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Gmail: Der Alleskönner mit dem Datenschutz-Image-Problem

7. Oktober 2014
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Im Wesentlichen lassen sich die gemeinhin vorherrschenden Meinungen über Gmail, dem kostenlosen E-Mail-Angebot vom Suchmaschinenriesen Google, wohl so zusammenfassen: Kann alles, möchte aber auch alles wissen. Datenschützer schütteln sich, wenn es um Google geht, während der Konzern selbst nicht müde wird, seine Sicherheitsfeatures zu betonen. Was ist dran an den Vorwürfen und den Verteidigungsversuchen? Wir haben getestet:

Gmail: über das Unternehmen

Die „optimale und einzigartige Erfahrung“ für den Nutzer steht bei Google nach eigenen Aussagen im Fokus allen Tuns. 1998 wurde Google von Sergey Brin und Larry Page gegründet – mithilfe einer Finanzspritze von 100.000 US-Dollar von Andy Bechtolsheim, Sun-Mitbegründer. Mit seinem Sitz in den USA nutzte Google den 01. April 2004, um Gmail einzuführen; dieses Jahr feierte der Service also zehnjährigen Geburtstag. Seine komplette Geschichte hat Google in einer sehr unterhaltsamen Timeline zusammengefasst, die Sie an dieser Stelle einsehen können.

Datenschutz & AGB bei Gmail

Die Nutzungsbedingungen, die hierzulande gelten, sind schnell aufgefunden und in deutscher Sprache verfügbar. Wir lesen, dass die Google Inc., Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043, USA, für das gesamte Angebot des Suchmaschinenriesen verantwortlich ist. Nach dem Klären urheberrechtlicher Fragen schreibt Google: „Einige unserer Dienste sind auch auf mobilen Geräten verfügbar. Bitte nutzen Sie diese Dienste nicht in einer Weise, die Sie ablenkt und das Einhalten von Verkehrsregeln oder Sicherheitsvorschriften verhindert.“ – offenbar ein notwendiger Hinweis, der durch vermehrte Mobilnutzung entstanden ist. Google bezieht die Möglichkeit mit ein, dass Ihr Account durch Dritte, beispielsweise Ihren Arbeitgeber, eingerichtet wird. Der Konzern verweist auf die Datenschutzerklärung und erwähnt, dass dieser Dritte Ihre E-Mails dann einsehen kann. Das Passwort ist vertraulich zu behandeln und sollte nicht an anderer Stelle erneut verwendet werden. Weiter verweist Google auf die Möglichkeit, das Google-Login für andere Dienste zu verwenden. Der Konzern bittet darum, die Privatsphäreeinstellungen gemäß der eigenen Vorstellungen und Vorlieben anzupassen.

Möchten Sie Content bereitstellen, beispielsweise ein Video über Ihren Account auf Google Plus, bleibt das Urheberrecht bei Ihnen. Allerdings räumen Sie „Google und den zur Google Gruppe gehörenden Unternehmen sowie den Vertragspartnern von Google unentgeltlich die notwendigen, nicht ausschließlichen, weltweiten und zeitlich unbegrenzten Rechte ein, diese Inhalte ausschließlich zum Zweck der Erbringung des jeweiligen Dienstes und lediglich in dem dafür nötigen Umfang zu nutzen.“ Sie erklären sich damit einverstanden, dass Google Ihre Inhalte auf Servern speichert, und damit, dass Google Ihre Inhalte öffentlich zugänglich macht, wenn dies Ihren Privatsphäreeinstellungen nicht widersprechen würde. Entfernen Sie Ihren Inhalt aus einem bestimmten Service, erlischt auch Googles Recht auf öffentliche Zugänglichmachung. Machen Sie Verbesserungsvorschläge, kann Google diese nutzen, ohne dass daraus Verpflichtungen Ihnen gegenüber entstehen. Die Nutzung aller Google-Dienste können Sie jederzeit ohne Wahrung von Fristen beenden. Entscheidet sich Google dafür, einen Dienst zu beenden, wird der Konzern rechtzeitig informieren und eine Möglichkeit zur Sicherung Ihrer Daten aus dem Dienst an die Hand geben. Über die Haftung lesen wir, was wir bereits in zahlreichen anderen Nutzungsbedingungen gelesen haben: vollumfänglich haftet der Konzern bei Vorsatz sowie grober Fahrlässigkeit; beschränkt bei Schäden, die leicht fahrlässig verursacht wurden. Die Nutzungsbedingungen sowie etwaige Zusatzbedingungen können jederzeit „in zumutbarer Weise“ angepasst werden. Google empfiehlt, die Nutzungsbedingungen deshalb gelegentlich auf Neuerungen zu überprüfen. Änderungen werden frühestens 14 Tage nach Veröffentlichung wirksam; Änderungen für neue Funktionen oder aus Rechtsgründen werden sofort wirksam. Stimmen Sie den Änderungen nicht zu, müssen Sie den Dienst verlassen.

