App-Test

„In 300 m links halten“ – wo geht es zur besten Navigations-App?

29. Juli 2014
  • App-Test

© pab_map - Fotolia.com

Die Zeiten, in denen man sich mit teuren Navigationsgeräten herumschlagen musste, sind vorbei – immer mehr Menschen nutzen die Navigation im Hosentaschenformat. Einstiges Kabelgewirr im Auto lässt sich durch Navigationsapps mit mal mehr, mal weniger großen Smartphones ersetzen; nicht nur hierzulande, sondern auch im (europäischen) Ausland. Wir haben uns drei der beliebtesten Navigationsapps ganz genau angeschaut und NAVIGON Europe, TomTom Europa sowie Google Maps einem ausführlichen Test unterzogen.

Mehr als nur von A nach B: Unsere Erwartungen an Navigationsapps

Selbstverständlich erwarten wir von einer Navigationsapp, dass sie uns korrekt von A nach B bringt – idealerweise mit den gängigsten Routeneinstellungen, beispielsweise kürzeste oder schnellste Route. Auch aktuelles Kartenmaterial erwarten wir. Wir sind – insbesondere als Vielfahrer – bereit, für Extras wie Staumeldungen oder Blitzerwarnungen zu zahlen, und möchten sowohl in Gratis- als auch in Kaufversionen unsere hohen Ansprüche an Datenschutz und Sicherheit erfüllt wissen. Wenn eine Reise ins Ausland geht, möchten wir keine horrenden Gebühren durch Kartenmaterial zahlen, das wir erst aus dem Internet laden müssen. Schön wäre, könnten wir uns aussuchen, ob wir die Onboard- (Kartenmaterial im Gerätespeicher) oder Offboard-Variante (Kartenmaterial aus dem Internet downloaden) nutzen möchten, um uns so vor teuren Roamingkosten zu schützen.

NAVIGON Europe im Test

Mit einem Preis von 59,95 € für die Android- beziehungsweise 89,99 € für die iOS-Variante gehört die App NAVIGON Europe zu den teuersten Navigationsapps. Sie erfordert mindestens Android 2.2 beziehungsweise iOS 6.0. Entwickler der App ist die Garmin Würzburg GmbH, die sich auf diesem Gebiet bestens auskennen müsste, schließlich existiert Garmin seit über 25 Jahren. Sowohl Tablet- als auch Smartphone-User können die NAVIGON Europe-App nutzen – einmal mehr bildet das Asus Nexus 7 die Ausnahme; mit diesem Gerät ist die App nicht kompatibel. Möchten Sie die App herunterladen, gestatten Sie ihr Zugriff auf den Geräte- & App-Verlauf, Kontakte/Kalender, genauen und ungefähren Standort, SMS, Telefon, Fotos/Medien/Dateien, Kamera/Mikrofon sowie den Zugriff auf WLAN-Verbindungsinformationen. Weiter ist die App berechtigt, eine Lizenzprüfung des jeweiligen App-Stores abzurufen, den Ruhezustand Ihres Geräts zu deaktivieren, Netzwerkverbindungen abzurufen, Systemeinstellungen zu ändern, den Vibrationsalarm sowie die Lichtanzeige zu steuern, WLAN-Verbindungen herzustellen und zu trennen, die Audioeinstellungen zu ändern, auf die Bluetooth-Einstellungen zuzugreifen, Pairing mit Bluetooth-Geräten durchzuführen, dauerhafte Broadcasts zu senden und die Nahfeldkommunikation zu steuern.

Aufgrund des verhältnismäßig hohen Preises erwarten wir eine vollumfängliche Navigationssoftware fürs Smartphone – und werden, das sei schon mal verraten, nicht enttäuscht. NAVIGON Europe bringt Kartenmaterial für über 40 europäische Länder gleich mit, weitere Karten sind über In-App-Käufe zu erwerben. Dieses Kartenmaterial wird lokal gespeichert, sodass Sie zwar Platz mitbringen sollten, aber im Ausland keine Gedanken um Gebühren machen brauchen. Praktisch: Dank der App2SD-Funktion können Sie die Hälfte des Kartenmaterials auf Ihre SD-Karte auslagern. Der Map-Manager sorgt dafür, dass Sie ohnehin nicht alle Karten auf einmal aufspielen müssen; es reicht die, die Sie aktuell benötigen. Die akustischen Fahranweisungen inklusive den Straßennamen sind genauso hilfreich wie die Darstellung der Karten in 2D und 3D. Die reale Beschilderung in Autobahnabfahrten, Tempo- beziehungsweise Blitzerwarnungen, POI wie Tankstellen, Restaurants oder auch Banken und die Clever Parking-Funktion sind Teil der App. Während unserer Testfahrt mit der NAVIGON Europe-App haben uns keine dieser Funktionen im Stich gelassen. Auch die Möglichkeit, uns direkt zu unseren Kontakten lotsen zu lassen, hat uns gefallen – und damit wurde auch klar, wozu die App Zugriff auf unser Adressbuch haben möchte.

Via Google Local Search können Sie weitere Adressen finden und sich dorthin navigieren lassen. Besonders im Feierabendverkehr ist die MyRoutes-Funktion nützlich: Die Streckenführung wird von der App so optimiert, dass sie an  den Wochentag und die Tageszeit angepasst wird. Zusätzlich werden Ihnen zwei Alternativrouten vorgeschlagen. Dabei werden auch Geschwindigkeitsprofile (PKW/ LKW/ Motorrad/ Fußgänger/ Fahrradfahrer) einkalkuliert. Sie können bestimmte Strecken, etwa Autobahnabschnitte oder Mautstraßen, von der Routenberechnung ausschließen. Sind Sie mit Freunden verabredet, haben Sie die Möglichkeit, Standortdaten und Ankunftszeiten via Twitter, Facebook oder per E-Mail mitzuteilen. Zu den Kaufoptionen in der App gehört unter anderem die „Urban Guidance“-Funktion, mit der Sie öffentliche Verkehrsmittel in Ihre Route integrieren und so den Energieverbrauch optimieren können. Stauinformationen können Sie sich auch schon vor dem Appstart anzeigen lassen. Mit der Google Street View-Integration können Sie sich Gegenden schon vor der Ankunft genauer anschauen und dank „Zielgerade“-Funktion führt Sie Ihr Smartphone oder Tablet auch noch vom Parkplatz zum eigentlichen Ziel. Trotz dieser Funktionsvielfalt ist es den Entwicklern gelungen, die App so zu gestalten, dass auch Laien sie problemlos bedienen können. Die Menüs sind klar strukturiert, die Funktionen intuitiv aufrufbar – bis hin zur individuellen Routenführung ist alles von Anfang bis Ende logisch durchdacht.

