur Identität im zugehörigen Zertifikat gehört. Sie müssen besonders geschützt werden, da ein gestohlener Schlüssel den Missbrauch der Maschinenidentität ermöglichen kann.

Tokens sind häufig zeitlich begrenzte Identitäts- oder Zugriffsnachweise. Sie kommen beispielsweise bei APIs, Cloud-Diensten und automatisierten Anwendungszugriffen zum Einsatz.

Der Begriff Secrets bezeichnet vertrauliche Zugangsinformationen wie Passwörter, API-Schlüssel und Tokens. Werden sie fest im Quellcode hinterlegt oder unzureichend geschützt, entsteht ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Eine Public Key Infrastructure stellt die Vertrauensstruktur für zertifikatsbasierte Maschinenidentitäten bereit. Wie PKI und Certificate Lifecycle Management dabei zusammenspielen, erläutern wir im weiteren Verlauf. Einen übergreifenden Einstieg in Ausstellung, Bereitstellung, Überwachung, Erneuerung und Widerruf bietet unser Beitrag zu den Grundlagen des Zertifikatsmanagements.

Maschinenidentitäten sind damit kein neues Konzept. Neu ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der sie in vernetzten und dynamischen Infrastrukturen entstehen.

Warum die Zahl der Maschinenidentitäten stark wächst

Die Anzahl der Maschinenidentitäten nimmt in vielen IT-Umgebungen schneller zu als die Zahl menschlicher Benutzerkonten. Dafür sind nicht nur zusätzliche Geräte verantwortlich. Auch Cloud-Plattformen, moderne Softwarearchitekturen und automatisierte Entwicklungsprozesse erzeugen fortlaufend neue technische Identitäten.

Während ein menschlicher Benutzer meist über einen längeren Zeitraum dieselbe Identität verwendet, können Maschinenidentitäten sehr unterschiedliche Lebenszyklen besitzen. Manche Geräte bleiben über Jahre im Einsatz. Container, Microservices und Cloud-Workloads existieren dagegen mitunter nur für wenige Minuten oder Stunden.

IoT und Industrie 4.0 vernetzen immer mehr Geräte

Das Internet of Things und die Digitalisierung industrieller Prozesse gehören zu den wichtigsten Wachstumstreibern. Sensoren, Steuerungen, Maschinen und weitere vernetzte Komponenten tauschen eigenständig Daten aus und greifen auf zentrale Plattformen oder Cloud-Dienste zu.

In einer Smart Factory kommunizieren Produktionsanlagen beispielsweise mit Manufacturing-Execution-Systemen, Warenwirtschaft, Qualitätsmanagement und Wartungsplattformen. Damit Systeme den empfangenen Daten vertrauen können, müssen sie deren Herkunft eindeutig prüfen.

Eine individuelle Maschinenidentität hilft dabei, unbekannte oder nicht autorisierte Komponenten abzuweisen. In Verbindung mit kryptografischen Verfahren ermöglicht sie außerdem den Aufbau verschlüsselter Verbindungen für Produktionsdaten, Steuerbefehle und Statusinformationen.

Eine besondere Herausforderung ist die lange Nutzungsdauer vieler Industrie- und IoT-Geräte. Identitäten und kryptografische Verfahren müssen über Jahre hinweg verwaltet und bei Bedarf erneuert werden. Ausgemusterte oder kompromittierte Geräte dürfen anschließend nicht weiter als vertrauenswürdige Kommunikationspartner auftreten.

Welche Aufgaben individuelle Gerätezertifikate bei Authentifizierung, Verschlüsselung und Integrität übernehmen, erläutert unser Beitrag über IoT-Zertifikate für vernetzte Geräte.

Cloud, Container und Microservices erzeugen kurzlebige Identitäten

Cloud-native Anwendungen bestehen häufig aus zahlreichen eigenständigen Diensten. Statt einer zentralen Anwendung kommunizieren viele Microservices über interne Schnittstellen miteinander. Jeder dieser Dienste muss prüfen können, mit welchem Kommunikationspartner er Daten austauscht.

Containerplattformen wie Kubernetes erhöhen die Dynamik zusätzlich. Workloads werden automatisiert gestartet, skaliert und wieder entfernt. Ihre Identitäten müssen deshalb eng an ihren tatsächlichen Lebenszyklus gekoppelt sein.