Die Datenschutzerklärung finden wir schnell. Fällt Ihnen in dieser Erklärung etwas auf, das für Fragen sorgt, können Sie Kontakt mit Google aufnehmen. Google unterscheidet zwischen den Daten, die Sie dem Unternehmen mitgeteilt haben, und Informationen, die Google durch das Nutzen seiner Dienste erhält. Informationen, die Sie an Google geben, entstehen beispielsweise, wenn Sie einen Google-Account anlegen. Hier werden Name, E-Mail-Adresse, Telefon- oder auch Kreditkartennummer erfragt. Für einige Services wird ein Google-Profil inklusive Foto und Namen verlangt. Informationen, die Google automatisiert sammelt, entstehen beispielsweise durch das Nutzen spezieller Dienste oder Interaktionen mit Googles Werbeanzeigen. Solche Daten können sein:

  • gerätebezogene Informationen: Hardware-Modell, OS-Version, eindeutige Gerätekennung, Mobilfunknetz sowie Telefonnummer. Unter Umständen (die Google nicht näher erläutert) wird Ihre Telefonnummer und Ihre Gerätekennung mit Ihrem Account verknüpft.
  • Protokolldaten: Serverprotokolle mit Informationen, die aufzeigen, wie Sie Google-Dienste nutzen (z. B. Suchanfragen), Telefonieprotokollinformationen (z. B. Weiterleitungs-, Anrufer- oder Ihre Telefonnummer, Art der Anrufe, SMS-Routing-Informationen, Datum & Uhrzeit von Anrufen), Ihrer IP-Adresse, Geräteereignissen (z. B. Hardware-Einstellungen, Abstürze, Systemaktivität)
  • standortbezogene Informationen: Nutzen Sie standortbezogene Google-Services, werden Informationen zu Ihrem tatsächlichen Standort erfasst und verarbeitet, beispielsweise über das GPS-Signal Ihres Smartphones.
  • eindeutige Applikationsnummern: Diverse Google-Services haben eindeutige Anwendungsnummern, die beim Installieren oder Deinstallieren zusammen mit installationsspezifischen Daten (z. B. Betriebssystem oder Versionsnummer) an Google gesendet werden. Diese Daten werden auch gesendet, wenn automatisch, beispielsweise durch Updates, Serverkontakt aufgenommen wird.
  • lokales Speichern: (personenbezogene) Informationen können lokal auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Dies geschieht durch Mechanismen wie den Webspeicher des Browsers oder Anwendungsdaten-Caches.
  • Cookies/ anonyme Kennungen: Googles Partner können Informationen erfassen und speichern, wenn Sie einen Google-Service aufrufen. Cookies oder anonyme Kennungen können dabei an Ihr Gerät gesendet werden; beides wird auch verwendet, wenn Sie mit Google-Diensten interagieren.

Google nutzt erhobene Informationen, um diese bereitzustellen, zu warten, zum Optimieren der Dienste sowie zum Schutz, zudem zum Entwickeln neuer Dienste. Weiter werden Ihre Daten dafür genutzt, Ihnen „maßgeschneiderte Inhalte anzubieten“, wie etwa relevantere Suchergebnisse oder Werbung. Ihren Google-Profil-Namen darf das Unternehmen für all seine Services nutzen. Damit Sie sämtliche Dienste einheitlich nutzen können, kann Google sich das Recht herausnehmen, Ihre früher verwendeten Accountnamen zu ersetzen. Ist anderen Google-Nutzern Ihre E-Mail-Adresse bekannt oder verfügen sie über andere Sie identifizierende Daten, darf Google Ihre öffentlichen Profilinformationen diesen Dritten bereitstellen. Nehmen Sie Kontakt zu Google auf, kann der Konzern diese Kommunikation aufzeichnen. Mitteilungen zu den Google-Diensten werden an Ihre E-Mail-Adresse gesendet. Einen Zwangsnewsletter, wie ihn GMX und WEB.DE anbieten, gibt es bei Gmail nicht.