Mit der Integration des Mitfahrnetzwerkes Flinc brauchen Sie mit NAVIGON Europe künftig nicht mal mehr alleine reisen. Solche Integrationen erhöhen zweifelsohne den Komfort – aber wie hält es die App NAVIGON Europe mit dem Datenschutz und der Sicherheit? Wir schauen uns zunächst die Endbenutzerlizenzvereinbarung (EULA) an. Positiv fällt uns auf, dass darin der Support mit der E-Mail-Adresse und der Bitte angegeben wird, sich bei Fragen zum Betrieb, technischen Support sowie zur Unterstützung bei Installation, Deinstallation und zur Nutzung an diese zu wenden. Wir erfahren weiter, dass NAVIGON „keinerlei Garantie im Hinblick auf die Genauigkeit oder Vollständigkeit der Kartendaten oder des Inhalts“ übernimmt. NAVIGON räumt ein, möglicherweise Daten zu erfassen, die vollständig anonymisiert werden. Dies kann die Verwendung bestimmter Anwendungen oder Funktionen betreffen und NAVIGON versichert, dass Rückschlüsse auf die Person ausgeschlossen sind. Diese Daten sollen „u. U. Zur Ermittlung allgemeiner Benutzertrends und zur anderweitigen Verbesserung unserer Produkte oder Anwendungen“ genutzt werden. Um lokale Services wie Kraftstoffpreise oder das Wetter bereitstellen zu können, erfasst NAVIGON die physische Position Ihres Geräts. Auch mit den Positionsdaten ist keine Möglichkeit gegeben, Rückschlüsse auf Ihre Person vornehmen zu können, heißt es in den EULA. Es erfordert Ihrer Zustimmung, um Garmin zu gestatten, Informationen zu Ihrem Gerät – darunter Ihre Position, Ihr Tempo oder Ihre Richtung – zu erfassen und hochzuladen. Dies verfolgt den Sinn, Inhalte und/ oder Verkehrsinformationen zu optimieren. Mit Ihrer Zustimmung hat Garmin das Recht, diese Daten an Dritte weiterzugeben oder zu verkaufenanonymisiert und ohne dass es möglich wäre, Rückschlüsse auf Ihre Person zuzulassen.

Auch die ist leicht aufzufinden. Los gehen diese Bestimmungen mit den Zugriffen, die die App benötigt: Installieren Sie die App, werden automatisiert Name und App-Version sowie die eindeutige Gerätekennung verarbeitet. Die Gerätekennung wird mit einem speziellen Verschlüsselungsalgorithmus erstellt und kann daher keinem bestimmten Benutzergerät zugeordnet werden. Hinzu kommen Zeit- und Datumsstempel des Servers. Genutzt werden diese Daten zur Gewährleistung, zur Registrierung, für Kundendienst-Anfragen und bei versehentlichem Löschen der App auf Ihrem Gerät. Die Standortinformationen muss eine Navigationsapp verständlicher Weise kennen, um standortbasierte Dienstleistungen wie die Navigation selbst oder Verkehrsinformationen bereitzustellen. Zu Sonderzielen (POI, etwa Restaurant oder Tankstelle) können Sie Feedback liefern. Diese Daten geben Sie freiwillig ab, Ihre Identität kann dabei nicht preisgegeben werden. Dennoch schreibt NAVIGON lakonisch: „Sie sollten nicht erwarten, dass wir sie [die Daten] geheim halten oder vertraulich behandeln.“

Ihre personenbezogenen Daten, die Sie angeben, wenn Sie NAVIGON kontaktieren, darunter Name, Telefonnummer oder Kreditkarteninformationen, werden genutzt, um Ihre Anfragen zu beantworten, mit Ihnen über Ihren Account oder die App zu kommunizieren oder Ihnen Produktangebote zuzusenden. Wenn Sie das nicht wünschen, können Sie dieser Nutzung per E-Mail () widersprechen. Sowohl NAVIGON als auch die mit dem Entwickler zusammenarbeitenden Dienstleister haben das Recht, Daten über die App zu erfassen, „um Sie als den Benutzer zu authentifizieren und zu gewährleisten, dass Ihre Verwendung im Einklang mit der Lizenz steht“. Schade, dass wir nicht erfahren, welche Daten konkret erfasst werden. Wir erfahren allerdings, dass Garmin in Deutschland Informationen an Garmin International, Inc. mit Sitz in den USA weiterleitet. Mehr sogar noch: „Garmin International, Inc. ist die für die Verwaltung gemeinsam genutzter personenbezogener Daten verantwortliche Partei“. Garmin gehört zu den Unternehmen, die dem Safe-Harbor-Abkommen beigetreten sind. Die USA verfügen nicht über ein Datenschutzniveau, das mit dem der EU vergleichbar wäre. Dennoch dürfen personenbezogene Daten von EU-Mitgliedsstaaten an die USA übertragen werden. Dafür müssen die Safe Harbor Principles sowie die dazugehörigen und verbindlichen FAQ beachtet werden. Problem bei der Sache: Anfang 2011 untersuchte man im Auftrag des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz, Schleswig-Holstein, das Abkommen. Fazit: Es sei das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt sei. Wenngleich als Folge der Überwachungsskandale im März 2014 für eine Aussetzung des Abkommens gestimmt wurde, bleibt die Klausel Bestandteil der Datenschutzerklärung von Garmin.

Haben Sie eine Einwilligung dazu gegeben, kann Garmin „Ihre personenbezogenen Daten offenlegen, soweit wir dies für erforderlich oder angemessen halten“. Dafür hält sich Garmin zwar an Gesetze, bezieht allerdings auch Gesetze und Vorschriften mit ein, die außerhalb Deutschlands beziehungsweise der EU gelten. Um einen vollständigen Überblick zu haben, müssten Sie also amerikanische Datenschutzrichtlinien studieren. Sollte sich Garmin reorganisieren, sein komplettes oder Teile seines Geschäfts abtreten, „können wir jegliche Informationen an ein verbundenes Unternehmen, eine Tochtergesellschaft oder Drittpartei weiterleiten“. Ironischerweise mahnt Garmin zur Vorsicht bei der Nutzung verbundener sozialer Netzwerke wie Foursquare oder Facebook: „Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mithilfe dieser Funktionen interagieren. Solche Interaktionen unterliegen der Datenschutzrichtlinie des Unternehmens, das die Funktion bereitstellt, und wir sind für die Datenverfahren dieser anderen Unternehmen nicht verantwortlich.“ Dass die App nicht für Kinder gedacht ist, erwähnt Garmin in den Datenschutzrichtlinien, bittet allerdings lediglich darum, dass Minderjährige darauf achten, dem Konzern keine personenbezogenen Daten zukommen zu lassen.