Kurzlebige Identitätsnachweise können die Sicherheit verbessern, weil sie nur so lange gültig sind, wie sie benötigt werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Ausstellung, Erneuerung und Außerbetriebnahme. Manuelle Prozesse lassen sich in solchen Umgebungen kaum zuverlässig skalieren.

Warum Tabellen, Kalendererinnerungen und andere manuelle Abläufe in solchen Umgebungen an Grenzen stoßen, zeigt unser Vergleich von manuellem Zertifikatsmanagement und ACME.

APIs und automatisierte Systemkommunikation vervielfachen Vertrauensbeziehungen

Moderne Geschäftsprozesse sind zunehmend über Programmierschnittstellen miteinander verbunden. Anwendungen rufen automatisiert Daten ab, lösen Transaktionen aus oder stellen anderen Systemen Funktionen zur Verfügung, häufig ohne menschliche Beteiligung.

Eine API muss zunächst die Identität des anfragenden Systems prüfen und anschließend entscheiden, auf welche Daten oder Funktionen es zugreifen darf. Authentifizierung und Autorisierung greifen dabei unmittelbar ineinander.

Mit jeder zusätzlichen Schnittstelle entstehen neue Vertrauensbeziehungen zwischen Anwendungen, Partnerdiensten und internen Systemen. Ohne einheitliche Vorgaben können unterschiedliche Zertifikate, Tokens und Zugangsinformationen entstehen, die sich nur schwer zentral kontrollieren lassen.

DevOps und CI/CD erzeugen Identitäten für automatisierte Prozesse

Auch moderne Entwicklungs- und Bereitstellungsprozesse tragen zum Wachstum bei. In CI/CD-Pipelines übernehmen technische Systeme Aufgaben, die früher manuell ausgeführt wurden. Sie greifen auf Code-Repositories zu, erstellen Software, führen Tests durch und stellen Anwendungen in verschiedenen Umgebungen bereit.

Build-Systeme, Deployment-Werkzeuge und Testprozesse benötigen dafür jeweils eigene Berechtigungen und Identitätsnachweise. Auch Signaturschlüssel und automatisierte Signaturprozesse spielen in der Software-Lieferkette eine wichtige Rolle. Unsichere Lösungen wie gemeinsam genutzte Passwörter, langfristig gültige API-Schlüssel oder fest im Quellcode hinterlegte Secrets erhöhen dabei das Risiko.

Wie sich Signaturschlüssel schützen und Signaturprozesse kontrolliert in Entwicklungsumgebungen integrieren lassen, erläutert unser Beitrag zu Code Signing as a Service.

Sicherer sind eindeutig zuordenbare und möglichst kurzlebige Nachweise, deren Berechtigungen auf den jeweiligen Zweck begrenzt sind. Automatisierung erzeugt damit nicht nur zusätzliche Maschinenidentitäten, sondern schafft zugleich die Voraussetzung, sie kontrolliert zu verwalten.

Das starke Wachstum ist allein noch kein Sicherheitsproblem. Kritisch wird es, wenn Unternehmen den Überblick über Identitäten, Berechtigungen und Laufzeiten verlieren. Dann können Maschinenidentitäten sowohl zum Einfallstor für Angreifer als auch zur Ursache schwerwiegender Betriebsstörungen werden.

Warum unverwaltete Maschinenidentitäten zum Sicherheitsrisiko werden

Risiken entstehen vor allem dann, wenn Unternehmen nicht vollständig wissen, welche Maschinenidentitäten existieren, wofür sie eingesetzt werden und wer für sie verantwortlich ist.

Gerade in Cloud-, IoT- und DevOps-Umgebungen werden Zertifikate, Schlüssel, Tokens und Secrets von unterschiedlichen Teams und Werkzeugen erzeugt. Ohne zentrale Vorgaben und abgestimmte Prozesse entsteht schnell eine unübersichtliche Identitätslandschaft.

Fehlende Transparenz und unbekannte Identitäten

Viele Organisationen besitzen keinen vollständigen Überblick über ihre Maschinenidentitäten. Zertifikate werden direkt auf Servern eingerichtet, von Cloud-Diensten automatisch ausgestellt oder innerhalb einzelner Projekte beschafft, ohne zentral erfasst zu werden.

