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Yahoo Mail: Das bessere Gmail?

14. Oktober 2014
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Yahoo Mail, das kostenfreie, durch Werbung finanzierte E-Mail-Angebot des Internetriesen Yahoo, gehört zu den weltweit am häufigsten verwendeten Freemail-Angeboten. Eines unterscheidet sich bereits zu Beginn unseres Tests von unseren bisherigen Testkandidaten: Auf der Login-Seite von Yahoo Mail lesen wir kein Wort über die Sicherheit, sondern werden mit Entertainment geködert. „Aktuelle Nachrichten aus dem In- und Ausland, Finanzen, Sport, Musik, Kino und mehr. Damit haben Sie mehr von Internet und mehr vom Leben.“ Mit diesen Worten möchte Yahoo Sie für sein E-Mail-Angebot begeistern. Ob dies gelingt, erfahren wir im Test:

Yahoo: über das Unternehmen

Hinter dem E-Mail-Angebot Yahoo Mail steht der US-amerikanische Konzern Yahoo. Yahoo zählt weltweit mehr als 700 Millionen Nutzer, die von mehr als 11.000 Mitarbeitern betreut werden (Quelle: Wikipedia). In 70 Ländern vertreten, sind die Yahoo-Services in 46 Sprachen verfügbar. 1994 gründeten David Filo und Jerry Yang das Unternehmen. Ursprünglich wollten die beiden, die seinerzeit Doktoranden waren, lediglich einen Webkatalog hervorbringen. Eine kommentierte Bookmark-Sammlung war das Ergebnis und schon im Herbst desselben Jahres zählte die Website über eine Million Anfragen und 100.000 Nutzer. 1995 wurde Yahoo zu einer Aktiengesellschaft, Yahoo Deutschland wurde 1996 gegründet.

Datenschutz & AGB bei Yahoo Mail

Auf der Login-Page finden wir sowohl die AGB als auch die Datenschutzerklärung zügig. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen erfahren wir, dass mit Ihrer Nutzung der Yahoo-Services und -Dienste ein Nutzungsvertrag zwischen Ihnen und Yahoo zustandekommt, der die AGB mit einschließt. Sind Sie mit den AGB nicht einverstanden, dürfen Sie Yahoo nicht verwenden. Nutzen Sie einen Dienst, der eine Registrierung verlangt, wie etwa Yahoo Mail, sind Sie verpflichtet, wahrheitsgemäße und vollständige Angaben zu hinterlegen – Pseudonyme sind also auch hier wieder verboten. Wie schon bei allen anderen Testkandidaten sind Sie auch bei Yahoo dafür selbstverantwortlich, Ihr Passwort vor Dritten zu schützen. Über missbräuchliche Nutzung Ihrer Accountdaten haben Sie Yahoo schnellstmöglich zu informieren. Kinder unter dem 13. Lebensjahr dürfen die Yahoo-Services nur mit der Einwilligung des Erziehungsberechtigten nutzen. Yahoo weist weiter darauf hin, dass Inhalte, die Sie öffentlich bei Yahoo ins Internet stellen, für jeden sichtbar sind. Laut AGB haben Sie besonders darauf zu achten, in Vereinbarung mit geltendem Recht zu agieren, sich an den Nutzungsvertrag zu halten, gegen keine Rechte Dritter zu verstoßen und inhaltlich korrekte Angaben zu machen. Weiter dürfen Sie andere Nutzer weder behindern noch ausspähen oder die Dienste zweckentfremden. Inhalte dürfen, müssen aber nicht durch Yahoo überwacht werden, wenn dies gesetzlich zulässig ist und weder das Fernmeldegeheimnis noch Datenschutzgesetze gebrochen werden. Weiter darf Yahoo auf Ihre Inhalte zugreifen, diese an Dritte weitergeben oder löschen, um

  • gesetzliche Bestimmungen/ richterliche oder behördliche Anordnungen zu beachten,
  • das Einhalten des Nutzungsvertrags sicherzustellen,
  • auf das Geltend-machen einer Verletzung der Rechte Dritter zu reagieren,
  • die Rechte und die Sicherheit von Yahoo, seinen Services und Nutzern zu wahren sowie
  • um Ihnen bei etwaigen technischen Problemen zu helfen.