Daten, die über verschiedene Tracking-Methoden wie Cookies gesammelt werden, können zum Verbessern Ihrer Nutzungserfahrung verwendet werden. Als Beispiel nennt Google das Speichern Ihrer Spracheinstellungen sowie das Anzeigen in einer bevorzugten Sprache. Sehen Sie Werbung, die zu Ihren Interessen passt, erklärt Google, diese anonymisierten Daten zu keiner Zeit mit Ihren sensiblen Kategorien zu verknüpfen. Google darf allerdings personenbezogenen Informationen von Ihnen aus einem Dienst mit denen aus einem anderen Dienst verknüpfen – mit der Begründung, Ihnen das „Teilen von Inhalten mit Freunden und Bekannten“ zu vereinfachen. Daten aus DoubleClick-Cookies werden nur dann mit Ihren personenbezogenen Informationen verknüpft, wenn Sie ausdrücklich eingewilligt haben. Sollen Ihre Daten zu anderen als den in der Datenschutzvereinbarung genannten Zwecken verwendet werden, erbittet Google zunächst Ihre Einwilligung. Google hat seine Server weltweit verstreut. Google erklärt, dass das Verarbeiten Ihrer personenbezogenen Daten auch auf Servern außerhalb von Deutschland stattfinden kann. Google gibt diverse Hilfestellungen, damit Sie einsehen können, welche Ihrer Daten an welcher Stelle genutzt werden:

  • Google Dashboard: Hier überprüfen und verwalten Sie die Art der Daten, die Sie mit Ihrem Google-Account verknüpft haben.
  • Anzeigeeinstellungen: Hier können Sie Anzeigenvorgaben für Google-Werbeanzeigen einstellen, etwa Kategorie ausschließen oder bestimmte favorisieren. Weiter können Sie bestimmte Werbedienste deaktivieren.
  • Editor: Sie können die Darstellung Ihres Profils gegenüber bestimmten Personen detailliert anpassen.
  • Support: Sie können kontrollieren, welche Informationen Sie mit wem teilen.
  • Export: Aus vielen Google-Diensten können Sie Informationen exportieren.

Google weist auf die Option hin, Cookies im Browser zu blockieren. Dann allerdings funktionieren viele von Googles Diensten nur eingeschränkt; Spracheinstellungen können beispielsweise nicht gespeichert werden. Mit der Begründung, man wolle die Dienste so bereitstellen, dass Daten „vor zufälliger oder mutwilliger Zerstörung geschützt sind“, löscht Google „möglicherweise verbliebene Vervielfältigungsstücke von Daten, die Sie aus unseren Diensten gelöscht haben, nicht sofort von unseren aktiven Servern und entfernen diese Daten nicht von unseren Sicherungssystemen.“ Wenn Sie Accountdaten löschen, liegen diese also noch auf Googles Servern. Personenbezogene Daten werden unter den folgenden Umständen an Dritte außerhalb von Google weitergeleitet:

  • Sie haben eingewilligt. Ist dem so, benötigt Google zur Weitergabe von Daten in sensiblen Kategorien erneut Ihre ausdrückliche Einwilligung.
  • Verwaltet ein Domain-Administrator Ihren Account, hat dieser nebst den Vertriebspartnern, die für die Kundenbetreuung zuständig sind, vollen Zugriff auf Ihre E-Mails und weitere Daten.
  • Partner, andere vertrauenswürdige Firmen oder Personen erhalten Ihre personenbezogenen Daten, wenn dies zum Zweck der Abwicklung des jeweiligen Zwecks notwendig ist. Beispielsweise kann ein externer Dienstleister zur Zahlungsabwicklung beauftragt werden.
  • Fordert der Gesetzgeber oder einer seiner Vertreter die Herausgabe personenbezogener Daten, ist Google dazu verpflichtet.

Partner wie Publisher, verbundene Websites oder Werbetreibende erhalten möglicherweise zusammengefasste und nicht-personenbezogene Daten, um beispielsweise Trends zu analysieren und aufzuzeigen. Um Datensicherheit zu gewährleisten, setzt Google bei vielen seiner Services auf SSL-Verschlüsselung, bietet zum Login mit Ihrem Google-Account ein zweistufiges Bestätigungsverfahren und beschränkt den Zugriff auf Ihre Daten auf einen bestimmten Mitarbeiterkreis in dem Konzern selbst. Dem Rahmen zur Selbstregulierung, auf den Google in seiner Datenschutzerklärung verweist, können Sie entnehmen, dass Google die Safe Harbor-Zertifizierung erhalten hat. Das hat zur Folge, dass Ihre personenbezogenen Daten ohne weitere Einwilligung und ohne die Möglichkeit eines Widerspruchs in die USA transferiert und dort genutzt werden dürfen. Ändert der Konzern die Datenschutzerklärung wesentlich, kann Google Sie per E-Mail benachrichtigen, sind es kleinere Änderungen, bittet der Konzern darum, dies selbstständig gelegentlich zu prüfen.