So entstehen unbekannte oder nicht verwaltete Identitäten. Dazu zählen beispielsweise Zertifikate, deren Einsatzort nicht dokumentiert ist, sowie sogenannte Schattenzertifikate, die außerhalb der vorgesehenen Prozesse ausgestellt oder eingesetzt werden.

Fehlt die Transparenz, lassen sich zentrale Fragen nicht zuverlässig beantworten:

  • Welche Maschinenidentitäten sind aktiv?
  • Wo werden sie eingesetzt?
  • Wann laufen Zertifikate oder Tokens ab?
  • Welche Berechtigungen sind mit ihnen verbunden?
  • Wer ist für ihre Verwaltung verantwortlich?

Unbekannte Identitäten können nicht angemessen überwacht, erneuert oder widerrufen werden. Eine vollständige Bestandsaufnahme ist deshalb die Grundlage für alle weiteren Schutzmaßnahmen.

Abgelaufene Zertifikate können Systeme und Prozesse unterbrechen

Digitale Zertifikate besitzen eine begrenzte Gültigkeitsdauer. Nach ihrem Ablauf werden sie von anderen Systemen in der Regel nicht mehr als vertrauenswürdig akzeptiert.

Die Auswirkungen reichen von nicht erreichbaren Webseiten bis zu unterbrochenen API-Verbindungen, ausgefallenen Cloud-Diensten oder gestörten Produktionssystemen. Besonders kritisch sind Zertifikate an zentralen Übergängen, da ihr Ablauf mehrere abhängige Prozesse gleichzeitig beeinträchtigen kann.

Um solche Ausfälle zu vermeiden, müssen Unternehmen Ablaufdaten zentral überwachen und die Erneuerung einschließlich Bereitstellung und Aktivierung zuverlässig steuern. Der Handlungsdruck steigt zusätzlich durch kürzere Laufzeiten öffentlich vertrauenswürdiger TLS/SSL-Zertifikate, da Zertifikate dadurch häufiger erneuert werden müssen.

Kompromittierte private Schlüssel ermöglichen Identitätsmissbrauch

Mit einem privaten Schlüssel weist ein System nach, dass es zur Identität im zugehörigen Zertifikat gehört. Gerät dieser Schlüssel in fremde Hände, kann ein Angreifer unter Umständen als vertrauenswürdiges Gerät, als Anwendung oder als Dienst auftreten.

Besonders riskant ist es, private Schlüssel und andere Secrets:

  • unverschlüsselt in Konfigurationsdateien zu speichern,
  • fest im Quellcode zu hinterlegen,
  • über unsichere Wege weiterzugeben,
  • zwischen mehreren Systemen gemeinsam zu verwenden,
  • über lange Zeit nicht auszutauschen.

Schlüssel sollten deshalb geschützt gespeichert, Zugriffe begrenzt und ihre Nutzung nachvollziehbar protokolliert werden. Bei Verdacht auf eine Kompromittierung muss die betroffene Identität schnell widerrufen und ersetzt werden.

Übermäßige Berechtigungen vergrößern mögliche Schäden

Eine erfolgreich authentifizierte Maschinenidentität darf nicht automatisch auf alle verfügbaren Systeme und Daten zugreifen. Neben der Identität muss deshalb geregelt werden, welche Aktionen sie ausführen darf.

Service Accounts, Anwendungen und automatisierte Prozesse besitzen in der Praxis jedoch häufig weiterreichende Berechtigungen als erforderlich. Wird eine solche Identität kompromittiert, können Angreifer zusätzliche Systeme erreichen und sich innerhalb der Infrastruktur weiterbewegen.

Unternehmen sollten deshalb das Prinzip der minimalen Berechtigungen anwenden. Jede Identität erhält nur die Rechte, die sie für ihren konkreten Zweck benötigt. Nicht mehr erforderliche Zugriffe müssen regelmäßig entfernt werden.

Verwaiste Identitäten bleiben ohne legitimen Zweck bestehen

Verwaiste Identitäten unterscheiden sich von unbekannten Identitäten dadurch, dass ihr ursprünglicher Zweck entfallen ist. Sie wurden beispielsweise für ein Projekt, eine Anwendung oder einen Workload eingerichtet, aber nach dessen Ende nicht deaktiviert.

