Shopsysteme-Test

WooCommerce im Test: WordPress-Plugin für kleines eCommerce-Budget

11. August 2015
  • Shopsysteme-Test

© Igor Mojzes - Fotolia.com

WordPress gehört zu den am häufigsten verwendeten Blogsystemen, mit dem auch immer mehr Unternehmen ihre Websites entstehen lassen. Kein Wunder: WordPress ist einfach im Handling, kostenfrei und unglaublich flexibel. Da liegt es nahe, eine eCommerce-Lösung zu verwenden, die als Plugin mit WordPress zusammenarbeitet. Auf diese Idee kam auch ein Team, bestehend aus Designern, Entwicklern, Support- und Marketing-Profis, das sich im Jahre 2008 zu WooThemes zusammenschloss. Daraus entstand WooCommerce; eine WordPress-Erweiterung, die es ermöglicht, einen Shop mit WordPress anzubieten. Diese Erweiterung prüfen wir heute in unserem großen Shopsysteme-Test:

WooCommerce: wie ist die Architektur des Systems aufgebaut?

WooCommerce ist Open Source; der Code wurde auf GitHub veröffentlicht. Die Macher haben darauf geachtet, die Best Practice-Ansätze von WordPress mit ins Plugin zu nehmen, sowohl im Back- als auch im Frontend. WooCommerce arbeitet theoretisch mit allen Themes, auch mit den Standard-WordPress-Themes. In der Praxis gilt es jedoch, das Theme zu testen, da in diversen Foren gelegentlich kritisiert wird, dass WooCommerce mit bestimmten Themes nicht arbeiten möchte. Das in PHP geschriebene Plugin entstand aus einem Jigoshop-Fork. Das nahtlose Einbetten von WooCommerce ins WordPress Framework erlaubt es, für alle Inhaltstypen die Custom Taxonomies und die Custom Post Types von WordPress zu verwenden. Damit geht auch gleich der erste Vorteil von WooCommerce einher: wer WordPress bedienen kann, kann auch mit WooCommerce arbeiten.

Schnittstellen: wie fällt das Integrationsniveau von WooCommerce aus?

Die Möglichkeiten sind mit WooCommerce sehr zahlreich. Die erste Anbindung besteht natürlich zu WordPress, dem CMS. Die Shop-API erlaubt das Einbinden aller erdenklichen Systeme: ERP, Newsletter- oder Payment-Systeme lassen sich recht simpel und ohne Programmierkenntnisse einbinden. Weiter können Sie Ihre Shopprodukte über WooCommerce bei Amazon, eBay und weiteren Handelsplattformen anbieten. Über die vorhandenen Schnittstellen können Sie sich in dieser Tabelle von OscWare.de einen Überblick verschaffen.

Performance bei WooCommerce

WooCommerce selbst ist ein verhältnismäßig mächtiges Plugin, das jedoch schlank geschrieben wurde und, bei entsprechender Konfiguration, gut performt. Können Sie das in Ihrem Shop so nicht bestätigen, lohnt sich ein Blick auf weitere Parameter, die wir im Magento-Testbericht erläutert haben. Stellen Sie sich bei WooCommerce zudem die Frage, ob Sie mit den vorhandenen Bordmitteln zurechtkommen oder Ihren WordPress-Shop durch weitere Plugins aufrüsten. Hier gilt die Regel: weniger ist mehr, also weniger zusätzliche Plugins führen naturgemäß zu einer höheren Performance. Je nachdem, wohin die Reise mit Ihrem Shop gehen soll, kommen Sie durchaus mit den Bordmitteln, die WooCommerce mitbringt, zurecht. Aufrüsten müssen Sie definitiv für den deutschen Markt; dazu erfahren Sie mehr unter dem Punkt „Zukunftsfähigkeit“. Welchen Punkten Sie sich außerdem bei Ihrer Shop-Performance widmen können, zeigt Openstream.ch in diesem Artikel.

Zukunftsfähigkeit: wie skalierbar ist WooCommerce?

Der deutsche Shop-Markt stellt andere Anforderungen als der US-Markt. Wie bereits bei Magento ist auch WooCommerce nicht für den deutschen Markt vorbereitet, sodass Sie aufrüsten müssen. Hier existieren zwei Lösungen (kennen Sie weitere, freuen wir uns über Ihre Kommentare): WooCommerce Germanized bringt die Rechtssicherheit, die es hierzulande braucht. Die Grundversion ist kostenfrei, für die Pro-Version werden knappe 70 € (für eine Domain) beziehungsweise knappe 100 € (für bis zu 5 Domains) fällig. Eine Alternative dazu bildet WooComerce German Market; dieses Plugin schlägt mit mindestens 99 € zu Buche. (Jeweiliger Stand der Preisnennungen: August 2015)

Haben Sie Ihren Shop auf die Anforderungen des deutschen Markts abgestimmt, haben Sie mannigfaltige Gelegenheiten, Ihren Shop mit weiteren Erweiterungen wachsen zu lassen. Sie können Produktvariationen erstellen, Produkt-Bundles und -Kits, können Rechnungen sowie Lieferscheine erstellen oder passen die Liefergebühren auf unterschiedliche Parameter, etwa Ort, Versandart oder Gewicht, an. WooCommerce eignet sich für den Start mit kleineren Shops, auch für mittlere Shops halten wir das Plugin für gut. Premium-Erweiterungen bieten Ihnen Funktionalitäten, die über die Basis hinausgehen.