NAVIGON bietet ein angenehm breites Support-Spektrum: Ein FAQ-Bereich beantwortet Ihnen die Fragen, die am  häufigsten gestellt werden, Handbücher erklären Ihnen sämtliche Funktionen und auch via Formular können Sie sich an den Support wenden. Leider werden die Angaben in diesem Formular nicht verschlüsselt übertragen, wie es im NAVIGON-Shop ab dem Zeitpunkt geschieht, ab dem Sie Ihren Warenkorb aufrufen. Da wir – wie bei vielen Apps – keine Information über den Widerruf auftreiben können, wenden wir uns für diese Frage an den Support. Die Antwort kommt wenige Tage später von der PR-Agentur von Garmin, die uns schreibt, dass der Widerruf über die jeweiligen App-Stores geregelt wird. Gelingt dies in den App-Stores nicht, können sich Kunden an den Garmin-Support wenden. In dem Test hat die App eine gute Figur gemacht: Die CPU war mäßig ausgelastet und wir wurden ruckelfrei von A nach B navigiert. Die Ansicht und Bedienung hat uns begeistert, die Datenschutzvereinbarungen hingegen eher erschüttert.

Zusammenfassung NAVIGON Europe

  • NavigonWiderruf: über den jeweiligen App-Store
  • Datenzugriff: Geräte- & App-Verlauf, Kontakte/Kalender, Standort, SMS, Telefon, Fotos/Medien/Dateien, Kamera/Mikrofon, WLAN-Verbindungsinformationen, Lizenzprüfung des jeweiligen App-Stores abrufen, Ruhezustand deaktivieren, Netzwerkverbindungen abrufen, Systemeinstellungen ändern, Vibrationsalarm sowie Lichtanzeige steuern, WLAN-Verbindungen herstellen und trennen, Audioeinstellungen ändern, auf Bluetooth-Einstellungen zugreifen, Pairing mit Bluetooth-Geräten durchführen, dauerhafte Broadcasts senden, Nahfeldkommunikation steuern
  • Entwickler: Garmin Würzburg GmbH
  • Finanzierung: Download-Kosten & In-App-Käufe
  • Land: USA, Niederlassung in Deutschland
  • AGB & Datenschutzvereinbarungen: Deutlichkeit und Auffindbarkeit sehr gut, transparent, eindeutig formuliert, inhaltlich sehr kritikwürdig (Datenweitergabe & -speicherung)
  • Weitergabe persönlicher Daten: ja, von europäischen Servern zur US-amerikanischen Mutter, zu weiteren Dienstleistern und Partnern. Datenschutzregelungen des Sitzes des jeweiligen Unternehmens gelten.
  • Aufklärung über Konditionen: eindeutig
  • Individuelle Bestimmung des Datenzugriffs: nein
  • Altersbeschränkung: in den Datenschutzbestimmungen erwähnt
  • Verbindungen soziale Medien: ja
  • Speicherung persönlicher Daten: ja, auf Servern in Europa und den USA
  • Anleitungen, Foren, Support: FAQ, Handbücher, Kontakt per Telefon oder E-Mail und Kontaktformular (unverschlüsselte Datenübertragung)
  • vorhandene Funktionen: sehr umfangreich, siehe Online-Funktionsliste
  • optionale Kauffunktionen: FreshMaps XL (quartalsweise neues Kartenmaterial), Mobiler Warner Live (Echtzeit-Infos über Blitzer & Gefahrenstellen), All-in-One Sonderziel Paket (erweiterte POI), ADAC Camping-Caravaning- und Stellplatz-Führer, NAVIGON Autogas- und Biodiesel-Tankstellen-Finder, Traffic Live (Verkehrsinfos in Echtzeit), NAVIGON Cockpit (optimiertes Fahrgefühl)
  • CPU: mäßige Auslastung
  • Kosten: 59,95 € (Android) bzw. 89,99 € (iOS)
  • sinnvoll in der Gratisversion: nicht vorhanden

Download Android
Download iOS

TomTom Europa im Test

Auch bei der TomTom Europa-App müssen iOS-User tiefer in die Tasche greifen: Für Android kostet die Navi-App 42,99 € (nutzbar ab Android 2.2), für iOS müssen 74,99 € hingelegt werden (nutzbar ab iOS 5.0). Die App kann von Smartphone- und Tablet-Usern eingesetzt werden, und diesmal können auch Nexus 7-Anwender in den Genuss der funktional vielversprechenden App kommen. Der Entwickler, TomTom International B.V., verspricht in den App-Stores „Weltklasse-Navigation, auf die 70 Millionen Autofahrer vertrauen“. Bevor wir testen, ob dieses ambitionierte Versprechen stimmt, schauen wir uns die Berechtigungen der App genauer an: TomTom Europa greift auf Ihren Geräte- & App-Verlauf, Ihre Identität, auf Kontakte/ Kalender, Ihren genauen Standort, auf Ihr Telefon, auf Fotos/ Medien/ Dateien und auf WLAN-Verbindungsoptionen zu. Daneben geben Sie der App Zugriff auf alle Netzwerke, erlauben ihr, sich über anderen Apps einzublenden, die Systemeinstellungen und System-Anzeigeeinstellungen zu ändern, die Bildschirmsperre und den Ruhezustand zu deaktivieren, simulierte Standortquellen für Testzwecke zu nutzen, Netzwerkverbindungen abzurufen, Pairing mit Bluetooth-Geräten durchzuführen, die Audio-Einstellungen zu ändern und die Lizenzprüfung durchzuführen.

NAVIGON und TomTom stehen seit Jahrzehnten in einem Konkurrenzkampf, sodass wir in etwa denselben Funktionsumfang erwarten. Beide Anbieter sind Profis auf Ihrem Gebiet. Schon beim Öffnen der App wird deutlich, dass unsere hohen Ansprüche nicht enttäuscht werden: Das Menü ist logisch aufgebaut – für unsere Tester selbsterklärend und intuitiv. Einer unserer Tester navigiert seit längerem mit einem ausgewachsenen TomTom-Navi und kann uns berichten, dass die Optik der App an die konventioneller TomTom-Navis angelehnt ist. Kennen Sie TomTom also schon, kommen Sie mit der Navigationsapp bestens zurecht. Klare Fahranweisungen in Sprach- und Bildausgabe begeistern uns bei TomTom genauso wie schon bei NAVIGON. Die Realtime-Dienste (In-App-Kauf) erlauben es, etwaige Verkehrsbehinderungen schon vor Reiseantritt zu erfahren. Möchten Sie im Ausland auf teure Roaming-Gebühren verzichten und auch im Falle von Netzverlust gewappnet sein, ist die TomTom-App darauf vorbereitet: Das Kartenmaterial wird lokal gespeichert und Sie sind nicht auf Verbindungen angewiesen. Seit dem letzten Update können Sie die Karten komplett auf SD-Speicherkarte auslagern, sodass Ihr Gerätespeicher nicht beeinträchtigt wird.