Solche Identitäten können weiterhin gültige Zertifikate, Tokens oder Zugriffsrechte besitzen. Das ist besonders in dynamischen Cloud- und DevOps-Umgebungen problematisch, in denen Ressourcen schnell erstellt und wieder gelöscht werden.

Die Entfernung eines Systems muss deshalb immer auch die zugehörige Identität und ihre Berechtigungen umfassen.

Diese Risiken lassen sich nicht mit einer einzelnen Sicherheitsmaßnahme beherrschen. Unternehmen benötigen vielmehr geregelte Prozesse, die Maschinenidentitäten von ihrer Ausstellung bis zur Außerbetriebnahme begleiten.

Maschinenidentitäten über ihren Lebenszyklus verwalten

Maschinenidentitäten müssen von ihrer Erstellung bis zur Außerbetriebnahme kontrolliert werden. Dazu gehören die Erfassung, sichere Bereitstellung, Überwachung, Erneuerung und der Widerruf der verwendeten Identitätsnachweise.

Jede Identität sollte eindeutig einem Gerät, einer Anwendung oder einem Workload sowie einem Verwendungszweck und einer verantwortlichen Stelle zugeordnet sein. Nur so lässt sich nachvollziehen, wo Zertifikate, Schlüssel, Tokens oder Secrets eingesetzt werden und wann Handlungsbedarf besteht.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern dynamische Umgebungen. Während ein industrielles Gerät über viele Jahre betrieben werden kann, existieren Container oder Cloud-Workloads mitunter nur wenige Minuten. Prozesse für Maschinenidentitäten müssen deshalb sowohl langfristige als auch kurzlebige Identitäten abbilden können.

Bei zertifikatsbasierten Identitäten lassen sich viele Abläufe mithilfe einer PKI und eines CLM-Systems automatisieren. Andere Identitätsnachweise können zusätzliche Lösungen für Secrets, Berechtigungen oder Workload-Identitäten erfordern.

Wie PKI, CLM und IoT-PKI Maschinenidentitäten schützen

Für zertifikatsbasierte Maschinenidentitäten übernehmen Public Key Infrastructure und Certificate Lifecycle Management unterschiedliche, aber aufeinander abgestimmte Aufgaben.

Eine Public Key Infrastructure (PKI) bildet die technische Vertrauensbasis. Zertifizierungsstellen stellen digitale Zertifikate aus und bestätigen damit die Verbindung zwischen einer technischen Identität und einem öffentlichen Schlüssel. Kommunikationspartner können anschließend prüfen, ob ein Zertifikat von einer vertrauenswürdigen Stelle stammt, noch gültig ist und nicht widerrufen wurde.

Ein Certificate Lifecycle Management sorgt dagegen für Transparenz und kontrollierte Abläufe in der Zertifikatslandschaft. Ein CLM-System kann Zertifikate zentral erfassen, Laufzeiten und Richtlinien überwachen sowie Ausstellung, Bereitstellung und Erneuerung automatisieren.

Die PKI schafft damit Vertrauen, während das CLM den operativen Zertifikatslebenszyklus skalierbar macht. Praktische Hinweise zur Einführung und Optimierung finden Sie in unseren Certificate Lifecycle Management Best Practices.

Für große Geräteflotten und industrielle Umgebungen kommen häufig spezialisierte IoT-PKI-Strukturen zum Einsatz. Sie ermöglichen es, Geräte bereits bei der Herstellung oder Inbetriebnahme mit individuellen Zertifikaten auszustatten und diese während der gesamten Nutzungsdauer zu verwalten. Einen ausführlicheren Überblick bietet unser Beitrag PKI und IoT: Sicherheit in der vernetzten Welt.

PKI und CLM decken jedoch nicht alle Formen von Maschinenidentitäten ab. Tokens, API-Schlüssel, Service Accounts und andere Secrets können ergänzende Identity-, Secrets-Management- oder Monitoring-Lösungen erfordern. Entscheidend sind gemeinsame Richtlinien, eindeutige Zuständigkeiten und miteinander abgestimmte Prozesse.

Aus diesen technischen und organisatorischen Anforderungen ergibt sich ein klares Vorgehen. Die folgenden Maßnahmen helfen Unternehmen, zunächst die größten Risiken zu identifizieren und das Management von Maschinenidentitäten schrittweise zu verbessern.