Komplett neu ist für uns eine solche Passage in den AGB: „Bitte beachten Sie, dass im Internet öffentlich zugänglich gemachte Inhalte, d. h. auch die Inhalte, die Sie im Rahmen der Dienste veröffentlichen oder verbreiten, ggf. weltweit abrufbar sind. Es liegt in Ihrem Verantwortungsbereich, dafür zu sorgen, dass von Ihnen zugänglich gemachte Inhalte nicht gegen möglicherweise anwendbares ausländisches Recht verstoßen.“ – Sie dürfen also öffentlich nur posten, was auch in anderen Ländern erlaubt ist. Nun ist eine solche Regelung nur schwer einzuhalten; Facebooks teils merkwürdige, intransparente Löschungen zeigen, dass es nur bedingt klappen kann, auf rechtliche Gepflogenheiten anderer Länder zu achten. Sie geben Yahoo, seinen verbundenen Unternehmen und seinen Vertragspartnern das Recht, Ihre in den öffentlich zugänglichen Bereichen eingegebenen Inhalte (beispielsweise Yahoo-Foren) weltweit komplett oder in Teilen zu verwenden. Stellen Sie Inhalte ein, deren Rechte ein Dritter besitzt, ist es an Ihnen, eine Einverständniserklärung zur Rechteübertragung zu erlangen. Yahoo erklärt weiter, dass sämtliche kostenlose und gebührenpflichtige Dienste ausschließlich zu privaten und niemals zu geschäftlichen Zwecken genutzt werden dürfen. Ändert Yahoo seine Dienste in einem Umfang, der „zumutbar“ ist, werden Sie nicht informiert. Geht der Umfang der Änderungen darüber hinaus oder werden Dienste gänzlich eingestellt, erfahren Sie dies „mindestens 30 Kalendertage vorher“, sodass Sie Ihre Inhalte sichern können. Ändern sich die AGB, gibt Ihnen der Konzern mindestens vier Wochen vor Inkrafttreten die entsprechende Ankündigung. Während dieser Zeit können Sie den Änderungen widersprechen. Möchten Sie einen Yahoo-Dienst nicht mehr nutzen, bedarf es keiner Kündigung, sondern Sie löschen einfach Ihren Account. Bei kostenpflichtigen Diensten gelten die Kündigungsregelungen in den Besonderen Geschäftsbedingungen, die im jeweiligen Dienst einzusehen sind. Haben Sie sich 12 Monate nicht mehr bei Yahoo eingeloggt, werden Ihr Account und Ihre Inhalte gelöscht.

Grundlage der Datenschutzerklärung von Yahoo sind die Irish Data Protection Acts 1988 – 2003. Informationen und Daten werden erhoben, wenn Sie einen Account einrichten, bestimmte Services besuchen und/ oder nutzen, wenn Sie Promotion-Aktionen sowie Gewinnspiele mitmachen oder wenn Sie „Yahoo Seiten oder Seiten von bestimmten Yahoo Partnern außerhalb des Yahoo Netzwerks besuchen“. Anonyme sowie personenbezogene Daten, die der Konzern über Sie speichert, dürfen mit Daten, die Yahoo von seinen Geschäftskunden oder weiteren Firmen erhalten hat, verbunden werden. Nutzen Sie Yahoo-Dienste ohne Login, „erhebt und speichert Yahoo automatisch technische Informationen in sogenannten Server Log-Dateien. Diese Informationen werden uns von Ihrem Browser übermittelt. Dabei handelt es sich insbesondere um die IP-Adresse Ihres Computers, Daten, die Yahoo auf sogenannten Cookies ablegt, technische Informationen über Ihre Soft- und Hardware (z. B. das verwendete Betriebssystem) sowie die von Ihnen aufgerufenen Seiten.“ Sind Sie eingeloggt, sind all diese anonymisierten Daten nicht mehr anonym für Yahoo, sondern können Ihrem Account zugeordnet werden. Anonyme und pseudonyme Informationen, aber auch personenbezogene Daten verwendet Yahoo für folgende Zwecke:

  • um Inhalte und Werbeanzeigen an Ihre Interessen anzupassen,
  • um Antworten auf Anfragen zu geben,
  • um seine Dienste zu verbessern,
  • um Sie zu kontaktieren, wenn dies für das Nutzungsverhältnis notwendig ist,
  • zu Marktforschungszwecken,
  • um anonyme (Nutzungs-)Berichte an Yahoos Geschäftskunden zu senden.

