{"id":12522,"date":"2026-10-27T08:24:04","date_gmt":"2026-10-27T07:24:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/?p=12522"},"modified":"2026-10-27T08:24:04","modified_gmt":"2026-10-27T07:24:04","slug":"ot-security","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/ot-security\/","title":{"rendered":"OT-Security: Warum Zertifikate auch in der Produktion gebraucht werden"},"content":{"rendered":"<p>Produktionsanlagen sind heute so vernetzt wie die B\u00fcro-IT, doch OT-Security folgt anderen Regeln. Eine davon gewinnt an Gewicht: Jede Steuerung und jede Maschine braucht eine eindeutige, pr\u00fcfbare Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wo fr\u00fcher abgeschottete Anlagen liefen, verbinden heute Fernwartungszug\u00e4nge, Manufacturing Execution Systems und Cloud-Plattformen die Fertigung mit dem \u00fcbrigen Unternehmen und mit externen Dienstleistern. Jede dieser Verbindungen ist ein m\u00f6glicher Weg in die Produktion. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von au\u00dfen: Seit dem 6. Dezember 2025 gilt in Deutschland das Gesetz zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie, und ab dem 20. Januar 2027 sieht die neue Maschinenverordnung vor, dass sicherheitsrelevante Software und Daten von Maschinen gegen Korrumpierung gesch\u00fctzt sind.<\/p>\n<p>Wer seine Produktion absichern will, muss deshalb zwei Fragen kl\u00e4ren. Die erste lautet, was OT-Security von der vertrauten IT-Sicherheit unterscheidet. Die zweite lautet, wie sich pr\u00fcfen l\u00e4sst, ob eine Maschine, eine Steuerung oder ein Leitsystem tats\u00e4chlich das ist, was es zu sein vorgibt. Die Antwort auf die zweite Frage f\u00fchrt zu digitalen Zertifikaten, die in der B\u00fcro-IT l\u00e4ngst Alltag sind und nun auch in der Produktion gebraucht werden.<\/p>\n<h2>Was ist OT-Security?<\/h2>\n<p>OT-Security, auf Deutsch OT-Sicherheit, sch\u00fctzt die Betriebstechnik eines Unternehmens. OT steht f\u00fcr Operational Technology, also f\u00fcr Steuerungen, Leitsysteme, Sensoren und Aktoren, die physische Prozesse in Produktion, Energieversorgung oder Geb\u00e4udetechnik steuern und \u00fcberwachen. OT-Security sorgt daf\u00fcr, dass diese Systeme verf\u00fcgbar bleiben, korrekt arbeiten und nicht manipuliert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zur Betriebstechnik geh\u00f6ren zum Beispiel speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), die eine Fertigungslinie takten, SCADA-Systeme, mit denen ein Leitstand Pumpen und Ventile \u00fcberwacht, sowie Industrieroboter, Antriebe und Messger\u00e4te. Auch die Geb\u00e4udeleittechnik, die Klima, Zutritt und Brandschutz regelt, z\u00e4hlt dazu. Ein OT-Netzwerk ist das Netz, \u00fcber das diese Komponenten untereinander und mit den Leitsystemen kommunizieren. Solche Netze finden sich in der Fertigung, in der Energie- und Wasserversorgung, in der Chemie- und Pharmaproduktion und in der Logistik.<\/p>\n<p>Oft f\u00e4llt in diesem Zusammenhang auch der Begriff IoT. Der Unterschied zwischen OT und IoT liegt im Einsatzzweck: Das Internet der Dinge umfasst vernetzte Ger\u00e4te aller Art, vom Thermostat bis zum Fitness-Tracker, und ist von Anfang an auf Verbindung ausgelegt. OT bezeichnet dagegen die Technik, die industrielle Prozesse steuert, h\u00e4ufig \u00fcber viele Jahre und mit eigenen Protokollen und Normen. Wo sich beides \u00fcberschneidet, spricht man vom industriellen IoT (IIoT). Die Grundprinzipien der <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/iot-sicherheit-einfach-erklaert-die-rolle-von-zertifikaten-und-pki\/\">IoT-Sicherheit<\/a>, etwa eindeutige Ger\u00e4teidentit\u00e4ten und verschl\u00fcsselte Kommunikation, gelten auch in der Produktion. Dort kommen jedoch Anforderungen hinzu, die es in der B\u00fcro-IT nicht gibt.