Sieben Maßnahmen für den Schutz von Maschinenidentitäten

  1. Bestand vollständig erfassen: Unternehmen sollten alle Zertifikate, Schlüssel, Tokens, Service Accounts und Secrets erfassen und den zugehörigen Systemen, Einsatzzwecken und Verantwortlichen zuordnen. Bei Zertifikaten kann ein CLM die Erkennung und Inventarisierung automatisieren.
  2. Kritische Identitäten priorisieren: Nicht jede Maschinenidentität besitzt denselben Schutzbedarf. Zuerst sollten Identitäten betrachtet werden, deren Ausfall oder Missbrauch besonders große Folgen hätte. Dazu zählen beispielsweise zentrale APIs, öffentlich erreichbare Dienste, Cloud-Plattformen und produktionsnahe Systeme.
  3. Verbindliche Richtlinien und Zuständigkeiten schaffen: Unternehmen benötigen einheitliche Vorgaben für Ausstellung, Laufzeit, Speicherung, Erneuerung und Widerruf. Ebenso wichtig ist die eindeutige Zuordnung fachlicher und technischer Verantwortung.
  4. Schlüssel und Secrets wirksam schützen: Private Schlüssel und andere vertrauliche Zugangsinformationen sollten verschlüsselt gespeichert, Zugriffe begrenzt und ihre Verwendung protokolliert werden. Eine gemeinsame Nutzung durch mehrere Systeme sollte vermieden werden.
  5. Berechtigungen konsequent begrenzen: Jede Maschinenidentität sollte nur die Zugriffsrechte erhalten, die sie für ihren konkreten Zweck benötigt. Nicht mehr erforderliche Berechtigungen müssen regelmäßig entfernt werden.
  6. PKI- und CLM-Prozesse automatisieren: Ausstellung, Bereitstellung, Erneuerung und Rotation von Zertifikaten sollten möglichst automatisiert erfolgen. Das reduziert manuelle Fehler und ermöglicht kürzere, sicherere Laufzeiten. Ein wichtiges Verfahren dafür ist das ACME-Protokoll zur automatisierten Zertifikatsverwaltung.
  7. Widerruf und Notfallprozesse testen: Unternehmen sollten nicht erst im Sicherheitsvorfall klären, wie eine kompromittierte Identität ersetzt wird. Zuständigkeiten, Widerrufsprozesse und technische Abhängigkeiten sollten dokumentiert und regelmäßig überprüft werden.

Wer diese Maßnahmen schrittweise umsetzt, reduziert nicht nur Sicherheitsrisiken, sondern erhöht zugleich die Stabilität und Nachvollziehbarkeit zentraler IT- und Geschäftsprozesse.

Fazit: Maschinenidentitäten systematisch verwalten und schützen

Maschinenidentitäten sind eine grundlegende Voraussetzung für die sichere Kommunikation zwischen Geräten, Anwendungen, Diensten und automatisierten Workloads. Durch Cloud Computing, IoT und Automatisierung nimmt ihre Zahl stark zu und damit auch die Komplexität ihrer Verwaltung.

Zum Risiko werden Maschinenidentitäten vor allem dann, wenn Transparenz, klare Zuständigkeiten und verlässliche Prozesse fehlen. Unbekannte Zertifikate, kompromittierte Schlüssel, übermäßige Berechtigungen und verwaiste Identitäten können sowohl Sicherheitsvorfälle als auch Betriebsunterbrechungen verursachen.

Unternehmen sollten zunächst Transparenz über ihre Maschinenidentitäten schaffen und die besonders kritischen Identitäten priorisieren. Darauf aufbauend lassen sich Verantwortlichkeiten, Richtlinien und automatisierte Prozesse für Ausstellung, Überwachung, Erneuerung und Widerruf etablieren. Für zertifikatsbasierte Identitäten bilden PKI und Certificate Lifecycle Management dabei das zentrale Fundament.

Wir unterstützen Unternehmen dabei, bestehende Zertifikats- und Identitätsprozesse zu bewerten und geeignete Strukturen für PKI, IoT-PKI und Certificate Lifecycle Management zu entwickeln. So lassen sich Maschinenidentitäten nachvollziehbar, skalierbar und sicher verwalten.

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