An dieser Stelle werden wir in der Datenschutzerklärung auf das Kapitel Datentransfer verwiesen: „Yahoo kann personenbezogene Daten einschließlich Informationen zur Identifizierung von Personen speichern, verarbeiten und in Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, insbesondere an Server in den USA, übertragen.“ Sie ahnen es sicher schon: Yahoo ist Safe Harbor-zertifiziert und damit datenschutzrechtlich kritisch zu betrachten. Zur Datenübermittlung an Dritte schreibt Yahoo, dass der Konzern keinen Datenhandel betreibt, es aber sein kann, dass Ihre Daten an Dritte beziehungsweise verbundene Unternehmen gesendet werden. Konkret kann dies in folgenden Fällen passieren:

  • Ihre personenbezogenen Daten werden an Erfüllungsgehilfen gesendet, um Dienste abzuwickeln. Solche Partner nutzen Ihre Daten, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen (z. B. Newsletterversand), außerhalb dessen dürfen diese Partner Ihre Daten nicht verwenden.
  • Staatliche Stellen fragen nach Ihren personenbezogenen Daten an. Hier kann sich Yahoo nicht wehren; personenbezogene Daten dürfen zum Erfüllen gesetzlicher Aufgaben wie einer Strafverfolgung herausgegeben werden.
  • Wird Yahoo komplett oder teilweise veräußert, erhält das Drittunternehmen nach Ihrem Einverständnis Ihre personenbezogenen Daten. Yahoo informiert Sie vorher.

Interessenbasierte und zielgerichtete Werbung schaltet Yahoo auf Basis pseudonymer Nutzungsdaten und anonymer Informationen, aber auch auf Grundlage personenbezogener Daten. Letztere werden dabei nicht an Werbekunden übermittelt, wohl aber anonymisierte Zusammenfassungen wie „z. B. Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren aus einer bestimmten Region.“ Yahoo verwendet Cookies und gestattet „ausgewählten Drittunternehmen, die Werbung auf unseren Diensten anzeigen, ebenfalls Cookies auf unseren Seiten zu verwenden.“ Sie haben die Option, Ihre hinterlegten Accountinformationen jederzeit einzusehen und Ihre Marketingeinstellungen zu ändern. So vermeiden Sie Newsletter und weitere Marketingbotschaften. Benachrichtigungen über Yahoo-Dienste oder zu Ihrem Account können Sie nicht abbestellen. Löschen Sie Ihren Account, sperrt Yahoo Ihre Daten zunächst und entfernt sie binnen 90 Tagen aus der Nutzerdatenbank. Diesen Zeitraum empfindet Yahoo als notwendig, „um Benutzer davon abzuhalten, betrügerischen Aktivitäten nachzugehen“. Liegen Yahoo Kopien Ihrer Informationen vor, bleiben diese „aus technischen und rechtlichen Gründen auf unseren Datensicherungssystemen“ – für eine gewisse Zeit, sagt der Konzern, definiert diese Angabe allerdings nicht näher.

Sicherheit möchte Yahoo dadurch gewährleisten, dass nur jene Mitarbeiter auf Ihre Daten zugreifen können, die sie zum Ausführen eines Zwecks unbedingt benötigen. Weiter verfügt der Konzern „über physische, elektronische und verfahrensbezogene Sicherheitsmaßnahmen, die unseren rechtlichen Verpflichtungen zum Schutz Ihrer Daten entsprechen.“ Seiner Sicherheit hat Yahoo eine eigene Seite gewidmet, auf der wir die verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens kennenlernen:

  • Zur „Übertragung bestimmter Informationsarten“ nutzt Yahoo SSL-Verschlüsselung; etwa dann, wenn Sie Ihre Kreditkartendaten eingeben.
  • Mit dem Yahoo-Sicherheitsschlüssel schützen Sie Ihren persönlichen Bereich ähnlich wie mit einer PIN.
  • Unter Einhaltung von physikalischen, elektronischen sowie verfahrenstechnischen Sicherheitsvorkehrungen, die leider nicht näher definiert werden, speichert Yahoo Ihre Informationen.
  • Zahlreiche Anbieter und Partner sollen Datenschutz und Sicherheit der Nutzerdaten gewährleisten – eine unglückliche Formulierung, wie wir finden, denn „zahlreich“ wirkt eher, als gingen Ihre Daten durch „zahlreiche“ Hände …
  • Ein „unternehmensweites Ausbildungs- und Schulungsprogramm“ soll Mitarbeiter für Sicherheit sensibilisieren.

Yahoo weist auch in der Datenschutzerklärung auf die öffentlich erreichbaren Bereiche hin: Sie sind dazu angehalten, darauf zu achten, welche persönlichen Daten Sie in solchen Bereichen, konkret beispielsweise Foren, Groups oder Yahoo Clever, angeben. Diese Bereiche sind über Suchmaschinen auffindbar und Yahoo rät zur Vorsicht. Yahoo untermauert dies mit dieser Formulierung: „Sie tragen die alleinige Verantwortung für jegliche Informationen, die Sie in öffentlich zugänglichen Bereichen offenlegen.“ „Von Zeit zu Zeit“ erlaubt sich Yahoo, die Datenschutzerklärung anzupassen. Sie sind dazu angehalten, die Erklärung gelegentlich auf Änderungen zu prüfen; wesentliche Neuerungen werden Ihnen per E-Mail mitgeteilt. Möchten Sie das Datenschutzbüro von Yahoo kontaktieren, nutzen Sie das Hilfeformular von Yahoo, mit dem Sie auch generelle Unterstützung erhalten.

Neben den AGB und der Datenschutzerklärung gelten auch die Besonderen Geschäftsbedingungen für Yahoo Mail und Yahoo Messenger (BesGB). Auf diese Bedingungen werden Sie erst am Ende der Registrierung aufmerksam gemacht. Die BesGB können von Yahoo jederzeit ohne Mitteilung an Sie geändert werden. Wir erfahren, dass Ihr Yahoo-Account mit dem des Yahoo Messengers verknüpft wird. Weiter erfahren wir, dass Yahoo sämtliche ein- und ausgehenden Inhalte durch automatische Systeme scannt und analysiert – inklusive jener Inhalte, die Sie in Ihrem Account gespeichert haben. Dies soll dazu dienen, „Ihnen für Sie relevante Produktfunktionen und Inhalte zur Verfügung zu stellen, an Ihre Interessen angepasste Werbung anzubieten und abzugleichen und einen besseren Schutz vor Spam, schädlichen Computerprogrammen (Malware) und Missbrauch Ihres Accounts bereitstellen zu können.“ Dem Erheben und Speichern Ihrer Daten können Sie nicht widersprechen; darüber hinaus sind Sie in der Pflicht, Personen über eben dieses Gebaren aufzuklären, die mit Ihnen kommunizieren, aber selbst keinen Yahoo-Account besitzen, da dies deren Kommunikation selbstredend auch trifft.

Der Registrierungsprozess bei Yahoo

Damit Sie das Freemailing-Angebot von Yahoo verwenden können, müssen Sie im Rahmen der Registrierung folgende Daten angeben:

  • Vor- und Nachname
  • Geburtstag
  • Geschlecht
  • Mobilnummer
  • optionale Alternativnummer
  • optional Beziehung

