Shopsysteme-Test

xt:Commerce im Test: für wen eignet sich das einstige Open Source-Shopsystem?

4. August 2015
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© Igor Mojzes - Fotolia.com

Unser dritter Testkandidat ist xt:Commerce. Dieses Shopsystem gehört zu den Top-5 der verwendeten eCommerce-Systeme unter den 1.000 größten Online-Shops und liegt mit seinem fünften Platz hinter Magento, unserem ersten Testkandidaten. Wir sind gespannt, ob unser Test zeigt, warum Magento so viel weiter vorn liegt:

xt:Commerce: wie ist die Architektur des Systems aufgebaut?

Die einstige Open Source-Lösung xt:Commerce wurde in xt:Commerce Veyton gewandelt. Die Open Source-Systeme bis Version 3 basierten auf osCommerce und wurden in PHP geschrieben. Die österreichische xt:Commerce GmbH hat sich durch eine Eigenentwicklung von diesen einstigen Wurzeln getrennt. Veyton unterstützt ein modulares Plugin-Konzept (der Kern wird nicht angerührt, während Plugins für Erweiterungsmöglichkeiten sorgen) und auch Multishop-Unterstützung ist gegeben. Das Layout des Shops wird durch ein Templatesystem bestimmt und der Produktimport sowie -export soll via CVS einfach gehalten sein.

Schnittstellen: wie fällt das Integrationsniveau von xt:Commerce aus?

Es bestehen zahlreiche Schnittstellen, mit denen Sie xt:Commerce für Ihren Workflow individualisieren können: Eine Liste integrationsfähiger WaWi finden Sie im xt-Commerce-Wiki. In der linken Navigationsleiste dieses Wikis finden Sie auch weitere Möglichkeiten, CRM, ERP und Co. einzubinden. Das Integrationsniveau von xt: Commerce sollte keine Wünsche offen lassen.

Performance bei xt:Commerce

Es gibt sehr viele verschiedene Parameter, welche die Performance Ihres Online-Shops beeinflussen können; einige davon nannten wir bereits im Magento-Testbericht. Ebenfalls sollten Sie darauf achten, stets aktuelle Versionen (Datenbank, Plugins usw.) zu verwenden, denn oftmals basieren Performance-Probleme auf veraltete Programmversionen. Ein so ausgefeiltes Caching-System wie bei Magento und Shopware vermissen wir bei xt:Commerce, jedoch gibt das Wiki verschiedene Vorschläge, welche Schrauben Sie bei Performance-Problemen in Ihrem Shop drehen können.

In einigen Foren sind auch Stimmen zu vernehmen, die berichten, seit dem letzten xt:Commerce-Update mit Performance-Problemen zu kämpfen. Ein Nutzer gibt den Hinweis, vom Shared Server auf Managed Server umzusteigen. Um doch sinnvoll mit dem Caching zu arbeiten, werden im commerce:seo-Forum Tipps gegeben. Entscheiden Sie sich für xt:Commerce und einen Support-Vertrag, werden Sie vom Support sowie von der Community im Forum beraten, wenngleich das Forum verhältnismäßig still ist und viele Anwender Antworten vermissen.

Zukunftsfähigkeit: wie skalierbar ist xt:Commerce?

Verschiedene Lösungen für den Einstieg im Zusammenspiel mit zahlreichen Erweiterungen: auch xt:Commerce zeigt sich als flexible und zukunftsfähige e-Commerce-Lösung. Sie haben die Möglichkeit, mit der kostenfreien Start!-Edition zu beginnen und sich via Addons oder Editions-Upgrade zu steigern. Weiter haben Sie die Option, verschiedene Kundengruppen mit unterschiedlichen Preisen, Produkten, etc. Anzulegen. Sie können je nach Kundengruppe Mindestbestellwerte oder Produktgruppen anlegen, etwa wenn Sie ausschließlich für bestimmte Länder anbieten möchten oder Ihren Shop für B2B-Kunden von dem für B2C-Kunden unterscheiden wollen. xt:Commerce schafft seit Version 4.2 auch die technischen Voraussetzungen dafür, das seit Januar 2015 geltende geänderte Umsatzsteuerrecht zu berücksichtigen. Dies besagt, dass beim Verkaufen digitaler Produkte innerhalb der EU jeweils die Umsatzsteuer fällig wird, die dem Wohnsitz des Endverbrauchers entspricht. Diese länderspezifische Besteuerung für Digitalprodukte setzt xt:Commerce um. Mobile Templates werdena uf Basis von jQuery umgesetzt, sodass Ihr Shop auch über mobile Endgeräte aufrufbar ist.