Wir können uns zu Kontakten aus unserem Adressbuch navigieren lassen, wobei wir die sprachlichen Fahranweisungen trotz Musik bestens hören können: Bei Sprachanweisungen dreht TomTom die Lautstärke der Musik automatisch zurück, um sie nach der Sprachausgabe wieder zu erhöhen. Die TomTom-Traffic-Funktion (In-App-Kauf) lotste uns zuverlässig um Verkehrsbehinderungen herum, auch vor Radarfallen fühlten wir uns bestens gewarnt. Die FREE Lifetime Maps sorgen dafür, dass Sie jährlich vier oder mehr Kartenupdates erhalten – während der gesamten App-Lebensdauer. Ein Service, den man bei NAVIGON hinzubuchen muss. IQ Routes nennt sich die Funktion bei TomTom, die immer die schnellste Route auswählt und etwaige tageszeitabhängige Behinderungen mit einkalkuliert. TomTom Places bietet POI wie Tankstellen oder Supermärkte in der Nähe, zu denen Sie sich navigieren lassen können. Auch TomTom spricht Straßennamen klar und deutlich aus, während der Fahrspurassistent dafür sorgt, dass wir uns immer rechtzeitig richtig eingeordnet haben.

Möchten Sie während der Navigation einen Anruf entgegennehmen, werden Ihnen die Fahranweisungen weiterhin optisch gegeben. Die Sprachausgabe geht weiter, sobald Sie aufgelegt haben. Andersherum ist es auch möglich, die App im Hintergrund laufen zu lassen und ausschließlich auf Sprachanweisungen zu setzen, während Ihr Smartphone oder Tablet gerade anderweitig genutzt wird (multitaskingfähig). Die Personalisierung hat uns sehr gut gefallen: Sie haben die Möglichkeit, Kartenfarben zu favorisieren und sich für eine zwei- oder dreidimensionale Ansicht zu entscheiden. Bei Nachtfahrten wird Ihr Display automatisch gedimmt. Schön ist auch die Auswahl an Öko-Routen: Auf ökologisch sinnvoll geplanten Strecken fahren Sie kraftstoffsparend. Funktional kann TomTom, was auch NAVIGON kann – sogar mit dem Zusatz, dass Kartenupdates nicht gesondert erworben werden müssen, sondern schon inklusive sind. Auch der Komfort beider Apps ähnelt sich. Wie steht es um den Datenschutz und die Nutzungsvereinbarungen?

Es ist leider viel zu selten, dass wir die benötigten Informationen so schnell und gebündelt vorfinden wie bei TomTom. Auf der Unterseite „Rechtliches“ sehen wir die Datenschutz-, Garantie-, Nutzervereinbarungen und zahlreiche weitere rechtliche Informationen. Zwar zeigt die Übersichtsseite die Informationen in englischer Sprache an, nach dem Öffnen sind sie jedoch in Deutsch gehalten. Für die Navigationsapp TomTom Europa gelten die EULA von TomTom International B.V. Niederlande (PDF). Wir erfahren, dass jede Lizenz ausschließlich für ein Gerät gilt – möchten Sie die App also für Ihren PKW auf dem Smartphone, für Ihren Camper aber auf einem Tablet verwenden, müssen Sie die App zweimal kaufen. Weiter macht der Entwickler darauf aufmerksam, dass TomTom-Produkte Software Dritter nutzen können. Mit der Nutzung der App stimmen Sie auch den EULA und Datenschutzvereinbarungen dieser dritten Parteien zu. Diese können Sie der Seite „Third Party License“ entnehmen.

TomTom erklärt sehr genau und verständlich, was mit Ihren Daten passiert: Positionsbasierte Daten verwendet TomTom anonym und zum Zwecke der Optimierung von Fahrten. Ihre Daten werden direkt auf Ihrem Gerät gespeichert, bis das Unternehmen sie abruft. Anschließend erfolgen Anonymisierung, weitere Sammlung sowie Neuverteilung der Daten. Sehr positiv hervorzuheben ist dieser Abschnitt: „Wir stellen sicher, dass Sie stets die Kontrolle über Ihre Daten haben. Dies bedeutet, dass wir Sie um Genehmigung zur Verwendung Ihrer Daten bitten, Ihnen sagen, wie wir sie verwenden, und es Ihnen ermöglichen, sich jederzeit von diesem Service abzumelden.“ Vertrauenserweckend sind auch die Feststellungen „Wenn wir Ihre Daten nicht mehr benötigen, vernichten wir sie“ und „Wir erstellen Profile von Straßen, nicht von Personen„. Nachdem TomTom kurz und knapp erklärt, was Positionsdaten überhaupt sind, erfahren wir, wozu sie genutzt werden:

  • Um Produkte und Dienste wie das Kartenmaterial oder Ankunftszeiten in ihrer Genauigkeit zu optimieren,
  • um in Echtzeit Informationen bereitstellen zu können, etwa Verkehrsinformationen oder Radarkameras,
  • um stets die bestmögliche Route nutzen zu können.

Positionsdaten werden erneut mit „absolut anonym“ beschrieben und zu dem Datenschutzversprechen, das TomTom abgibt, gehört, dass Sie als Nutzer selbst bestimmen können, ob Daten gesammelt und verwendet werden dürfen. Weiter erfahren wir, dass nach dem Ausschalten des Geräts der gesamte LIVE Service und HD-Traffic-Fahrtenverlauf binnen 20 Minuten vollständig aus den internen Systemen gelöscht wird. Eine Verknüpfung zwischen den Positionsdaten und Ihrem Gerät ist dann nicht mehr möglich. Lokale Suchanfragen, Twitter oder andere Anwendungen, die im Zusammenhang mit Ihrem Gerät verwendet werden, speichert TomTom nicht.

