IT-Security

VPN: Vorteile und Schattenseiten von Virtual Private Network

3. Mai 2022 von Admin PSW GROUP Blog WP

Virtual Private Network
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Die Nutzung von Virtual Private Networks – oder kurz: VPN – hat spätestens seit der Corona-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen: Home-Office-Mitarbeitende sollten idealerweise verschlüsselt und gesichert aufs Unternehmensnetzwerk zugreifen. Im heutigen Beitrag gehen wir auf die Funktionsweise und Arten von VPN ein, erklären die Vorteile, jedoch auch die Schattenseiten. Außerdem geben wir hilfreiche Tipps zur Auswahl eines geeigneten VPN-Anbieters. Erfahren Sie, worauf es bei einer sicheren und leistungsfähigen VPN-Lösung wirklich ankommt.

 

VPN: Was ist ein Virtual Private Network?

Die Abkürzung VPN steht für „Virtual Private Network“; zu Deutsch: virtuelles privates Netzwerk. Dabei handelt es sich um ein logisch aufgebautes, geschlossenes Netzwerk, das nicht physisch, sondern rein virtuell existiert. VPNs werden überwiegend für sichere Datenverbindungen genutzt. Allen Varianten gemeinsam ist, dass sie eine geschützte Verbindung über öffentliche Netzwerke herstellen. Für den Zugriff auf ein VPN ist stets eine Authentifizierung der Nutzenden erforderlich.

Verschiedene VPN-Arten

Virtual Private Networks werden in unterschiedliche Arten eingeteilt:

SSL-VPN

SSSL-VPN basiert auf den Standards SSL bzw. TLS. Als Remote-Access-VPN stellt es eine Alternative zu IPsec dar. Ohne klassisches Tunneling eignet sich diese Variante insbesondere für Extranet- oder Remote-Zugriffe, weniger jedoch für die Standortvernetzung. In der Praxis werden SSL-VPNs häufig über spezielle Hardwarelösungen umgesetzt; erforderlich ist zudem ein HTML5-fähiger Browser. Der Zugriff erfolgt typischerweise über Benutzername und Passwort, etwa für den Zugang aus dem Home-Office.

Site-to-Site-VPN

Site-to-Site-VPNs verbinden mehrere Netzwerke miteinander, etwa verschiedene Unternehmensstandorte. Sie ermöglichen einen sicheren Austausch von Daten zwischen Intranets, ohne dass Nutzende direkten Zugriff auf jeweils andere Netzwerke erhalten müssen. Diese Lösung eignet sich besonders für Unternehmen mit mehreren Standorten und eigener Netzwerkstruktur. Aufgrund der komplexeren Einrichtung und geringeren Flexibilität kommen sie vor allem in größeren Organisationen zum Einsatz.

Client-to-Server-VPN

Für die Nutzung eines Client-to-Server-VPNs wird eine spezielle Software auf dem Endgerät installiert. Nach erfolgreicher Verbindung können Mitarbeitende so sicher auf das Unternehmensnetzwerk zugreifen – unabhängig von ihrem Standort. Die Nutzung erfolgt über den VPN-Anbieter statt über den Internet-Service-Provider. Ein Vorteil besteht darin, dass Daten bereits vor der Übertragung verschlüsselt werden, was zusätzliche Sicherheit bietet.

End-to-End-VPN

Ein End-to-End-VPN verbindet zwei Clients direkt miteinander. Dabei befindet sich meist ein Client innerhalb und der andere außerhalb eines Netzwerks. Die Verbindung erfolgt über ein Gateway, das die Kommunikation ermöglicht. Auf beiden Seiten ist eine entsprechende VPN-Software erforderlich, um den Tunnel aufzubauen.

Mobile VPN

Mobile VPNs sorgen für stabile Verbindungen bei wechselnden Netzwerken, etwa bei Smartphones oder Tablets. Sie gewährleisten eine unterbrechungsfreie Kommunikation, selbst wenn zwischen WLAN und mobilen Daten gewechselt wird.