Jedoch gerät WooCommerce mit seiner Skalierbarkeit an seine Grenzen, wenn Sie einen wirklich großen Shop aufsetzen möchten. Das hängt weniger mit den möglichen Funktionen des Plugins zusammen als eher mit der Serverlast: für den Betrieb eines Shops mit WordPress und WooCommerce genügt ein Server, der PHP und MySQL unterstützt – Sie können Ihren Shop auch mit normalen Webhosting-Paketen betreiben. Ein sehr komplexer und großer Shop, der vielleicht auch nach unterschiedlichen Kundengruppen unterscheiden soll, hat andere Anforderungen. Bei WooCommerce könnten Sie diese Anforderungen durchaus erfüllen, würden Sie Plugin um Plugin installieren und den Shop so erweitern. Jedoch scheint diese Methode nicht sonderlich zielführend zu sein – dann macht eher ein Shopsystem Sinn, das bereits für komplexe Shops vorbereitet ist. Unsere vorigen Testkandidaten Magento, ShopWare sowie xt:commerce bieten dafür bessere Ausgangspunkte.

Modularität von WooCommerce

WooCommerce setzt auf Individualisierung. Heißt: Sie erhalten mit dem Plugin selbst ein Grundgerüst, das Sie mithilfe hunderter Extensions an Ihre Bedürfnisse anpassen können. Sowohl kostenpflichtige als auch kostenlose Extensions sind in unterschiedlichen Kategorien sortiert, darunter etwa Marketing, Import & Export oder auch Reporting. Neben den Erweiterungen selbst, die Sie an dieser Stelle einsehen und herunterladen können, haben Sie zudem die Möglichkeit, Themes herunterzuladen. All das hat den Vorteil, dass Sie zur Individualisierung Ihres Shops keinen Programmierer beauftragen müssen – WooCommerce zielt darauf ab, dass auch Nicht-Programmierer mit geringem Aufwand einen Online-Shop betreiben können. Jedoch sitzt darin der Nachteil, dass Sie die Plugins so zu nehmen haben, wie sie sind.

Usability bei WooCommerce

Kommen Sie mit dem Backend von WordPress zurecht, werden Sie auch mit WooCommerce bestens zurecht kommen. Zur Usability gibt es nicht viel zu sagen: WooCommerce zeigt sich – sobald Sie die German Market-Version installiert haben, denn vorher bestehen womöglich Sprachbarrieren – anwenderfreundlich und leicht zu bedienen. Kritisiert wird immer wieder, dass die Übersetzungen sehr mangelhaft sind: es fehlt an Verständlichkeit und Vollständigkeit. Deshalb erachten wir die Usability erst nach der Installation des Sprachpakets für sehr gut. Möchten Sie ein Produkt hinzufügen, erinnert das sehr an das Erstellen eines neuen Blogbeitrags unter WordPress. Sie kategorisieren mittels Tags und können verschiedene Attribute für dasselbe Produkt (beispielsweise Brutto- und Netto-Preise für B2C oder B2B) erstellen.

Wie immer hängt die Usability des Frontends stark davon ab, welches Theme Sie verwenden und wie Sie Ihren Online-Shop konfiguriert haben. Mobile-friendly ist WooCommerce von Haus aus. Auch der One-Page-Checkout hilft, Kunden bei der Stange zu halten, denn dadurch gestaltet sich der Kauf recht einfach. Mit kostenfreien Plugins wie dem WooCommerce Customizer können Sie noch mal Hand anlegen und individualisieren. Die gesamten Features der WordPress-eCommerce-Lösung WooCommerce sehen Sie sehr übersichtlich (links unter „Core“ in der Basisversion, rechts unter „Extensions“ Ihre Erweiterungsmöglichkeiten) auf der WooCommerce-Website.