Legen Sie sich einen MyTomTom-Account zu, haben Sie hier die Möglichkeit, Berechtigungen zu erteilen. Optional können Sie Ihr Konto mit Ihrem Gerät verknüpfen, um Käufe im Webshop zu tätigen. Die Webseite können Sie nutzen, ohne sich identifizieren zu müssen – das trifft auch auf den Online-Routenplaner zu. TomTom weist darauf hin, dass einige Webseitenteile, etwa der Webshop oder TomTom HOME, zunächst eine Registrierung, später dann eine Anmeldung mit Ihren Daten erfordern. Ihre E-Mail-Adresse bildet auch Ihren Benutzernamen. Sie kann zu Support-Zwecken oder zum Newsletterversand verwendet werden, falls Sie sich damit einverstanden erklären. Wenn Sie ein Konto erstellen, müssen Sie keine zusätzlichen persönlichen Daten wie Telefonnummer oder Adresse angeben. Cookies von Dritten auf der TomTom-Website werden nicht zugelassen, eigene Cookies werden ausschließlich zum Speichern Ihrer Voreinstellungen, nicht zur Analyse oder Erstellung eines Persönlichkeitsprofils verwendet. Ihre Daten werden nur dann an Dritte weitergegeben, wenn das Unternehmen rechtlich dazu verpflichtet wird oder Dritte im Namen von TomTom mit Ihnen interagieren. Das kann beim Kundensupport sowie bei Produktreparaturen der Fall sein. TomTom zeigt sich eindeutig für die weitergegebenen Daten von Ihnen verantwortlich. Um Ihre Informationen zu schützen und um Missbrauch zu verhindert, hat der Hersteller spezielle Vertrags- und operative Vereinbarungen mit dritten Parteien geschlossen. Daten über die Verwendung Ihres Geräts, werden zu keinem Zeitpunkt nicht mal anonymisiert weitergegeben.

In den Datenschutzrichtlinien erklärt TomTom zunächst einzelne Begriffe, um dann erneut sehr ausführlich und verständlich aufzuzeigen, welche Daten wofür genutzt werden. Neben dem, was wir bereits wissen, warnt TomTom: Nutzen Sie die Pinnwand oder Chatrooms, die der Konzern zur Verfügung stellt, sind Ihre eingegebenen Informationen für die Öffentlichkeit sichtbar. TomTom bittet um die sorgfältige Auswahl der Informationen, die Sie bereitstellen. Ihr Accountname kann auf allen TomTom-Websites angezeigt und damit auch öffentlich gesehen werden. Weiter können fremde Personen Ihre Feedbacks, Bewertungen, Uploads, Einträge und Kommentare sehen. Haben Sie Ihren Benutzernamen mit Ihrem Account verknüpft, können Kontakte, die Ihren Namen kennen, all diese Aktivitäten identifizieren. TomTom versichert, sämtliche Daten ausschließlich für die in den Datenschutzvereinbarungen genannten Zwecke zu nutzen. Ihre persönlichen Daten können auch für Marketingaktionen genutzt werden. Für Umfragen, Marketingaktivitäten oder sonstige Maßnahmen kann TomTom auch Dritte beauftragen, die dann mit Ihren Daten umgehen. Hierzu schreibt der Entwickler: „TomTom ist und bleibt für die Verwendung Ihrer persönlichen Informationen verantwortlich.“

Ist es notwendig, persönliche Informationen in Länder in und außerhalb der EU zu senden, um Daten mit anderen TomTom-Unternehmen auszutauschen, ist TomTom dazu berechtigt. Auch anonymisierte Daten können Dritten gegenüber offengelegt werden. Sollte das Unternehmen ganz oder teilweise von einem anderen Konzern aufgekauft werden, gehen auch Ihre Daten zu dem neuen Inhaber über. TomTom möchte darauf verzichten, persönliche Daten von Kindern unter 16 Jahren zu erfassen. Unter dem angebotenen Support ist es möglich, den Konzern darauf aufmerksam zu machen und um Löschung zu bitten. Auch Fragen rund um den Datenschutz können unter dieser Adresse gestellt werden. Da wir einmal mehr Informationen über den Widerruf vermissen, wenden wir uns an den Support. Der Support besteht aus einer FAQ-Seite, die Sie sehr schön nach Ihrem Produkt und/ oder einem Stichwort filtern können. Sie können auch das Forum nutzen, das Handbuch herunterladen oder via Webformular um telefonischen/ E-Mail-Kontakt bitten. Als wir versuchen, Kontakt über das Webformular aufzunehmen, um Informationen zum Widerruf anzufordern, erweist sich das als schwieriger als gedacht und läuft darauf hinaus, dass wir uns registrieren oder – wenn schon geschehen – anmelden müssen. Für schnelle Auskünfte ist das eher ungünstig, als Spam-Schutz für TomTom sicher sinnvoll.

TomTom Europa ist um einiges günstiger als die NAVIGON-App; einige Funktionen müssen bei beiden Anbietern zusätzlich gekauft werden. Das in Holland ansässige Unternehmen betreibt innereuropäische Server, gibt aber Daten unter Umständen auch an Partner außerhalb der EU. Die Auffindbarkeit und Deutlichkeit sämtlicher Vereinbarungen ist genauso vorbildlich wie der generelle Umgang mit Daten: Im Wesentlichen bestimmen Sie bei TomTom, welche Daten erfasst und damit womöglich weitergegeben werden. Die App lief in unserem Test ohne Ausfälle und lastete die CPU mäßig aus.

Zusammenfassung TomTom Europa

  • TomTomWiderruf: wird ergänzt
  • Datenzugriff: Geräte- & App-Verlauf, Identität, Kontakte/ Kalender, genauer Standort, Telefon, Fotos/ Medien/ Dateien, WLAN-Verbindungsoptionen, Zugriff auf alle Netzwerke, über anderen Apps einblenden, Systemeinstellungen und System-Anzeigeeinstellungen ändern, Bildschirmsperre und Ruhezustand deaktivieren, simulierte Standortquellen für Testzwecke nutzen, Netzwerkverbindungen abrufen, Pairing mit Bluetooth-Geräten, Audio-Einstellungen ändern, Lizenzprüfung durchführen
  • Entwickler: TomTom International B.V. Niederlande
  • Finanzierung: Download-Kosten & In-App-Käufe
  • Land: Niederlande
  • AGB & Datenschutzvereinbarungen: Sprache, Deutlichkeit und Auffindbarkeit sehr gut, transparent und eindeutig im Sinne des Anwenders formuliert
  • Weitergabe persönlicher Daten: ja, an Partner, die an Orten mit abweichenden Datenschutzrechten sitzen können
  • Aufklärung über Konditionen: eindeutig
  • Individuelle Bestimmung des Datenzugriffs: nein
  • Altersbeschränkung: nein
  • Verbindungen soziale Medien: ja
  • Speicherung persönlicher Daten: ja, Zwecke werden sehr ausführlich in den Datenschutzerklärungen definiert
  • Anleitungen, Foren, Support: Support mit verschiedenen Optionen
  • vorhandene Funktionen: navigieren, zu Kontakten navigieren, Musik ausblenden bei akustischen Fahranweisungen, Offline-Kartenmaterial von Europa mit Auslagerung auf SD-Speicherkarte, FREE Lifetime Maps, TomTom Places, IQ Routes, Fahrspurassistent, gesprochene Straßennamen, Öko-Routen, individualisierte Ansicht
  • optionale Kauffunktionen: ja, TomTom Traffic, Realtime-Dienste
  • CPU: mäßige Auslastung
  • Kosten: 42,99 € (Android) bzw. 74,99 € (iOS)
  • sinnvoll in der Gratisversion: nicht vorhanden