 

Eigenschaften guter VPNs

Um eine geeignete VPN-Lösung zu finden, sollten Sie zunächst Ihre Anforderungen definieren. Ein leistungsfähiges VPN sollte nicht nur sicher, sondern auch zuverlässig und benutzerfreundlich sein. Wichtige Eigenschaften sind:

  • IP-Adressverschleierung: Das Verbergen der IP-Adresse vor dem ISP und weiteren Dritten ist eine der Hauptaufgaben des VPN; diese Eigenschaft ist also unabdingbar.
  • Protokollverschlüsselung: Schützt Daten wie Browserverlauf oder Cookies vor unbefugtem Zugriff.
  • 2FA (Zwei-Faktor-Authentifizierung): Starke VPN-Lösungen überprüfen jede Authentifizierung – etwa durch Zwei- oder Multi-Faktor-Authentifizierung. So wird es unerwünschten Dritten sehr schwer gemacht, auf Ihre sichere Verbindung zuzugreifen.
  • Kill Switch: Unterbrechungen der VPN-Verbindung unterbrechen logischerweise auch die sichere Verbindung. Gute VPNs erkennen etwaige Ausfallzeiten und beenden vorausgewählte Programme. So verringern Sie die Wahrscheinlichkeit einer Datenkompromittierung.

 

Die Vorteile von Virtual Private Networks

VPN-Verbindungen verschleiern den Datenverkehr und schützen vor unbefugtem Zugriff. Selbst in öffentlichen WLAN-Netzen bleibt die Internetnutzung dadurch weitgehend geschützt. Zudem wird der eigene Standort verborgen, da die Verbindung über externe Server erfolgt.

In einigen Ländern sind Webinhalte gesperrt bzw. nicht fürs Zugreifen von überall freigeschaltet. Dies kann etwa der Fall sein, wenn Websites Inhalte enthalten, auf die man nur aus bestimmten Teilen der Welt zugreifen kann. VPN-Standort-Spoofing kann dies verhindern: Nutzende können auf Server in anderen Ländern wechseln, sodass sich der Standort „ändern“ lässt.

Nicht wenige Mitarbeitende in Unternehmen arbeiten außerhalb des internen Unternehmensnetzwerks, doch der Zugriff auf Informationen muss dennoch sichergestellt werden. Dies muss jedoch über eine sichere Verbindung erfolgen. VPN-Verbindungen sind hier Mittel der Wahl: Mit einer verschlüsselten Verbindung zu privaten Servern werden Risiken verringert. Somit ist dank der VPN-Technik eine Remote-Arbeit sicher gestellt und Unternehmen können gleichzeitig sensible und wichtige Daten zu schützen.

Als weiterer Vorteil sind Kosteneinsparungen zu nennen, die durch das Verzichten auf physikalische Standleitungen entstehen können. VPN-Lösungen überzeugen mit einer hohen Verfügbarkeit durch eine gute Netzabdeckung und Bedienerfreundlichkeit. Die meisten Virtual Private Network-Lösungen lassen sich ohne großen Aufwand einsetzen.

 

Risiken und Nachteile von Virtual Private Networks (VPNs)

Wie alles im Leben hat auch die VPN-Medaille zwei Seiten: Es gibt auch Nachteile und Risiken beim Nutzen eines Virtual Private Networks. So kann es beispielsweise passieren, dass die VPN-Lösung die Internetgeschwindigkeit reduziert. Ob dies passiert, ist nicht zuletzt davon abhängig, wie weit Server und Client voneinander entfernt sind und welche Art von Verschlüsselung genutzt wird. Deshalb gilt es, sich vor dem Entscheiden für oder gegen eine VPN-Lösung über die Qualität der Verbindung zu informieren. Es gibt einige Konfigurationskniffe, mit denen sich die Geschwindigkeit eventuell wieder erhöhen lässt:

  • Anpassung der Protokolleinstellungen (z. B. UDP-Internetprotokoll für höhere Geschwindigkeit)
  • Serverstandort ändern. Wählen Sie einen dem Server näheren Standort, um die Geschwindigkeit wieder zu steigern.
  • Kabel statt drahtlos. Kabelverbindungen sorgen oft für schnellere Verbindungen als drahtlose Alternativen.

