Bedrohungslage

Lateral Movement: Wie sich Hacker in einem Netzwerk ausbreiten

11. Juni 2024 von Juliane Groß

Lateral Movement Angriffe Hacker Netzwerk
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Das Netzwerk eines Unternehmens bildet das Rückgrat seiner IT-Infrastruktur und ist daher ein attraktives Ziel für Hackenden. Eine der raffiniertesten Techniken, die Cyberkriminelle anwenden, um in Netzwerken unentdeckt zu bleiben und maximale Schäden anzurichten, ist das sogenannte Lateral Movement.

In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, was Lateral Movement ist, wie Hackende es nutzen und welche Strategien zur Erkennung und Vermeidung existieren.

 

Was ist Lateral Movement?

Lateral Movement bezeichnet die Techniken, die Hackende nach der initialen Kompromittierung eines Endpunkts anwenden, um sich innerhalb eines Netzwerks weiterzubewegen.  Ziel ist es, weitere Schwachstellen im besagten Netzwerk zu finden, Ihre Zugriffsrechte zu erweitern und letztlich sensible Daten von Personen und Unternehmen zu erreichen. Mithilfe von gestohlenen Anmeldedaten oder anderer Techniken der Rechteausweitung können Angreifer sich dadurch unbemerkt durch das Netzwerk bewegen, indem sie ihre Aktivitäten als legitimen Netzwerkverkehr tarnen.

Die Ziele und Varianten der Lateral Movement Angriffe

Hackende verfolgen mit Lateral Movement in der Regel zwei Hauptziele: den Zugriff auf Daten oder Konten und die Kontrolle über so viele Geräte, wie möglich.

Zu den gängigen Angriffstypen gehören:

Ransomware: Datenentschlüsselung gegen Lösegeld

Bei einem Ransomware-Angriff verschlüsseln Hackende die Daten des Opfers und fordern ein Lösegeld für die Entschlüsselung. Zudem drohen sie häufig damit, die Daten zu löschen oder zu veröffentlichen, falls das Lösegeld nicht innerhalb einer bestimmten Frist gezahlt wird. Diese Erpressungsmethode zwingt viele Organisationen zur Zahlung, um ihre Daten wiederherzustellen und ihre Reputation zu schützen.

Datenübertragung oder auch Datendiebstahl

Hierbei handelt es sich um den Diebstahl vertraulicher oder sensibler Informationen. Hackende infiltrieren das Netzwerk, um wertvolle Daten wie Geschäftsgeheimnisse, personenbezogene Daten, Finanzinformationen oder geistiges Eigentum zu stehlen. Diese Informationen können anschließend verkauft oder für weitere Angriffe verwendet werden, was zu erheblichen finanziellen und rechtlichen Schäden führen kann.

Datenspionage bei Lateral Movement Angriffe

Bei der Spionage sammeln Angreifer unauffällig Informationen, ohne unmittelbare Forderungen zu stellen oder direkten Schaden anzurichten. Ziel ist es, möglichst lange unentdeckt zu bleiben, um kontinuierlich wertvolle Daten abzuschöpfen. Diese Informationen können für wirtschaftliche, politische oder militärische Zwecke genutzt werden, insbesondere bei Angriffen, die von staatlichen Akteuren oder Wirtschaftsspionen ausgehen.

Botnet-Infektion bei Lateral Movement Angriffe

Hierbei kompromittieren Hackende eine Vielzahl von Systemen innerhalb eines Netzwerks, um sie zu einem Botnet zusammenzufassen. Diese infizierten Geräte werden dann für weiterführende Angriffe wie Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe genutzt. Bei einem DDoS-Angriff wird eine massive Menge an Anfragen an ein Zielsystem gesendet, um dessen Dienste zu überlasten und unbrauchbar zu machen. Botnets können auch für andere kriminelle Aktivitäten wie Spam-Kampagnen oder das Minen von Kryptowährungen verwendet werden.

Durch das Verständnis dieser Angriffsvarianten können Organisationen besser darauf vorbereitet sein, entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren und das Risiko eines erfolgreichen Lateral Movement-Angriffs zu minimieren.

 

Strategien zur Erkennung von Lateral Movement

Da Lateral Movements oft lange Zeit unentdeckt bleiben, ist es für IT-Security-Teams entscheidend, ihre Erkennungsstrategien zu optimieren. Hier einige wirksame Maßnahmen:

  • Schwachstellen entdecken: Regelmäßige Überprüfung der Infrastruktur auf anfällige Verbindungen zwischen Geräten, Daten und Systemen. Auch wenn diese nicht sofort behoben werden können, sollten sie zuverlässig überwacht und gesichert werden.
  • Reporting-Tools nutzen: Tools zur Überwachung und für das Reporting verdächtiger Aktivitäten sind unerlässlich.
  • Benutzerverhalten analysieren: Die Analyse von Verhaltensmustern durch maschinelles Lernen kann dabei helfen, Anomalien zu isolieren und unbefugte Aktivitäten aufzudecken.
  • Überwachung unbekannter Geräte: Kontrolle von Bring Your Own Device (BYOD)-Geräten zur Unterscheidung von legitimen und potenziell gefährlichen Geräten.
  • Anomalien bei Dateifreigaben und Verwaltungsaufgaben detektieren: Erkennung unüblicher Aktivitäten, insbesondere bei sensiblen Datenzugriffen.
  • Anmeldungen überwachen: Überwachung ungewöhnlicher Anmeldezeiten und -muster, insbesondere außerhalb der Geschäftszeiten.
  • Port-Scans und ungewöhnliche Netzwerkprotokolle erkennen: Erkennung von Port-Scans und Protokollanomalien durch Intrusion-Detection-Systeme.