Modularität von xt:Commerce

Schon in der Basisversion von xt:Commerce sind sämtliche wichtigen Plugins vorinstalliert und -konfiguriert. Sie können über zahlreiche Plugins Ihren Shop an Ihre Bedürfnisse anpassen, wobei die Installationen einfach gehalten sind und keine Änderungen im Quellcode voraussetzen. Ohne Programmierkenntnisse können Sie Ihren Shop also anpassen. Die Entwickler des Shopsystems haben auf einfache Anwendung geachtet: Sie können Plugins mit einem Knopfdruck rückstandsfrei deinstallieren, außerdem gezielt für Ihre Subshops aktivieren. Unterscheiden Sie in Ihrem Shop also beispielsweise B2B von B2C, können Sie ein Plugin auch nur für einen der beiden Bereiche aktivieren. Weiter können Plugins für jeden einzelnen Mandanten verschiedene Einstellungen aufweisen. Auch das eCommerce-System xt:Commerce setzt auf unterschiedliche Editionen. Wie sie sich im Details unterscheiden, können Sie auf der xt:Commerce-Website einsehen, im Folgenden fassen wir lediglich wesentliche Informationen zusammen:

  • Start!: Die kostenfreie Start!-Edition unterstützt einen Shop. Für den optionalen Support-Vertrag werden monatlich 39 Euro fällig. Möchten Sie darauf verzichten, bleibt Ihnen noch immer das Community-Forum. Detailinformationen zur Start!-Edition sehen Sie auf der xt:Commerce-Website.
  • Professional+: Auch mit der Professional+-Edition betreuen Sie maximal einen Webshop. Die eCommerce-Lösung bringt deutlich mehr Features mit als die Start!-Edition, kostet jedoch auch 399 Euro. Für den optionalen Support-Vertrag zahlen Sie monatlich 19 Euro. Alle Informationen zu dieser Edition können Sie an dieser Stelle einsehen.
  • Multishop: Möchten Sie mindestens zwei Shops mit xt:Commerce starten, eignet sich die Multishop-Edition, die unbegrenzt viele Shops ermöglicht. Diese Edition beginnt bei Preisen in Höhe von 599 Euro und bringt zahlreiche Features mit, die Sie sich auf der Website detailliert ansehen können. Auch hier schlägt der optionale Support-Vertrag mit 19 Euro pro Monat zu Buche.

Die Plugins, die Sie unter addons.xt-commerce.com aufrufen können, werden in den Kategorien Shopsoftware, Warenwirtschaft, Plugins und Templates verwaltet. Preislich ist alles dabei: von der kostenfreien xt:MultiConnect-App, die eBay, Amazon und weitere Stores anbindet, bis zum WaWi-Plugin für knappe 1.000 Euro können Sie alles mögliche und unmögliche ergänzen.

Usability bei xt:Commerce

Sie administrieren Ihren Shop browserbasiert, wie auch schon bei Magento und Shopware. Der Admin-Bereich ist seit Version 4.x anwenderfreundlicher geworden. Die Usability war vorher oft Anlass für Diskussionen und Kritiken in einschlägigen eCommerce-Foren. Mittlerweile ist man voll des Lobes, da der Admin-Bereich einer Desktop-Applikation ähnelt und deutlich einfacher in der Bedienung geworden ist. Funktionen wie etwa das Sortieren von Tabellen, CVR-Export/-Import sowie Drag&Drop unterstützen schnelles sowie intuitives Arbeiten.

Sehr gelungen ist auch die Tatsache, dass Sie das Shopsystem auch dann, wenn Sie eigene Plugins installiert haben, jederzeit updaten können, ohne Anpassungen erneut durchführen zu müssen, was in Version 3.04 beispielsweise noch der Fall war. Auch ist die Verwaltung digitaler Güter wesentlich vereinfacht worden. Möchten Sie Software, Musik oder eBooks zum Verkauf und Download anbieten, kann dies komplett automatisiert geschehen, sodass der jeweilige Download automatisch startet, sobald der Zahlungseingang erfolgt ist.

Werfen Sie einen Blick auf die Feature-Liste von xt:Commerce, und dort einen besonderen Blick auf die Shop-Verwaltung, erhalten Sie anhand der Screenshots schon erste Eindrücke. Unser Test-Fazit: Shopware zeigt sich benutzerfreundlicher, jedoch ist xt:Commerce insgesamt recht gut zu handhaben, Sie benötigen nur etwas Zeit für die Einarbeitung. Bei Magento kann es aufgrund der Fülle an Möglichkeiten noch länger dauern, bis Sie sich fit fühlen. Die Usability für Ihre Kunden hängt – wie üblich – von Ihren Einstellungen und verwendeten Templates ab, insgesamt fühlen sich Kunden in xt:Commerce-Shops wohl.