Das Virtual Private Network verfolgt eigentlich das Ziel, die Privatsphäre von Nutzenden zu schützen – je nach Anbieter:in kann jedoch auch eher das Gegenteil erreicht werden. Wer den falschen VPN-Anbieter auswählt, verbessert sich bezüglich des Datenschutzes nicht unbedingt – gerade kostenfreie Angebote dürfen kritisch betrachtet werden. Hier ist ausreichend Information im Voraus notwendig: Recherchieren Sie über die hinter der VPN-Lösung stehende Technik, über den/ die Entwickler:in; lesen Sie Testberichte und Erfahrungen von Nutzenden und entscheiden Sie sich erst dann für oder gegen eine Lösung. In aller Regel bestehen Risiken nicht beim VPN-Verfahren selbst, sondern bei Anbietenden, deshalb ist eine ausführliche Vorauswahl mitentscheidend.

Wie bereits erwähnt, sind kostenfreie Angebote keine echte Option – und daraus kann sich ein weiterer Nachteil ergeben: Sie müssen Gebühren für Ihre VPN-Lösung zahlen. Verschaffen Sie sich auch über die Kosten einen Überblick. Stellen Sie diese den Leistungen und den Testergebnissen bzw. Nutzerbewertungen gegenüber und entscheiden Sie sich erst, wenn Sie alle notwendigen Informationen haben.

Eines der bedeutendsten Risiken bei VPNs ist, dass Diensteanbieter die IP-Adresse nicht verbergen. In solchen Fällen spricht man von IP-Adressen-Leaks. Server und Geräte, mit denen Nutzende kommunizieren, können über die IP-Adresse herausfinden, dass Nutzende die Quelle des Datenverkehrs sind. Verschleiert die VPN-Lösung hingegen zuverlässig die IP-Adresse, wird der VPN-Dienstanbieter als Quelle des Datenverkehrs verstanden und die Identität von Nutzenden geschützt.

Viele VPN-Dienstanbietende bieten eigene DNS-Server. Das ist sinnvoll, denn somit werden DNS-Anfragen über verschlüsselte Tunnels ermöglicht; außerhalb des Tunnels könnten die Abfragen abgefangen und protokolliert werden. DNS-Leaks jedoch erlauben es externen DNS-Server-Providern (in aller Regel ISPs), Online-Aktivitäten einzusehen und nachzuverfolgen.

Die kommerziellen Virtual Private Networks verzeichneten im ersten Halbjahr 2021 rund 41.000 Angriffe (s. Netscout Threat Intelligence Report; PDF) – das sind Zahlen, die erschrecken dürften. Und sie zeigen erneut: Die gewählte VPN-Lösung bestimmt, wie hoch das Maß an Privatsphäre und Sicherheit ausfällt. Werden beispielsweise einfach Webbrowser-Plugins als Virtual Private Network verwendet, kann das ins Auge gehen: Dahinter verbergen sich lediglich die IP-Adresse maskierende Web-Proxys; echte und verschlüsselte VPN-Tunnel bauen diese Plugins nicht auf.

 

Virtual Private Network: Den richtigen Anbieter wählen

Ein VPN kann die Privatsphäre deutlich verbessern – entscheidend ist jedoch die Wahl eines vertrauenswürdigen Anbieters. Achten Sie auf transparente Datenschutzrichtlinien, technische Sicherheitsstandards und unabhängige Tests.

VPN-Lösungen gibt es nicht mehr nur für stationäre, sondern auch für mobile Geräte, sodass auch der mobile Datenverkehr anonym gehalten werden kann. Zu bedenken gilt es außerdem, dass ein VPN nur ein Teil der Sicherheitstools im Unternehmen ausmacht: Mittels VPN schützen und anonymisieren Sie nur den Datenverkehr. Ihre VPN-Verbindung ist keine umfassenden Sicherheitsmaßnahmen wie Virenschutz oder Firewall. Sie schützt weder vor Hackern noch vor Ransomware, weshalb weitere Bausteine für Ihre Unternehmenssicherheit unverzichtbar sind.

Haben Sie Fragen zum sicheren Zugriff auf Ihr Unternehmensnetzwerk oder zur allgemeinen IT-Sicherheit?
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme und beraten Sie gerne.

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