<\/p>\n<h2>Der Unterschied zwischen IT-Security und OT-Security<\/h2>\n<p>Der wichtigste Unterschied zwischen IT- und OT-Security liegt in der Rangfolge der Schutzziele: In der IT steht meist die Vertraulichkeit von Daten im Vordergrund, in der OT die Verf\u00fcgbarkeit und die Betriebssicherheit der Anlage. Ein Server l\u00e4sst sich f\u00fcr ein Update am Wochenende neu starten, eine Produktionslinie im Dreischichtbetrieb nicht. Aus dieser Rangfolge ergeben sich weitere Unterschiede:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Lebenszyklus:<\/strong> B\u00fcro-Hardware wird nach wenigen Jahren ersetzt. Steuerungen bleiben dagegen oft so lange in Betrieb wie die Maschine, in der sie arbeiten. Manche laufen deshalb mit Betriebssystemen, f\u00fcr die der Hersteller keine Updates mehr liefert.<\/li>\n<li><strong>Patchen:<\/strong> Updates sind in der OT nur in geplanten Wartungsfenstern m\u00f6glich und m\u00fcssen h\u00e4ufig vorher vom Anlagenhersteller freigegeben werden.<\/li>\n<li><strong>Echtzeit:<\/strong> Viele Prozesse verlangen feste Reaktionszeiten. Sicherheitssoftware, die Rechenzeit kostet, l\u00e4sst sich auf Steuerungen deshalb oft nicht einsetzen.<\/li>\n<li><strong>Protokolle:<\/strong> Klassische Industrieprotokolle wie Modbus wurden f\u00fcr abgeschottete Netze entwickelt und kennen keine Authentifizierung. Wer Zugang zum Netz hat, kann Befehle senden.<\/li>\n<li><strong>Zust\u00e4ndigkeiten:<\/strong> Die IT verantwortet Netzwerke und Server, die Produktion verantwortet die Anlagen. OT-Security braucht beide Seiten an einem Tisch.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie flie\u00dfend die Grenze geworden ist, zeigt die Frage, ob ein MES zur OT oder zur IT geh\u00f6rt. Im Purdue-Modell, einem verbreiteten Referenzmodell f\u00fcr Produktionsnetze, liegt das Manufacturing Execution System auf Ebene 3. Es sitzt damit zwischen der Unternehmens-IT mit ERP und E-Mail und der Steuerungsebene mit SPS und SCADA und geh\u00f6rt zu beiden Welten. Solche \u00dcberg\u00e4nge brauchen besondere Aufmerksamkeit, weil \u00fcber sie Daten und Zugriffe von einer Welt in die andere gelangen. IT- und OT-Security lassen sich deshalb nicht getrennt betrachten: Die Methoden der IT sind in der Produktion n\u00fctzlich, m\u00fcssen aber an deren Bedingungen angepasst werden.<\/p>\n<h2>Warum Vernetzung und Regulierung den Druck erh\u00f6hen<\/h2>\n<p>Lange galt die Trennung vom B\u00fcronetz als ausreichender Schutz f\u00fcr die Produktion. Diese Trennung l\u00f6st sich auf: Maschinenhersteller warten Anlagen aus der Ferne, Produktionsdaten flie\u00dfen in Auswertungen und Cloud-Dienste, und neue Maschinen kommen mit eigener Netzwerkschnittstelle. Das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschreibt die daraus entstehenden Risiken in seiner Publikation <a href=\"https:\/\/www.allianz-fuer-cybersicherheit.de\/SharedDocs\/Downloads\/Webs\/ACS\/DE\/BSI-CS\/BSI-CS_005.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eIndustrial Control System Security: Top 10 Bedrohungen und Gegenma\u00dfnahmen 2022\u201c<\/a>. Weitere Empfehlungen f\u00fcr Betreiber, Integratoren und Hersteller b\u00fcndelt das BSI auf seiner Seite zu <a href=\"https:\/\/www.bsi.bund.de\/DE\/Themen\/Unternehmen-und-Organisationen\/Informationen-und-Empfehlungen\/Empfehlungen-nach-Angriffszielen\/Industrielle-Steuerungs-und-Automatisierungssysteme\/Download\/download.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">industriellen Steuerungs- und Automatisierungssystemen<\/a>.<\/p>\n<p>Hinzu kommen neue Vorgaben. Drei Regelwerke sind f\u00fcr die Produktion besonders relevant:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>NIS2-Umsetzungsgesetz:<\/strong> Das <a href=\"https:\/\/www.recht.bund.de\/bgbl\/1\/2025\/301\/VO.