Wie immer machen wir einen Passwort-Check: Ihr Passwort muss 8 bis 23 Zeichen enthalten, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Ziffern inkludieren. Damit fallen „12345678“ und „Passwort“ sofort durch – sehr gut! Sehr ärgerlich hingegen, dass Yahoo auf die sonst übliche Sicherheitsampel gänzlich verzichtet und „Passwort123“ damit schon sämtliche Sicherheitsanforderungen erfüllt. Das hat ein ähnlich schlechtes Niveau wie bei GMX und WEB.DE; T-Online kann den Passwort-Check – gefolgt von Gmail – für sich gewinnen. Yahoo verzichtet darauf, Sie am Ende der Registrierung eine Checkbox anklicken zu lassen, sondern erwähnt lediglich, dass Sie AGB, BesGB und die Datenschutzerklärung mit Ihrer Registrierung annehmen, außerdem, dass Ihre Inhalte, wie in den BesGB erwähnt, gescannt und analysiert werden. Eine Checkbox bevorzugen wir deshalb, weil wir es für wichtig halten, dass Kunden bewusst wahrnehmen, was sie bestätigen. Nachdem unser erster Registrierungsversuch nicht klappen wollte – wir wurden unverrichteter Dinge zurück zur Startseite geleitet – können wir uns im zweiten Anlauf registrieren. Nach der Meldung „Ihr Account wurde erstellt!“ begegnet uns eine Checkbox mit gesetztem Häkchen: Die Yahoo Info-Mail mit „nützlichen Informationen und Tipps über unsere Produkte und Dienste“ soll uns schmackhaft gemacht werden. Wir entfernen das Häkchen und gehen auf „Loslegen“.

Yahoo Mail: Produktdetails

Dass Yahoo eine enorm breite Funktionsvielfalt bietet, zeigen Ihnen die folgenden Daten:

  • Speicherplatz: 1 TB
  • max. Anhanggröße: 25 MB
  • Speicherdauer für E-Mails: unbegrenzt
  • IMAP-/POP3-Abruf: ja
  • Ordner: unbegrenzt
  • zusätzliche E-Mail-Adressen: zwei
  • Sammeldienst für weitere E-Mail-Accounts: ja, unbegrenzt
  • Versenden mit alternativer E-Mail-Adresse möglich: ja
  • Spamschutz: ja, für ein- und ausgehende E-Mails
  • Adressbuch & Kalender: ja
  • E-Mail-Apps: ja
  • weitere Features: Wegwerf-Adressen, Interaktion mit sozialen Netzwerken, Chat-Client, Personalisierung durch verschiedene Designs, Message-Toolbar, Multitasking-Funktion (mehrere Tabs mit E-Mails & sonstigen Inhalten öffnen), Filter & Suche, Dropbox-/ Flickr-Integration zum schnelleren Anhängen von Dateien, Abwesenheitsbenachrichtigung

Usability bei Yahoo: So sollte mailen funktionieren

Um es vorweg zu nehmen: Die Usability ist bei Yahoo unschlagbar! Ein aufgeräumtes Interface, intuitive Bedienung, etliche, aber nicht überfordernde Möglichkeiten, die individuellen Einstellungen anzupassen, optionaler Werbeversand und die im vorigen Absatz genannten Eigenschaften des Freemail-Angebots von Yahoo sorgen für dieses Urteil. Sind Sie eingeloggt, finden Sie in der linken Spalte Ihre vorgefertigten sowie selbst erstellten Ordner. Darunter wurde dezent Werbung platziert, ebenso, allerdings weniger dezent auf der rechten Spalte. Über Ihrem angezeigten Ordner können Sie E-Mails schnell bearbeiten (löschen, verschieben, als Spam markieren und mehr); über Ihren E-Mails befindet sich erneut Werbung. Kleiner Kritikpunkt: Diese Werbung fügt sich in Ihrer Ordneransicht genau wie eine E-Mail ein. Dass diese dann recht schnell versehentlich mal geklickt wird, ist ein unschöner Nebeneffekt. Öffnen Sie Ihre E-Mails, ist die Werbung wieder verschwunden – achten Sie also in jedem Ordner darauf, nicht versehentlich etwas anzuklicken, was Sie eigentlich nicht möchten.