 

Strategien zur Verhinderung von Lateral Movement

Neben der Erkennung ist die Verhinderung von Lateral Movements essenziell. Hier sind einige bewährte Methoden, um diese Angriffe zu verhindern:

Regelmäßige Software-Updates und System-Patches

Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Anwendungen sind oft Einfallstore für Hackende. Durch regelmäßige Updates und Patches werden bekannte Schwachstellen behoben, was das Risiko eines Angriffs verringert. Organisationen sollten automatisierte Update-Mechanismen implementieren und sicherstellen, dass alle Systeme stets auf dem neuesten Stand sind.

Endpoint-Sicherheitslösungen aktualisieren

Endpunkte wie Computer, Smartphones und andere Geräte sind besonders anfällig für Angriffe. Tools zur Überwachung und Sicherung dieser Punkte sind unerlässlich. Dazu gehören Antivirus-Programme, Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösungen und Firewalls, die kontinuierlich aktualisiert und überwacht werden sollten, um neue Bedrohungen zu erkennen und zu blockieren.

Prinzip der geringsten Privilegien (PoLP)

Dieses Prinzip besagt, dass Benutzer nur die minimal erforderlichen Zugriffsrechte erhalten sollten, die sie zur Ausführung ihrer Aufgaben benötigen. Durch die Beschränkung der Zugriffsrechte wird das Risiko minimiert, dass ein kompromittierter Account weitreichenden Schaden anrichten kann. Regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen der Berechtigungen sind notwendig, um sicherzustellen, dass keine unnötigen Rechte bestehen.

Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA)

MFA erhöht die Sicherheit erheblich, indem es von Benutzern verlangt, mehrere Verifizierungsfaktoren (z. B. Passwort und einmaliges Passwort, biometrische Daten oder Sicherheits-Token) anzugeben, bevor sie Zugriff erhalten. Dies erschwert es Hackende, allein mit gestohlenen Anmeldedaten Zugang zu verschaffen, da sie auch die zusätzlichen Faktoren überwinden müssen.

Netzwerksegmentierung

Durch die Segmentierung und Mikrosegmentierung eines Netzwerks werden sensible Teile des Netzwerks vom Rest des Systems isoliert. Dies bedeutet, dass ein Angreifer, der einen Teil des Netzwerks kompromittiert hat, nicht automatisch Zugriff auf andere Teile hat. Diese Isolation kann durch den Einsatz von VLANs (Virtual Local Area Networks) und Firewalls erreicht werden, die den Datenverkehr zwischen Segmenten streng kontrollieren.

Kritische Daten sichern

Regelmäßige Backups sind entscheidend, um im Falle einer Kompromittierung Daten wiederherstellen zu können. Diese Backups sollten sicher aufbewahrt und regelmäßig getestet werden, um ihre Integrität und Verfügbarkeit zu gewährleisten. Eine solide Backup-Strategie kann den Schaden durch Ransomware oder andere Angriffe erheblich reduzieren.

Zero-Trust-Sicherheit implementieren

Bei einer Zero-Trust-Architektur wird jeder Benutzer und jedes Gerät als potenzielle Bedrohung betrachtet, bis das Gegenteil bewiesen ist. Dies erfordert eine strikte Identitätsüberprüfung, kontinuierliche Überwachung und die Anwendung von Sicherheitsrichtlinien, unabhängig davon, ob sich Benutzer innerhalb oder außerhalb des Netzwerkperimeters befinden. Zero-Trust-Modelle setzen auf umfassende Sichtbarkeit und Kontrolle, um das Risiko von Lateral Movements zu minimieren.

Durch die Implementierung dieser Strategien können Organisationen die Wahrscheinlichkeit und den möglichen Schaden von Lateral Movement-Angriffen erheblich reduzieren und ihre Netzwerksicherheit stärken.

 

Fazit: Schützen Sie sich vor Lateral Movement Angriffen!

Lateral Movement stellt eine ernsthafte Bedrohung für Unternehmensnetzwerke dar, da es Cyberkriminelle ermöglicht, sich unbemerkt auszubreiten und erheblichen Schaden anzurichten. Durch das Verständnis der Techniken und Ziele dieser Angriffe können Organisationen besser gerüstet sein, um geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Die Kombination aus präventiven Maßnahmen wie regelmäßigen Software-Updates, dem Prinzip der geringsten Privilegien, Multi-Faktor-Authentifizierung und Netzwerksegmentierung sowie der Implementierung einer Zero-Trust-Sicherheitsarchitektur kann die Risiken erheblich minimieren. Zudem sind fortschrittliche Erkennungsmethoden, die auf maschinellem Lernen basieren und Anomalien im Benutzerverhalten überwachen, unerlässlich, um Lateral Movement frühzeitig zu identifizieren und zu stoppen.

Indem Unternehmen und Organisationen diese Strategien umsetzen, können sie ihre Netzwerksicherheit stärken, die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs reduzieren und im Falle einer Kompromittierung schneller und effektiver reagieren.

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