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesetz zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie<\/a> ist seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft und erweitert den Kreis der Unternehmen, die Pflichten zur Cybersicherheit erf\u00fcllen m\u00fcssen. Ob ein Unternehmen darunter f\u00e4llt, h\u00e4ngt von Branche und Gr\u00f6\u00dfe ab und l\u00e4sst sich anhand der Kriterien zur <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/nis2-umsetzung-was-sie-jetzt-wissen-muessen\/\">NIS2-Umsetzung<\/a> pr\u00fcfen.<\/li>\n<li><strong>Maschinenverordnung:<\/strong> Ab dem 20. Januar 2027 gilt die <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1230\/oj\/deu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verordnung (EU) 2023\/1230<\/a> und l\u00f6st die Maschinenrichtlinie ab. Sie sieht unter anderem vor, dass sicherheitsrelevante Software und Daten gegen unbeabsichtigte oder vors\u00e4tzliche Korrumpierung gesch\u00fctzt sind und dass Steuerungen vorhersehbaren b\u00f6swilligen Zugriffsversuchen Dritter standhalten (Anhang III, Nr. 1.1.9 und 1.2.1).<\/li>\n<li><strong>Cyber Resilience Act:<\/strong> Der <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/cyber-resilience-act\/\">Cyber Resilience Act<\/a> stellt Sicherheitsanforderungen an Produkte mit digitalen Elementen, die in der EU auf den Markt kommen. Dazu geh\u00f6ren auch vernetzte Komponenten f\u00fcr die Industrie. Die meisten Pflichten gelten ab Dezember 2027.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gemeinsam ist den Regelwerken, dass sie Ziele beschreiben und keine bestimmte Technik vorschreiben. Einen Rahmen f\u00fcr die Umsetzung in Produktionsanlagen bietet eine eigene Normenreihe.<\/p>\n<h2>IEC 62443: der Rahmen f\u00fcr industrielle Sicherheit<\/h2>\n<p>Die IEC 62443 ist eine internationale Normenreihe f\u00fcr die Sicherheit industrieller Automatisierungs- und Steuerungssysteme. Sie richtet sich an alle Beteiligten: an Betreiber, die Anlagen betreiben, an Integratoren, die Systeme planen und aufbauen, und an Hersteller, die Komponenten entwickeln. F\u00fcr jede dieser Rollen beschreiben eigene Teile der Reihe, welche Prozesse und technischen Eigenschaften gefordert sind. Einen \u00dcberblick \u00fcber alle Teile bietet die <a href=\"https:\/\/www.isa.org\/standards-and-publications\/isa-standards\/isa-iec-62443-series-of-standards\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">International Society of Automation (ISA)<\/a>, aus deren Normungsarbeit die Reihe hervorgegangen ist.<\/p>\n<p>Zwei Konzepte pr\u00e4gen die Norm. Das erste sind Zonen und Conduits: Die Anlage wird in Zonen mit \u00e4hnlichem Schutzbedarf aufgeteilt, etwa eine Fertigungszelle oder einen Leitstand, und die Verbindungen zwischen den Zonen, die Conduits, werden gezielt kontrolliert. Das zweite sind die Security Levels 1 bis 4. Sie beschreiben, gegen welche Angreifer eine Zone gesch\u00fctzt sein soll, vom zuf\u00e4lligen Fehlgriff bis zum gezielten Angriff mit umfangreichen Ressourcen und speziellem Wissen \u00fcber Industrieanlagen.<\/p>\n<p>Die technischen Anforderungen an ein System gliedert die IEC 62443-3-3 in sieben grundlegende Anforderungen, die Foundational Requirements. Die erste betrifft die Identifikation und Authentifizierung. Sie verlangt unter anderem, dass sich nicht nur Menschen, sondern auch Software-Prozesse und Ger\u00e4te authentifizieren, und enth\u00e4lt Anforderungen an den Einsatz von PKI-Zertifikaten und an die St\u00e4rke der Authentifizierung mit \u00f6ffentlichen Schl\u00fcsseln (SR 1.2, SR 1.8 und SR 1.9). F\u00fcr einzelne Komponenten formuliert die IEC 62443-4-2 entsprechende Anforderungen. Die Norm macht damit deutlich, dass auch Maschinen und Steuerungen eine eigene, pr\u00fcfbare Identit\u00e4t brauchen.