Wenn Sie möchten, können Sie Ihr Yahoo-Profil aktivieren. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich an Groups und Foren aktiv zu beteiligen, allerdings werden damit auch Profilinformationen öffentlich einsehbar. Vergewissern Sie sich, nichts mitzuteilen, was Sie lieber für sich behalten möchten. Neben Ihrem Profilnamen in der E-Mail-Ansicht finden Sie die Einstellungen; symbolisch mit dem üblichen Zahnrädchen dargestellt. Hier können Sie sich für ein Design entscheiden, Hilfe in Anspruch nehmen, Tastenkürzel kennenlernen, auf die Datenschutzerklärung und AGB zugreifen, sich Account-Infos geben lassen und Ihre Einstellungen regeln. Diese sind, wie schon bei Gmail, sehr vielseitig, jedoch weniger unübersichtlich. In folgenden Punkten können Sie Einstellungen vornehmen:

  • E-Mails anzeigen
  • E-Mails verfassen
  • Accounts
  • Abwesenheitsnachricht
  • Filter
  • Sicherheit
  • Blockierte Adressen
  • Messenger

Unter Ihren Accountinformationen bearbeiten Sie zudem persönliche Details wie Ihre persönlichen Daten, Daten zur Anmeldung und Sicherheit (inklusive OpenID-Verwaltung, App- und Website-Verbindungen oder zweite Anmeldeüberprüfung), Ihre Account-Einstellungen sowie Benachrichtigungen und Abonnements. Möchten Sie den Yahoo-Newsletter nicht empfangen, können Sie dies hier einstellen.

Yahoo Mail: Wie verschlüsselt der Freemail-Anbieter?

Unsere bisherigen Erfahrungen zeigten, dass einige Anbieter bereits beim Login verpassen, ordentlich zu verschlüsseln – Gmail hat an dieser Stelle ordentlich gepunktet, da Sie sich bei diesem Anbieter nur verschlüsselt einloggen können. Yahoo macht es ähnlich: Gehen Sie für Ihren Login einfach auf yahoo.de, dort werden Sie auf die HTTPS-Seite weitergeleitet. Eine hochgradige Verschlüsselung (TLS_ECDHE_RSA_WITH_AES_128_GCM_SHA256, 128-bit-Schlüssel, PFS-fähig) sorgt dafür, dass übertragene Informationen nicht von Dritten eingesehen oder manipuliert werden können. Dasselbe gilt auch für die direkte Login-Seite, auf der Ihnen großflächig Werbung angezeigt wird. Diese hochgradige und vor allem komplette Seitenverschlüsselung (am kompletten Verschlüsseln mangelte es bei GMX und WEB.DE) finden wir auch im Backend bei Yahoo Mail wieder.

Auch in diesem Test haben wir eine Test-E-Mail versendet, um die Verschlüsselung zu prüfen: TLS in der Version 1.0, ein 256 bit-Schlüssel und DHE sorgen für Sicherheit. Das ist mehr als Gmail bietet (128 bit-Schlüssel mit RC4), allerdings sind auch bei Yahoo die E-Mails ausschließlich transportverschlüsselt. Das Safe Harbor-Abkommen sorgt dafür, dass Ihre Informationen weltweit auf Servern gelagert und in die USA transferiert werden dürfen. Leider gilt hier dasselbe wie bei Gmail: Zwar zeigt sich die Transportverschlüsselung und die der Yahoo-Seiten hochgradig, sicher können Sie sich aufgrund des Safe Harbor-Abkommens dennoch nicht fühlen.

Yahoo: Fazit & Zusammenfassung

Ginge es nur nach der Usability, hätten wir mit Yahoo unseren Testsieger gefunden: Einfach und intuitiv navigieren Sie sich durch das ansprechend gestaltete und individualisierbare Design, bis Sie 1 TB Speicherkapazität aufgebraucht haben, dürfte viel Zeit ins Land gehen, zudem ist die Auffindbarkeit aller vertraglich-rechtlichen Vereinbarungen lobenswert. Dass Ihre E-Mails und die Seiten von Yahoo hochgradig transportverschlüsselt werden, ist einerseits erfreulich. Andererseits nützt es kaum etwas, denn Yahoo scannt und analysiert Ihre E-Mail-Inhalte (Google macht dies ebenfalls), außerdem sorgt das Safe Harbor-Abkommen dafür, dass Ihre Informationen sehr freigiebig transferiert werden dürfen.