Download Android
Download iOS

Google Maps im Test

Mit Google Maps testen wir die einzige Gratis-App in unserer Navigationstestserie. Unter iOS können Sie die App ab Version 6.0 nutzen, unter Android variiert es je nach Gerät. Auch die Google Maps-App nutzen Sie sowohl auf Smartphones als auch auf Tablets. Die Navigationsapp möchte auf Ihren Geräte- & Appverlauf, auf Ihre Identität (inklusive der Möglichkeit, Konten hinzuzufügen oder zu entfernen), auf Kontakte/ Kalender, den ungefähren und genauen Standort, aufs Telefon, auf Fotos/ Medien/ Dateien, auf Kamera/ Mikrofon, auf die WLAN-Verbindungsinformationen sowie auf die Geräte-ID & Anrufinformationen zugreifen. Daneben gestatten Sie der App, sowohl konfigurierte Konten als auch Daten aus dem Internet abzurufen, beim Start ausgeführt zu werden, Netzwerkverbindungen abzurufen, den Ruhezustand zu deaktivieren, Verknüpfungen zu installieren, die Nahfeldkommunikation zu steuern, Konten auf dem Gerät zu verwenden, die Bildschirmsperre zu deaktivieren, die Servicekonfiguration zu lesen, auf alle Netzwerke zuzugreifen, WLAN-Verbindungen herzustellen oder zu trennen sowie den Vibrationsalarm zu steuern. Damit hat Google Maps die umfangreichsten Zugriffe in unserem Test.

Google Maps kennt so ziemlich jeder, der Google kennt, und auf Android-Geräten ist der Service zumeist vorinstalliert. Uns fiel im Test auf, dass sich trotzdem noch keiner unserer Tester ausführlicher mit Google Maps befasst hat, dabei sind die Funktionen überraschend vielfältig: Kartenmaterial für 220 Länder und Gebiete, Auto-, Radfahrer- und Fußgängernavigation, Integration öffentlicher Verkehrsmittel in mehr als 15.000 Städten, Verkehrsmeldungen, Stauinfos und automatisierte Neuberechnung der Strecke bei Verkehrsstörungen vereint die App mit interessanten Infos zu mehr als 100 Millionen Orten (also mehr, als man wahrscheinlich je in seinem Leben abfahren wird) und mit Street View-Bildern sowie Innenansichten von POI wie Museen oder Restaurants. Ansichten wie Suchergebnisse können ein wenig individualisiert werden: Sie haben die Möglichkeit zu bestimmen, ob Sie die Ergebnisse in einer Liste oder direkt auf der Karte sehen möchten. Praktisch ist auf jeden Fall die Integration von Reservierungen und Terminen aus Gmail, die innerhalb der Karten angezeigt werden können, und die Funktion „Erkunden“ (iOS) zeigt verschiedene Orte und Aktivitäten an Ihrem Standort, die um die gewünschte Tageszeit relevant sind.

Navigieren Sie Fahrradrouten, können Sie sich unter Android bei der neuesten Maps-Version Höhenangaben anzeigen lassen. Weiter haben Sie die Möglichkeit, Höhenunterschiede zu anderen Strecken anzeigen zu lassen und darüber beispielsweise die flachste oder steilste Strecke auszuwählen. Einige sporadische Bugs können bei dieser Funktion noch auftreten – so ganz ausgereift scheint die Funktion noch nicht für alle Städte zu sein. Wir sind für unseren Test nicht auf ein Fahrrad gestiegen und ein paar Höhenmeter gefahren, sondern haben diese Information durch Recherche – immer mal wieder tauchen Kommentare über diese Bugs auf. Stellen Sie Ihre Systemsprache auf Englisch um, können Sie im Navigationsmodus Sprachaktionen ausführen: Stellen Sie Fragen zur Route und Sie erhalten Antworten. Flüssig scroll- und zoombar, können wir die Ansicht auf Satellitenbilder umstellen. Die Positionsbestimmung war in unserem Test nicht ganz optimal: Die Karte zeigt unser Auto gelegentlich schon im Fluss Fulda, nicht mehr auf den Straßen unserer gleichnamigen Stadt. Die Fahranweisungen hingegen waren genauso korrekt wie bei den anderen beiden getesteten Navigationsapps.

Optisch setzt Google Maps auf logische Farbmuster: Ist die Strecke frei, wird sie in grüner Farbe angezeigt, Verkehrsbehinderungen erkennen Sie an orangefarbenen Straßen und Staus, in denen nichts mehr geht, sind rot gekennzeichnet. Auch etwaige Baustellen sind durch entsprechende Symbole einfach zu erkennen, was besonders auf unserem Testtablet schön rüberkommt, aber auch am Smartphone hilfreich ist. Welche Route Google empfiehlt, hängt von der jeweiligen Verkehrslage ab. Alternativrouten können jederzeit abgerufen werden, inklusive Informationen über Zeitersparnisse. All diese Funktionen arbeiten im Test zuverlässig; Google hat ein Niveau erreicht, das an die teuren Alternativen herankommt. Präzise Fahranweisungen verhindern, dass die ungenaue Positionsanzeige störend ausfällt.

Die Kartenverwaltung gestaltet Google interessant: Grundsätzlich benötigen Sie einen Internetzugang, wenn Sie sich navigieren lassen möchten. Optional können Sie allerdings Kartenausschnitte abspeichern: Grenzen Sie das zu speichernde Gebiet durch ziehen und drehen ein und nutzen Sie gespeicherte Kartenausschnitten auch offline. Im Menü können Sie diese Kartenausschnitte unter „Meine Orte“ verwalten. Das Berechnen von Routen funktioniert ausschließlich mit aktivierter Internetverbindung. Etwas sehr umständlich ist zudem, dass Sie Ihre gespeicherten Karten alle 30 Tage aktualisieren oder erneut herunterladen müssen. Dies dient zwar der Aktualität des Kartenmaterials, ist aber ungünstig, wenn Sie es schlichtweg mal vergessen und dann kein WLAN-Netzwerk haben. Die Anwendung der Navi-App im WLAN-Netzwerk läuft angenehm flüssig und stabil. Beim Nutzen der mobilen Datenverbindung mussten wir im Test des Öfteren warten – wir konnten an der Dauer die Netzstärke ablesen. Sehr ärgerlich wird es, wenn Sie sich bei schlechter Netzabdeckung navigieren lassen wollen und die Streckenführung mittendrin abbricht. Bei den kostenpflichtigen getesteten Alternativen kann das nicht passieren.