<\/p>\n<h2>Warum Maschinen und Steuerungen Zertifikate brauchen<\/h2>\n<p>Ein digitales Zertifikat best\u00e4tigt, dass ein \u00f6ffentlicher Schl\u00fcssel zu einer bestimmten Identit\u00e4t geh\u00f6rt, und wird von einer vertrauensw\u00fcrdigen Zertifizierungsstelle ausgestellt. In der B\u00fcro-IT weisen sich so Webserver, Nutzer und Anwendungen aus. In der Produktion \u00fcbernehmen Zertifikate dieselbe Aufgabe f\u00fcr Steuerungen, Leitsysteme, Edge-Gateways und Maschinen. Sie alle sind <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/maschinenidentitaeten-einfach-erklaert\/\">Maschinenidentit\u00e4ten<\/a>, die sich gegen\u00fcber anderen Systemen ausweisen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zertifikate leisten in der Produktion vor allem vier Dinge:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Eindeutige Identit\u00e4t statt geteilter Passw\u00f6rter:<\/strong> Wo sich Ger\u00e4te heute mit Standardpassw\u00f6rtern oder einem gemeinsamen Zugang anmelden, ist kaum nachvollziehbar, welches Ger\u00e4t welche Aktion ausgel\u00f6st hat. Ein Zertifikat ist an genau ein Ger\u00e4t gebunden und l\u00e4sst sich gezielt widerrufen, wenn das Ger\u00e4t ausgetauscht oder kompromittiert wird.<\/li>\n<li><strong>Gegenseitige Authentifizierung:<\/strong> Steuerung und Leitsystem pr\u00fcfen beim Verbindungsaufbau gegenseitig ihre Zertifikate. Ein fremdes Ger\u00e4t im Netz kann sich so nicht ohne Weiteres als Steuerung ausgeben, und ein Angreifer kann nicht einfach Befehle im Namen des Leitsystems senden.<\/li>\n<li><strong>Verschl\u00fcsselte Kommunikation:<\/strong> Mit den Schl\u00fcsseln aus den Zertifikaten lassen sich Verbindungen verschl\u00fcsseln und gegen Manipulation sichern, auch auf dem Weg von der Fertigung in die Cloud.<\/li>\n<li><strong>Signierte Firmware und Updates:<\/strong> Ist eine Firmware digital signiert, kann eine Steuerung vor der Installation pr\u00fcfen, ob das Update vom Hersteller stammt und unver\u00e4ndert ist. Das Verfahren dahinter entspricht dem <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/code-signing-in-der-softwareentwicklung\/\">Code Signing<\/a> in der Softwareentwicklung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dasselbe Prinzip nutzen <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/iot-geraetezertifikate-baustein-fuer-sichere-vernetzung\/\">Ger\u00e4tezertifikate<\/a> im Internet der Dinge. In der Produktion kommt hinzu, dass ein verbreitetes Industrieprotokoll Zertifikate bereits fest vorsieht.<\/p>\n<h3>OPC UA: Zertifikate im Protokoll eingebaut<\/h3>\n<p>OPC UA ist ein Standard f\u00fcr den herstellerunabh\u00e4ngigen Datenaustausch in der Industrie, von der Steuerung bis zum MES. Anders als \u00e4ltere Protokolle bringt OPC UA ein eigenes Sicherheitsmodell mit. Wie OPC-UA-Zertifikate funktionieren, l\u00e4sst sich in drei Schritten beschreiben:<\/p>\n<ul>\n<li>Jede OPC-UA-Anwendung, ob Server auf einer Steuerung oder Client im Leitsystem, besitzt ein eigenes X.509-Zertifikat, das sogenannte Application Instance Certificate.<\/li>\n<li>Beim Verbindungsaufbau tauschen Client und Server ihre Zertifikate aus. Jede Seite pr\u00fcft anhand ihrer Vertrauensliste, der Trust List, ob sie der Gegenstelle vertraut, und weist unbekannte Zertifikate ab.