Anzuprangern ist auch das automatische Verknüpfen Ihres E-Mail-Accounts mit dem Yahoo Messenger – es gibt genügend User, die lediglich mailen, nicht aber chatten möchten (oder andersherum). Auch dass Yahoo es in Ihre Verantwortung legt, Kunden anderer Freemail-Anbieter darauf hinzuweisen, dass Yahoo E-Mail-Inhalte speichern, verarbeiten und transferieren darf, wirkt sehr befremdlich. Viel zu schwammig sind uns auch die Formulierungen, die der Konzern zur Speicherung Ihrer Daten verwendet: „Möglicherweise“ werden Kopien Ihrer Inhalte längerfristig aufbewahrt – das kann alles und gar nichts bedeuten. Schade, dass die ausgezeichnete Usability von Yahoo durch die rechtlichen Rahmenbedingungen derartig zunichte gemacht wird.

  • Sitz des Unternehmens: Dublin, Irland
  • AGB & Datenschutz: beides gut auffindbar, stellenweise schwammig und ungenau formuliert, Datenschutzerklärung stellenweise kritikwürdig (Safe Harbor-Abkommen, Datenverwendung)
  • Werbeversand: optional
  • Registrierung: einfach
  • Registrierungsdaten: Vor- und Nachname, Geburtstag, Geschlecht, Mobilnummer, optionale Alternativnummer, optional Beziehung
  • Passwortsicherheitskontrollen: kritikwürdig
  • E-Mail-Speicher: 1 TB
  • max. Größe für Dateianhänge: 25 MB
  • sonstige Features: Wegwerf-Adressen, Interaktion mit sozialen Netzwerken, Chat-Client, Personalisierung durch verschiedene Designs, Message-Toolbar, Multitasking-Funktion (mehrere Tabs mit E-Mails & sonstigen Inhalten öffnen), Filter & Suche, Dropbox-/ Flickr-Integration zum schnelleren Anhängen von Dateien, Abwesenheitsbenachrichtigung, Sammeldienst, IMAP-/ POP3-Abruf, unbegrenzte Ordner, zusätzliche E-Mail-Adressen, Spamschutz, Adressbuch, Kalender, E-Mail-Apps
  • Support/ Hilfe: kostenfreie Hilfeseiten
  • Abofallen bekannt: nein
  • Handling/ Usability: intuitiv, relativ sparsam mit Werbung, vielfältige Einstellungsmöglichkeiten
  • Webseitenverschlüsselung: stark
  • Backend-Verschlüsselung: stark
  • E-Mail-Verschlüsselung: okay
  • PFS: ja
  • Serverstandort: Europa, USA



2 Kommentar(e)

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Auf dieses Thema gibt es 2 Reaktionen

  1. Dropse | 17. Juni 2015

    Werden Sie für diesen Artikel von Yahoo bezahlt????
    Yahoo-Mail ist der allerletzte Schrott.
    Entweder kommt eine Fehlermeldung beim abrufen des Posteingangs, oder Mails kommen gar nicht erst an. Und das soll besser sein als gmail? lol…….

    17. Juni 2015 @ 01:48 Antworten
    • Bianca Wellbrock | 18. Juni 2015

      Hallo Dropse, nein, wir werden nicht bezahlt – und Yahoo würde bei aller Kritik, die wir geübt haben, wohl auch kaum etwas zahlen wollen. Lediglich in der Headline haben wir gefragt, ob Yahoo besser abschneiden könnte als Google – wenn Sie weiterlesen, werden Sie sehen, das dem nicht so ist. Gerade die Usability allerdings gefiel uns recht gut (Sicherheit & Datenschutz sorgten hingegen für besagte Kritiken), in unseren Tests funktionierte alles reibungslos. Wenn Sie so unzufrieden sind mit Yahoo, werfen Sie gerne einen Blick in unsere Testsieger-Liste: weder GMX und WEB.DE noch T-Online, Gmail und Yahoo konnten uns überzeugen, mailbox.org, Posteo und weitere (s. Infografik am Ende dieses Beitrags: https://www.psw-group.de/blog/zweite-freemail-anbieter-testrunde-wir-haben-fast-gefunden-was-wir-suchten/1751) kamen unseren Vorstellungen vom perfekten E-Mail-Anbieter am nächsten.

      18. Juni 2015 @ 13:35 Antworten