Was auch ohne Internetverbindung funktioniert, ist die eigene Positionsbestimmung. Heißt: Auch im Ausland können Sie kostenfrei die Fußgänger-Navigation verwenden. Aus Ihrem Profil heraus können Sie Erfahrungsberichte einsehen, die Sie verfasst haben. Sie können sich mit wenigen Fingertipps zu den dahinterstehenden Locations navigieren lassen. Auch zuletzt aufgerufene Orte finden Sie in diesem Menü vor. Die chronologisch abgelegten Ziele sparen Ihnen den Aufwand, Adressen noch mal eingeben zu müssen. Tippen Sie einen dieser Orte an, können Sie sich gleich hinlotsen lassen – inklusive der Anzeige alternativer Routen. In den Routenoptionen können Sie Autobahnen, Mautstraßen und Fähren vermeiden.

Direkt in der App können Sie Hilfethemen aufrufen, außerdem Infos zum Datenschutz und die Bedingungen nachlesen. In den Nutzungsbedingungen erfahren wir, dass Google Maps Inhalte von TomTom Global Content BV bereitstellt. Dafür gilt die Lizenz für Drittparteien. In seinen Datenschutzbestimmungen unterscheidet Google zwischen Daten, die Sie dem Konzern mitteilen, und Daten, die aufgrund der Nutzung von Services erhoben werden. Für viele Google-Dienste ist es nötig, einen Account anzulegen. Dabei werden personenbezogene Daten, etwa Name, Adresse oder auch die Kreditkartennummer mitgeteilt. Daten, die aufgrund der Nutzung von Google-Services erhoben werden, werden dann erfasst, wenn Sie Webseiten mit integrierten Google-Diensten nutzen oder wenn Sie von Google bereitgestellte Werbung oder sonstige Inhalte ansehen und mit diesen interagieren. Neben gerätespezifischen Informationen wie dem Modell oder der Betriebssystem-Version zählen zu den erhobenen Daten die eindeutige Gerätekennung und Infos übers Mobilfunknetz inklusive Ihrer Telefonnummer. Google verweist darauf, dass die Gerätekennung oder Telefonnummer von dem Konzern mit Ihrem Google-Account verknüpft werden kann. Auch Serverprotokolle werden erstellt. Diese können beispielsweise Suchanfragen beinhalten. Weiter werden Telefonieprotokollinformationen (Ihre Telefonnummer, Anrufernummer, Anrufdauer usw.), Daten zu Geräteereignissen (Abstürze, Hardware-Einstellungen, Referral-URL usw.), Ihre IP-Adresse, Cookies, mit denen Ihr Browser oder Ihr Google-Konto eindeutig identifiziert, sowie Standortinformationen verarbeitet werden können. Auch das lokale Speichern von Informationen inklusive personenbezogener Daten erlaubt sich Google.

Google nutzt die „erhobenen Informationen zur Bereitstellung, zur Wartung, zum Schutz und zur Verbesserung dieser Dienste„, außerdem „zur Entwicklung neuer Dienste sowie zum Schutz von Google und unserer Nutzer„. Der Internetriese verwendet Informationen auch zum Anbieten maßgeschneiderter Inhalte, etwa um Suchergebnisse und Werbeanzeigen relevanter werden zu lassen. Den Namen, den Sie in Ihrem Google-Profil angegeben haben, kann Google für sämtliche hauseigene Dienste nutzen. Verfügen andere Nutzer bereits über Ihre Gmail-Adresse oder andere Daten, die Sie als Person identifizieren, kann Google diesen Nutzern öffentlich zur Verfügung gestellte Informationen über Sie, einschließlich Ihres Namens oder eines Fotos, bereitstellen. Kontaktieren Sie Google, kann die Kommunikation aufgezeichnet werden. Daten, die über Cookies oder andere Trackingtechnologien eingehen, setzt Google laut Datenschutzvereinbarung ein, um Ihre Nutzererfahrung zu optimieren. Dabei soll keine Verknüpfung mit sensiblen Kategorien stattfinden, etwa jenen, die auf Religion, sexueller Orientierung oder Ihrem Gesundheitszustand basieren. Was allerdings verknüpft werden darf, sind personenbezogene Daten aus dem einen und dem anderen Google-Dienst. Dadurch soll u. a. das Teilen von Inhalten mit Ihren Kontakten vereinfacht werden.

Im Google Dashboard sehen Sie, welche Google-Services Sie eigentlich nutzen und welche Privatsphäreeinstellungen damit verbunden sind. Nicht unerwähnt lässt Google die Option, Cookies im Browser standardmäßig zu blockieren, weist dann aber darauf hin, dass dadurch die Nutzung der Google-Services beeinträchtigt werden könnte. Die transparenten Datenschutzbestimmungen verweisen gleich auf entsprechende Links: Sie brauchen beispielsweise nicht suchen, wenn Sie kontrollieren möchten, mit wem Sie welche Informationen teilen. Personenbezogene Daten können an Unternehmen, Organisationen und Personen außerhalb von Google weitergegeben werden, wenn Sie Ihre Einwilligung gegeben haben. Wie das geschieht, erfahren wir leider nicht. Personenbezogene Daten in den schon oben erwähnten sensiblen Kategorien benötigen eine ausdrückliche Einwilligung. Zusammengefasste und nicht personenbezogene Daten kann Google sowohl an die Öffentlichkeit als auch an Partner wie Werbetreibende, verbundene Webseiten oder Publisher weitergeben, um etwa Trends zur Nutzung der Google-Dienste aufzuzeigen.

Überraschend positiv fällt diese Formulierung auf: Ist Google an einem Unternehmenszusammenschluss, -erwerb oder Verkauf eines Unternehmens oder Teilen davon beteiligt, „werden wir weiterhin dafür sorgen, die Vertraulichkeit jeglicher personenbezogener Daten sicherzustellen und wir werden betroffene Nutzer benachrichtigen, bevor personenbezogene Daten übermittelt oder Gegenstand einer anderen Datenschutzerklärung werden.“ Wir erinnern uns an die Datenschutzvereinbarungen der anderen getesteten Apps: Sollten Teile oder sogar das komplette Unternehmen verkauft werden, kann das auch personenbezogene Nutzerdaten betreffen. Um Datensicherheit zu gewährleisten, werden viele Google-Services SSL-verschlüsselt. Mit einem zweistufigen Bestätigungsverfahren können Sie Ihren Google-Account vor unbefugtem Zugriff schützen und Google versichert, seine „Praktiken zur Erhebung, Speicherung und Verarbeitung, einschließlich der physischen Sicherheitsmaßnahmen, zum Schutz vor unbefugtem Zugriff auf Systeme“ zu überprüfen. Weiter ist der Zugriff auf personenbezogene Daten auf jene Mitarbeiter beschränkt, die zur Ausführung ihres Services, etwa wenn Sie den Support kontaktieren, auf diese Daten angewiesen sind.