Der Registrierungsprozess bei Gmail

Um sich einen Account bei Gmail zu erstellen, geben Sie folgende Daten an:

  • Vor- und Nachname
  • Geburtstag
  • Geschlecht
  • Mobilnummer (optional)
  • aktuelle E-Mail-Adresse (optional)
  • Standort (Land)

Auch bei Gmail testen wir sichere und unsichere Passwörter: „12345678“ wird uns, genau wie „Passwort“, als unsicher angezeigt. Auch „Passwort123“ wird als „schwach“ gewertet. „PassWort!123?“ hält Google für stark. Hier ist und bleibt also T-Online bisheriger Testsieger: „PassWort!123?“ war der Telekom-Tochter noch immer zu schwach und erst bei „ViT-O.sad1.T?“ gab es grünes Licht auf der Sicherheitsampel. Jedoch ist Googles Passwortprüfung besser als die von GMX und WEB.DE; die beiden Anbieter akzeptierten bereits die erstgenannten Passwörter. Am Ende der Registrierung müssen Sie sich mit den AGB und der Datenschutzerklärung einverstanden erklären. Anschließend werden Sie gefragt, ob Sie ein öffentliches Google+-Profil erstellen möchten; seit Anfang September ist dies optional, vorher bestand Zwang. Möchten Sie darauf verzichten, klicken Sie nach der Registrierung einfach „Nein danke“. Auf der folgenden Seite werden uns einige Google-Services, beispielsweise YouTube oder Maps, vorgestellt und wir können weiter zu unserem Postfach. In einer kleinen How-to-Tour werden uns Funktionen des Freemail-Angebots vorgestellt. Wir klicken uns durch diese Tour und haben zum Schluss drei E-Mails im Postfach: Eine zeigt Tipps zu Gmail, die nächste bewirbt die Apps und die dritte zeigt Funktionsweisen von Gmail. Auch Werbung wird uns angezeigt – immer dann, wenn wir eine E-Mail öffnen, sehen wir darüber eine Zeile Werbung, rechts daneben diverse Anzeigen.

Google Gmail: Produktdetails

Nutzen Sie Gmail, stehen Ihnen folgende Funktionen zur Verfügung:

  • Speicherplatz: 15 GB (für E-Mails, Google Drive und Google+ Fotos)
  • max. Anhanggröße: 25 MB (größere Anhänge via Google Drive möglich)
  • Speicherdauer für E-Mails: unbegrenzt
  • IMAP-/POP3-Abruf: ja
  • Ordner: heißen bei Gmail „Label“, unbegrenzt
  • zusätzliche E-Mail-Adressen: nein
  • Sammeldienst für weitere E-Mail-Accounts: ja, unbegrenzt
  • Versenden mit alternativer E-Mail-Adresse möglich: ja, wenn eine existierende importiert wurde
  • Spamschutz: ja, für ein- und ausgehende E-Mails
  • Adressbuch & Kalender: ja
  • E-Mail-Apps: ja
  • weitere Features: anpassbare Tabs, Aktionen aus dem Posteingang durchführen (z. B. Versandverfolgung bei Paketlieferungen, direktes Antworten auf Einladungen, etc.), benutzerdefinierte Designs mit eigenen oder vorgefertigten Bildern, Videoanrufe via Hangout in Gmail mit max. 10 Teilnehmern, sofortiges Sehen von Anhängen, Such- und Filterfunktion, virtuelle Tastaturen mit verschiedenen Sprachen, Tastenkürzel zur vereinfachten Bedienung, Abwesenheitsbenachrichtigung