Sicherheit bei xt:Commerce

Wie Magento und Shopware ist auch xt:Commerce Trusted Shops-vorzertifiziert. Das bedeutet, dass alle Vorbereitungen zur Shop-Zertifizierung gegeben sind und der Prüfungsprozess für Ihren Shop schneller und unkomplizierter vonstatten gehen kann. Xt:Commerce entspricht dem Standard nach PCI-DSS (Payment Card Industry Data Security Standard), einem Regelwerk zur Abwicklung von Transaktionen via Kreditkarte. Mittels SSL-Zertifikat schützen Sie die Datenübertragung von Formulardaten sowie Kreditkarteninformationen. Entscheiden Sie sich für die Multishop-Variante von xt:commerce, planen Sie also zwei oder mehr Shops, eignen sich Multidomain-Zertifikate. Möchten Sie lediglich einen Shop aufsetzen, sind Einzel-SSL-Zertifikate das Mittel Ihrer Wahl. Um die Sicherheit Ihres Online-Shops zu erhöhen, entscheiden Sie sich idealerweise für ein organisationsvalidiertes SSL-Zertifikat oder für ein Extended Validation-Zertifikat. Die Validierung, also die Identifikation des Zertifikat-Inhabers, fällt bei diesen beiden Prüfmethoden deutlich umfangreicher aus als beim domainvalidierten SSL-Zertifikat, womit die Sicherheit wesentlich optimiert wird. Das Shopsystem xt:Commerce verschlüsselt daneben auch alle Passwörter.

Fazit: xt:Commerce im Test

xt:Commerce beginnt bei der kostenfreien Start!-Edition und kann bis zum Multishop wachsen, womit Zukunftsfähigkeit und Modularität gegeben sind.xt_commerce-test Die Schnittstellenvielfalt überzeugt und auch, wenn die 10.000 Extensions von Magento bislang unerreicht bleiben, existieren viele hilfreiche Plugins. Da nur wenige Entwickler im Stamm von xt:Commerce existieren, seitdem die Software nicht mehr Open Source ist, kann die Auswahl einfach nicht an die von Magento, wahrscheinlich nicht mal an die von Shopware mit über 1.500 Plugins heranreichen. Nichtsdestotrotz finden Sie die wichtigsten Tools, zum Teil kostenfrei, zum Teil in angemessenen Preislagen, jedoch zum Teil auch überteuert. Suchen Sie nach Alternativen, werden Sie hoffentlich fündig.

Mit Kosten zwischen 0 und 1.199 Euro (einmalig zu entrichten) zuzüglich dem, was Sie für etwaige Plugins ausgeben, gelingt die Shoperstellung zu günstigen Preisen. Auch wenn Sie sich externe Unterstützung suchen, bleibt die Preisspanne vergleichsweise moderat: fallen Entwicklerkosten bei Magento oft horrend aus, liegen Sie bei Preisen externer Entwickler für xt:Commerce eher im Mittelfeld.

Die Community um xt:Commerce ist schweigsam geworden. Bei Shopware können Sie mit viel Unterstützung aus der Community heraus rechnen und auch bei Magento werden Sie einiges an Unterstützung finden. Bei xt:Commerce wird leider die Community nicht so gut gepflegt, sodass Sie sich nicht darauf verlassen sollten, Unterstützung zu erhalten, und sich gegebenenfalls für einen Support-Vertrag entscheiden sollten. Dass Sie bei der Lizenzsoftware den Shopkern nicht ändern können, mag für programmierfreudige Shopbetreiber ein Nachteil sein, der Vorteil ist jedoch, dass somit die Sicherheit gegenüber Hackerangriffen größer ausfällt.

Vom Integrationsniveau schlagen sich unsere bisherigen drei Testkandidaten allesamt hervorragend, sie überzeugen mit Modularität und verschiedenen Ansätzen, die Performance stabil zu halten. Alles in allem zeigte unser xt:Commerce-Test, dass Sie mit diesem Shopsystem bislang am günstigsten wegkommen. Von Haus aus eignet sich das eCommerce-System für den deutschen Markt und individuelle Anpassungen sind problemlos und verhältnismäßig kostengünstig realisierbar. Für kleine bis mittelständische Unternehmen, deren Budget eher gering ausfällt und die keine Probleme haben, sich in das insgesamt recht stimmige Backend etwas länger einzuarbeiten, zeigt sich xt:Commerce empfehlenswert, bedenken Sie jedoch den gesonderten Support-Vertrag, denn aus der Community dürfen Sie nicht allzu viel erwarten.



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