<\/li>\n<li>Je nach Sicherheitsmodus werden die Nachrichten anschlie\u00dfend signiert oder signiert und verschl\u00fcsselt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In kleinen Anlagen lassen sich Zertifikate noch von Hand verteilen und in die Vertrauenslisten eintragen. Mit jeder weiteren Verbindung wird das aufwendiger und fehleranf\u00e4lliger. Die <a href=\"https:\/\/reference.opcfoundation.org\/specs\/OPC-10000-2\/9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">OPC-UA-Spezifikation<\/a> sieht daf\u00fcr eine zentrale Zertifikatsverwaltung \u00fcber einen Global Discovery Server vor. Er verteilt Zertifikate und Vertrauenslisten an die Anwendungen, entweder aktiv per Push oder auf Anfrage der Anwendung per Pull. Die Technik f\u00fcr sichere Identit\u00e4ten steckt also bereits im Protokoll, entscheidend ist ihre Verwaltung.<\/p>\n<h2>Zertifikate in der Produktion verwalten<\/h2>\n<p>Zertifikate in der Produktion folgen denselben Grunds\u00e4tzen wie in der IT, unterliegen aber anderen Bedingungen. F\u00fcnf Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Private statt \u00f6ffentlicher PKI:<\/strong> F\u00fcr die Kommunikation innerhalb einer Anlage eignen sich Zertifikate aus einer eigenen Public-Key-Infrastruktur besser als \u00f6ffentlich vertrauensw\u00fcrdige TLS-Zertifikate. Das Unternehmen legt dann selbst fest, welche Ger\u00e4te Zertifikate erhalten und wie lange diese gelten. Die sinkenden H\u00f6chstlaufzeiten f\u00fcr \u00f6ffentliche Zertifikate betreffen eine solche private PKI nicht.<\/li>\n<li><strong>Laufzeiten passend zur Anlage:<\/strong> Die Laufzeit eines Ger\u00e4tezertifikats sollte zum Wartungsrhythmus passen. Zu kurze Laufzeiten erzwingen Eingriffe au\u00dferhalb der Wartungsfenster, zu lange Laufzeiten vergr\u00f6\u00dfern das Risiko, falls ein Schl\u00fcssel kompromittiert wird.<\/li>\n<li><strong>Netze ohne Internetzugang:<\/strong> Produktionsnetze sind oft bewusst vom Internet getrennt. Die Zertifizierungsstelle oder eine Registrierungsstelle muss deshalb innerhalb des Netzes erreichbar sein, oder Zertifikate werden \u00fcber eine kontrollierte Schnittstelle bereitgestellt.<\/li>\n<li><strong>Automatische Ausstellung und Erneuerung:<\/strong> Standardisierte Protokolle wie EST oder SCEP erlauben es Ger\u00e4ten, Zertifikate selbst zu beantragen und rechtzeitig zu erneuern. Erneuerungen lassen sich so planen, dass sie ohne Stillstand ablaufen.<\/li>\n<li><strong>Vollst\u00e4ndiges Inventar:<\/strong> Wer nicht wei\u00df, welche Ger\u00e4te welche Zertifikate nutzen und wann diese ablaufen, riskiert Ausf\u00e4lle. Ein abgelaufenes Zertifikat kann die Verbindung zwischen Steuerung und Leitsystem genauso unterbrechen wie ein technischer Defekt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Grunds\u00e4tze daf\u00fcr sind dieselben wie in der IT: Unternehmen erfassen den Bestand, legen Regeln fest, automatisieren wiederkehrende Aufgaben und \u00fcberwachen die Laufzeiten. Wie sich das organisatorisch verankern l\u00e4sst, zeigen die <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/certificate-lifecycle-management-best-practices\/\">Best Practices f\u00fcr Certificate Lifecycle Management<\/a>. F\u00fcr die technische Umsetzung bei vielen vernetzten Ger\u00e4ten gibt es spezialisierte L\u00f6sungen wie eine <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/automatisierung\/iot-pki\/\">IoT-PKI<\/a>, die Zertifikate f\u00fcr gro\u00dfe Ger\u00e4tezahlen ausstellt, verteilt und erneuert.<\/p>\n<h2>Erste Schritte f\u00fcr mehr OT-Security<\/h2>\n<p>OT-Security beginnt nicht mit einem Produkt, sondern mit einem klaren Bild der eigenen Anlagen. F\u00fcnf Schritte helfen beim Einstieg:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Anlagen und Verbindungen erfassen:<\/strong> Halten Sie fest, welche Steuerungen, Leitsysteme und Gateways es gibt und mit welchen Systemen sie kommunizieren. Dazu geh\u00f6ren auch die Fernwartungszug\u00e4nge von Dienstleistern.