Sicherheit bei WooCommerce

Wie bereits unsere vorigen Testkandidaten ist auch WooCommerce Trusted Shops-vorzertifiziert – vorausgesetzt, Sie verwenden die WooCommerce Germanized-Variante. Ihr Trusted Shops-Siegel erhalten Sie dann bereits ab 39 € pro Monat. Auch WooCommerce richtet sich nach dem PCI-DSS; dem Regelwerk für Kreditkarten-Transaktionen. Um den Checkout-Prozess für Ihre Shopkunden abzusichern, ist ein SSL-Zertifikat unabdingbar. Die Auswahl des richtigen SSL-Zertifikats wird Ihnen mit unserem SSL-Assistenten erleichtert; selbstverständlich hat unser Supportteam auch immer ein offenes Ohr für Ihre Fragen. WooCommerce mittels SSL einzurichten, funktioniert denkbar einfach, da das Plugin verschlüsselte Verbindungen automatisch erkennt. Unterstützt also eine Seite SSL, wird diese Verbindung auch genutzt. Dies gilt jedoch ausschließlich für die Checkout-Seiten, also Checkout, Checkout – Pay sowie My Account. Das e-Commerce-Plugin für WordPress setzt dabei auf den is_ssl()-Befehl von WordPress selbst. Hier kann es zu Umleitungsfehlern kommen, sodass Sie den Checkout-Prozess nach dem Installieren Ihres SSL-Zertifikats unbedingt testen sollten. WooCommerce gibt in der Dokumentation ausführliche Handlungsempfehlungen sowie Installationshilfen und Hilfe bei Problemen.

Fazit: WooCommerce im Test

WooCommerce hat sich als WordPress-Shop-Plugin etabliert – und zwar aus gutem Grund: dank diesem Plugin ist es möglich, ohne riesigen woocommerce-testProgrammier- und Kostenaufwand einen Online-Shop zu starten. Sie können in kleinen oder mittleren Dimensionen beginnen und, entsprechende Server-Power vorausgesetzt, auch angenehm wachsen, wenngleich wir für sehr große und komplexe Shops bisherige Testkandidaten als sinnvoller erachten. Möchten Sie Ihren Einstieg in die eCommerce-Welt jedoch in kleinerem Rahmen halten und haben Sie dafür auch nur ein kleines Budget übrig, finden Sie mit WooCommerce eine Lösung, die mit gut 200 – 400 € Startkosten (Edition für den deutschen Markt + Hostinggebühren + Gebühren für Ihr SSL-Zertifikat) prima umzusetzen ist. Damit ist WooCommerce bei unseren bisherigen Testkandidaten die günstigste Lösung – ausgenommen die kostenfreien Community-Editionen bisheriger Open Source-Testkandidaten, die jedoch einen hohen Programmieraufwand voraussetzen.

Die zirka 400 Extensions für WooCommerce reichen keinesfalls an die 10.000 Magento-Extensions oder die 1.500 Shopware-Plugins heran. Wir sind uns jedoch sicher, dass die Zielgruppe von WooCommerce, nämlich kleine und mittlere Online-Shops, bestens mit den vorhandenen Extensions auskommen. Mit kostenpflichtigen Themes und Extensions können Ihre Kosten schnell steigen, jedoch bleiben Sie noch immer fern der Dimensionen, mit denen Sie beispielsweise bei Magento rechnen müssen.

Ein hohes Integrationsniveau sorgt für die leichte Einbindung von Warenwirtschaftssystemen oder externen Verkaufsplattformen, beispielsweise Amazon oder auch eBay. Sie bedienen WooCommerce simpel und unkompliziert und wenn Ihnen Fragen entstehen, helfen Support sowie Community. Als Open Source-Shopsystem zeigt sich WooCommerce zukunftsfähig; die entwickelnde Community ist angenehm aktiv. Möchten Sie Ihren Online-Shop von Anfang an komplex aufbauen, lohnt es sich, von Beginn an auf umfassendere Systeme zu setzen. Möchten Sie jedoch kleiner starten oder planen Sie ohnehin begrenzt und wissen Sie die Einfachheit von WordPress zu schätzen, finden Sie mit WooCommerce ein preisgünstiges, einfaches und äußerst gutes Shopsystem.



2 Kommentar(e)

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Auf dieses Thema gibt es 2 Reaktionen

  1. Prajakta | 10. März 2016

    Hallo Christian,
    ich habe dein Post wirklich gut gefunden. Du hast alle wichtige Punkte über WooCommerce gut zusammengefasst. Ich würde gerne dazu was noch hinzufügen. WooCommerce ist wirklich einfach, schnell, begrenzt aber kosten-effektiv. Und wie du erwähnt hast, kann jeder WooCommerce , der WordPress kann, wohingegen, braucht man unbedingt ein Entwickler, wenn man zum Beispiel Magento wählt. Also ja, zurück zu deinem Blog, es hat mir wirklich gut gefallen! 🙂
    Herzliche Grüße
    Prajakta

    10. März 2016 @ 08:50 Antworten
  2. Ninna | 4. Mai 2017

    Vielen Dank für den Beitrag!

    4. Mai 2017 @ 23:04 Antworten