Google beschreibt sämtliche Vereinbarungen sehr genau, sodass sie eindeutig ausfallen und dem Nutzer klar sein sollte, worauf er sich einlässt. Dass Google zu den Unternehmen gehört, die aufgrund ihrer Datenschutzbestimmungen im Dauerfeuer von Datenschützern sind, dürfte allgemein bekannt sein. Sie können Details auch auf den Unterseiten von Googles Datenschutzbestimmungen einsehen, die Ihnen auch Beispiele liefert.

Zusammenfassung Google Maps

  • GoogleMapsWiderruf: kostenfrei, deshalb unnötig
  • Datenzugriff: Geräte- & Appverlauf, Identität (Konten hinzufügen oder entfernen), Kontakte/ Kalender, Standort, Telefon, Fotos/ Medien/ Dateien, Kamera/ Mikrofon, WLAN-Verbindungsinformationen, Geräte-ID & Anrufinformationen, konfigurierte Konten abrufen, Daten aus dem Internet abrufen, beim Start ausführen, Netzwerkverbindungen abrufen, Ruhezustand deaktivieren, Verknüpfungen installieren, Nahfeldkommunikation steuern, Konten auf dem Gerät verwenden, Bildschirmsperre deaktivieren, Servicekonfiguration lesen, auf alle Netzwerke zugreifen, WLAN-Verbindungen herstellen oder trennen, Vibrationsalarm steuern
  • Entwickler: Google Inc.
  • Finanzierung: Querfinanzierung mit Werbung und anderen Google-Produkten
  • Land: USA
  • AGB & Datenschutzvereinbarungen: beides gut auffindbar, in Sprache & Deutlichkeit gut, sehr transparent, Inhalte kritikwürdig
  • Weitergabe persönlicher Daten: ja
  • Aufklärung über Konditionen: ja
  • Individuelle Bestimmung des Datenzugriffs: nein
  • Altersbeschränkung: nein
  • Verbindungen soziale Medien: nein
  • Speicherung persönlicher Daten: ja, Kontrolle via Google Dashboard
  • Anleitungen, Foren, Support: Anleitungen und Hilfestellungen direkt in der App, Hilfeforum, Support via E-Mail (support-de@google.com)
  • vorhandene Funktionen: Kartenmaterial für 220 Länder & Gebiete (gespeicherte Ausschnitte offline abrufbar), sprachgestützte GPS-Navigation, Auto-, Radfahrer-, Fußgänger-Modi, Integration öffentlicher Verkehrsmittel, POI durch Sucheingabe, Meldungen zu Verkehrsstörungen, Alternativrouten, Infos zu zahlreichen Orten, Street View-Bilder und Innenansichten von POI, Höhenangaben für Fahrradtouren, „Erkunden“-Funktion mit Orten und Aktivitäten für den jeweiligen Standort und die gewünschte Tageszeit (iOS)
  • optionale Kauffunktionen: keine
  • CPU: geringe Auslastung
  • Kosten: kostenlos
  • sinnvoll in der Gratisversion: ja

Download Android
Download iOS

Auf welche Navigationsapp sollten Sie zusteuern?

Das offensichtliche Preis-Leistungsverhältnis von Google Maps ist unschlagbar: Sie erhalten kostenfrei den Großteil der Funktionen, die auch teure Alternativen bieten, und bekommen durch die Accountanbindung noch weitere dazu, beispielsweise die Direktnavigation zu von Ihnen bewerteten Locations. Dennoch zahlen Sie einen hohen Preis: Ihre personenbezogenen Daten können noch viel weiter reisen als Sie mit Ihrer Google Maps-App. Auch Google gehört zu den Unternehmen, die dem Safe-Harbor-Abkommen beigetreten sind, was zur Folge hat, dass in Europa gespeicherte Daten in die USA kommen dürfen, wo die Datenschutzregelungen nicht mit den unseren mithalten können. Dasselbe gilt, wenn Sie sich für Garmins Lösung NAVIGON Europe entscheiden. Bezüglich der Sicherheit kann der Niederländer TomTom am meisten punkten: Wir finden außergewöhnlich gut sortierte Vereinbarungen vor, die in ihrer Deutlichkeit und Transparenz genauso gut abschneiden wie in ihrer Sicherheit, da ein hohes Maß an Selbstbestimmung besteht.

Vorteilig an den beiden kostenpflichtigen Apps ist zweifelsfrei, dass sie von echten Navigationsprofis kommen. Hier und da ist das spürbar, wenngleich Google Maps in den vergangenen Jahren sehr aufholen konnte. TomTom Europa ist in unseren Augen der Testsieger: Die Kosten sind geringer als die eines konventionellen Navigationsgeräts, die Funktionalität entspricht allerdings einem solchen. Saubere Datenschutz- und Nutzungsvereinbarungen, die keine Hintertüren zulassen und die tatsächlich auf den Schutz Ihrer Daten abzielen, fanden wir nur hier vor. Einziger Kritikpunkt: Den E-Mail-Support können Sie nur dann nutzen, wenn Sie registriert sind. Das ist fast schon enttäuschend, wenn man bedenkt, dass TomTom ansonsten zahlreiche Funktionen ohne Angabe persönlicher Daten bietet.

Verfügen Sie ohnehin über einen Google-Account und navigieren Sie nur gelegentlich oder ausschließlich an Orten, an denen Sie wissen, dass eine starke Internetverbindung besteht, brauchen Sie kein teures Geld zu investieren. In diesem Fall wird Ihnen Google Maps alles bieten, was Sie benötigen. Wundern Sie sich nur nicht, wenn Sie auf der Karte etwas versetzt zu Ihrem tatsächlichen Standort zu sehen sind – zumindest erging es uns so in unserem Test.



0 Kommentar(e)

Schreibe einen Kommentar

Auf dieses Thema gibt es noch keine Reaktion

  1. Kwyjibo | 29. Januar 2015

    Zur Behauptung, dass die Kosten von TomTom geringer als eines herkömmlichen Navigationsgerätes sind: es macht keinen Sinn, die Kosten von einer reinen Softwarelösung und Hardware + Software zu vergleichen. Man müsste also noch die Kosten des Smartphones dazurechnen…

    29. Januar 2015 @ 10:30 Antworten