Usability bei Gmail: viele Möglichkeiten können viel Verwirrung stiften

Wir fühlen uns bei Gmail nicht von Werbung belästigt, wie in unseren ersten beiden Tests. Wie schon T-Online gelingt es Google, Werbung dezent zu platzieren. Google nimmt seine Benutzer so an die Hand wie es bislang noch keiner unserer Testkandidaten getan hat: An jeder Stelle scheinen Antworten auf eventuell entstehende Fragen zu warten und die kleine Einstiegstour wird jedem neuen User helfen, einen Durchblick zu bekommen. Vorgefertigt sind bereits einige Label; dieses Wort verwendet Gmail anstelle von „Ordner“. Auch die grundsätzliche Organisation ist bereits vorgegeben. Gmail sortiert eingehende E-Mails automatisch: Im Posteingang landet grundsätzlich alles, darüber hinaus werden den E-Mails weitere Labels zugeordnet. Sendet Ihnen beispielsweise jemand eine Nachricht über soziale Netzwerke, erhalten Sie Ihre Benachrichtigung unter dem Label „soziale Netzwerke“. Erkennt Gmail, dass es sich bei der E-Mail um Werbung oder Newsletter handelt, werden die E-Mails unter „Werbung“ abgelegt. Nachrichten, die Gmail als wichtig einstuft, werden im gleichnamigen Label einsortiert. Das schafft einen schönen Überblick. Achten Sie allerdings darauf, gelegentlich in Ihren Spam-Ordner zu schauen, denn als Spam eingestufte Nachrichten überspringen Ihren Posteingang. Hat sich dorthin eine vermeintliche Spam-Nachricht verirrt, kann das ärgerlich werden, wenn Sie den Ordner nicht gelegentlich prüfen.

Rechts unter dem Einstellungsrädchen können Sie nicht nur Ihr Design anpassen, sondern auch zu den Einstellungen wechseln: Von Einstellungen, die Ihre Übersicht betreffen, über jene, mit denen Sie weitere Konten importieren, bis hin zu Einstellungen experimenteller Services und Features („Labs“) können Sie zahlreiche Anpassungen vornehmen. Das sind so viele, dass sich der Laie leicht verirren kann. Die Gmail-Hilfe antwortet auf typische Fragen und im Gmail-Hilfeforum können Sie Diskussionen rund um Gmail verfolgen, sich beteiligen oder selbst Fragen an die Community stellen. Aus Ihrer E-Mail-Ansicht heraus können Sie den Google Chat nutzen und über Hangout Videoanrufe tätigen. Verfügen Sie über einen Google+ Account, werden Ihnen zudem Ihre Kontakte aus dem Netzwerk angezeigt. Schreiben Sie eine E-Mail, öffnet sich ein Fenster über Ihrer Posteingangsansicht. Unten rechts können Sie Ihre E-Mail formatieren, die Ansicht ändern, Label hinzufügen und entfernen, Ihre Nachricht markieren, sie drucken oder die Rechtschreibung prüfen lassen.

Was verschlüsselt Google bei Gmail?

Wie auch in den bisherigen Tests von Freemail-Anbietern beginnt unser Verschlüsselungstest dort, wo Sie sich einloggen: Bei mail.google.com. Gmail ist der erste in unseren bisherigen Tests, der HTTP für diese Login-Seite nicht zulässt. Versuche, sich über HTTP einzuloggen, werden auf HTTPS umgeleitet. Gelegentlich können dabei Fehlermeldungen entstehen. Steuern Sie dann manuell die HTTPS-Seite an, gelingt Ihr Login. Verschlüsselt wird die Eingangsseite nach Ihrem Login hochgradig (TLS_ECDHE_ECDSA_WITH_AES_128_GCM_SHA256, 128-bit-Schlüssel, PFS-fähig) und vollständig. Unterzeichnet ist das Zertifikat mit dem SHA-1-Algorithmus; möchte Google authentisch bleiben, gilt es, dies bald umzustellen (weiterführende Infos in unserem Blogbeitrag „SHA-1 dankt ab, künftig auch bei Chrome„).

Wir haben auch diesmal Test-E-Mails versendet. TLS wurde in Version 1.0 verwendet, außerdem ein 128 bit-Schlüssel (RC4-SHA:128). Auch bei Gmail sind Ihre Nachrichten ausschließlich transportverschlüsselt. Aufgrund des Safe Harbor-Abkommens, für das Google zertifiziert ist, ergibt sich das Problem, dass Ihre Daten nicht verschlüsselt auf Servern liegen müssen, dass sie in die USA transferiert werden dürfen und dass Google Daten an Geheimdienste geben muss, wenn diese danach verlangen. Wenngleich also die Verschlüsselung in den Google-Diensten selbst hochgradig ausfällt, können Sie sich bei Gmail nicht sicher fühlen. Ihre Daten können weltweit auf Servern lagern.