<\/li>\n<li><strong>Zonen bilden:<\/strong> Fassen Sie Systeme mit \u00e4hnlichem Schutzbedarf zu Zonen zusammen und kontrollieren Sie die \u00dcberg\u00e4nge zwischen ihnen, wie es die IEC 62443 beschreibt.<\/li>\n<li><strong>Fernzug\u00e4nge absichern:<\/strong> Externe Zug\u00e4nge sollten \u00fcber zentrale, protokollierte Wege laufen und eine starke Authentifizierung verlangen.<\/li>\n<li><strong>Identit\u00e4ten einf\u00fchren:<\/strong> Beginnen Sie mit neuen Anlagen und mit OPC-UA-Verbindungen. Dort lassen sich Zertifikate am einfachsten einsetzen, und die Erfahrungen helfen bei der sp\u00e4teren Ausweitung auf den Bestand.<\/li>\n<li><strong>Zust\u00e4ndigkeiten kl\u00e4ren:<\/strong> Legen Sie fest, wer f\u00fcr Netze, Anlagen und Zertifikate verantwortlich ist, und bringen Sie IT und Produktion regelm\u00e4\u00dfig zusammen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zertifikate sind dabei kein Selbstzweck. Sie sorgen daf\u00fcr, dass jede Maschine und jede Steuerung nachweisen kann, wer sie ist, und dass nur berechtigte Systeme miteinander kommunizieren. Wenn Sie Identit\u00e4ten f\u00fcr Ihre Produktion aufbauen m\u00f6chten, ber\u00e4t Sie die PSW GROUP gern zu einer <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/automatisierung\/iot-pki\/\">IoT-PKI<\/a> f\u00fcr Ihre Maschinen und Steuerungen.<\/p>\n<div class=\"shariff\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.psw-group.de%2Fblog%2Fot-security%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.psw-group.de%2Fblog%2Fot-security%2F&text=OT-Security%3A%20Warum%20Zertifikate%20auch%20in%20der%20Produktion%20gebraucht%20werden\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button xing shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#29888a\"><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/spi\/shares\/new?url=https%3A%2F%2Fwww.psw-group.de%2Fblog%2Fot-security%2F\" title=\"Bei XING teilen\" aria-label=\"Bei XING teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#126567; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 25 32\"><path fill=\"#126567\" d=\"M10.7 11.9q-0.2 0.3-4.6 8.2-0.5 0.8-1.2 0.8h-4.3q-0.4 0-0.5-0.3t0-0.6l4.5-8q0 0 0 0l-2.9-5q-0.2-0.4 0-0.7 0.2-0.3 0.5-0.3h4.3q0.7 0 1.2 0.8zM25.1 0.4q0.2 0.3 0 0.7l-9.4 16.7 6 11q0.2 0.4 0 0.6-0.2 0.3-0.6 0.3h-4.3q-0.7 0-1.2-0.8l-6-11.1q0.3-0.6 9.5-16.8 0.4-0.8 1.2-0.8h4.3q0.4 0 0.5 0.3z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.psw-group.de%2Fblog%2Fot-security%2F\" title=\"Bei LinkedIn teilen\" aria-label=\"Bei LinkedIn teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Produktionsanlagen sind heute so vernetzt wie die B\u00fcro-IT, doch OT-Security folgt anderen Regeln. Eine davon gewinnt an Gewicht: Jede Steuerung und jede Maschine braucht eine eindeutige, pr\u00fcfbare Identit\u00e4t. Wo fr\u00fcher abgeschottete Anlagen liefen, verbinden heute Fernwartungszug\u00e4nge, Manufacturing Execution Systems und Cloud-Plattformen die Fertigung mit dem \u00fcbrigen Unternehmen und mit externen Dienstleistern. Jede dieser Verbindungen ist ein m\u00f6glicher Weg in die Produktion. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von au\u00dfen: Seit dem 6. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":68,"featured_media":12525,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[379],"tags":[1532,1334,1452,1531],"class_list":["post-12522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-it-security","tag-awareness","tag-iot-sicherheit","tag-pki","tag-regulierung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/68"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12523,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12522\/revisions\/12523"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}