Gmail: Fazit & Zusammenfassung

Gmail macht vieles richtig: Das kostenfreie Angebot überzeugt insbesondere durch den großzügigen Speicherplatz und die praktische Anbindung an andere Services. Die intuitive Bedienung von Gmail kommt positiv hinzu – und wenn Sie möchten, können Sie unglaublich vielfältige Einstellungen vornehmen. Schon die Default-Variante von Gmail macht das Senden und Empfangen von Nachrichten kinderleicht. Laien könnten von eben diesen vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten durchaus überfordert sein, weshalb wir es wichtig finden, dass Freemail-Anbieter sinnvolle Einstellungen vorgeben. Unseren bisher üblichen Abofallen-Absatz haben wir uns bei Gmail gespart, da keine Abofallen bekannt sind.

Bekannt ist dafür umso mehr das mangelnde Datenschutzniveau: Google, der Konzern hinter Gmail, offeriert derartig viele Dienste und Services, dass Ihre Daten von A nach B mitgenommen werden. Das ist sehr praktisch, wenn Sie diese Services auch nutzen möchten, sinnlos allerdings, wenn Sie darauf verzichten können. Umso angenehmer, dass sich Google gegen seine bisher bestehende Google+-Verpflichtung entschieden hat. Möchten Sie einen Gmail-Account anlegen, ist Google Plus keine zwingende Voraussetzung mehr.

Datenschützer gehen bei Google zu Recht auf die Barrikaden: Aufgrund des Safe Harbor-Abkommens ist es dem Konzern gestattet, Ihre persönlichen, sensiblen Informationen in die USA zu senden. Was dort mit Ihren Daten geschieht, ist schwer vorauszusagen; in jedem Fall können NSA & Co. darauf zugreifen. Wenn Sie Google-Services wie Gmail nutzen, werden Sie definitiv getrackt – mit der Begründung, Werbeanzeigen auf Ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen. Wenn Sie bereit sind, sich so auswerten zu lassen, spricht nichts dagegen. Sind Sie aber der Ansicht, es geht den Konzern nichts an, passen Sie unbedingt die Deaktivierungseinstellungen in den Anzeigeneinstellungen an. Da Sie allerdings diverse Daten ohnehin angeben müssen, nützt Ihnen diese Einstellung nicht so viel – ob Sie wollen oder nicht: Google sammelt Ihre Daten und nutzt sie im gesetzlich zulässigen Rahmen.

  • Sitz des Unternehmens: Mountain View, USA
  • AGB & Datenschutz: beides gut auffindbar, eindeutig und klar formuliert, Datenschutzerklärung stellenweise kritikwürdig (Safe Harbor-Abkommen, Datenverwendung)
  • Werbeversand: nein
  • Registrierung: einfach und nur wenige persönliche Daten notwendig
  • Registrierungsdaten: Vor- und Zuname, Geburtstag, Geschlecht, Standort; optional: Mobilnummer & E-Mail-Adresse
  • Passwortsicherheitskontrollen: gut
  • E-Mail-Speicher: 15 GB (E-Mails + Drive + Google Plus-Fotos)
  • max. Größe für Dateianhänge: 25 MB (durch Google Drive erweiterbar)
  • sonstige Features: Spamschutz für ein-/ ausgehende E-Mails, Kalender, Adressbuch, anpassbare Tabs, Aktionen aus dem Posteingang durchführen (z. B. Versandverfolgung bei Paketlieferungen, direktes Antworten auf Einladungen, etc.), benutzerdefinierte Designs mit eigenen oder vorgefertigten Bildern, Videoanrufe via Hangout in Gmail mit max. 10 Teilnehmern, sofortiges Sehen von Anhängen, Such- und Filterfunktion, virtuelle Tastaturen mit verschiedenen Sprachen, Tastenkürzel zur vereinfachten Bedienung, Abwesenheitsbenachrichtigung
  • Support/ Hilfe: kostenfreie Hilfeseiten, Hilfe-Forum
  • Abofallen bekannt: nein
  • Handling/ Usability: intuitiv, sparsam mit Werbung, extrem vielfältige Einstellungsmöglichkeiten können eventuell zu Unübersichtlichkeit führen
  • Webseitenverschlüsselung: stark
  • Backend-Verschlüsselung: stark
  • E-Mail-Verschlüsselung: okay
  • PFS: ja
  • Serverstandort: weltweit



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